Der giftige Preis fürs Fleisch

Sojaanbau im Cerrado

Der giftige Preis fürs Fleisch

Fleisch ist lecker und gerade jetzt zur Grill Saison auch besonders billig. Würste, Koteletts oder Hühnerbrüste kosten nur ein paar Euro. Aber welchen 'Preis' zahlen wir wirklich fürs Billigfleisch?

Um in Deutschland Fleisch billig zu produzieren, bedarf es enormer Mengen Soja als Futtermittel. Denn nur dank dem pflanzlichen Eiweiß aus Soja können die Tiere schnell genug wachsen. Brasilien ist einer der größten Lieferanten von Soja. Dort wird in riesigen Monokulturen gentechnisch verändertes Soja unter enormen Pestizideinsatz angebaut und nach Europa exportiert. Gerade beim Pflanzenschutzmittel Glyphosat wurden die Grenzwerte in den vergangen Jahren stark erhöht.

Kein Wunder also, dass Brasilien die Anbauflächen dramatisch ausweitet. Der neueste Coup: Der brasilianische Cerrado, mit 2 Millionen Quadratkilometern eine der größten Trockensavannen der Welt, soll bis 2021 zu 80 Prozent für Sojaanbau gerodet werden. Warum gibt es in Deutschland das günstigste Schweinefleisch in ganz Europa? Welche ökologischen und sozialen Folgen hat der Konsum von Billigfleisch? Eine Erkundung in Deutschland und Brasilien.

Autoren: Peter Kreysler und Christoph Burgmer

Redaktion: Jessica Eisermann

Der giftige Preis fürs Fleisch

Die Mercosur-Gruppe mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay umfasst 260 Mio. Verbraucher. Die EU steht - weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit - kurz davor, ein Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Ländern zu unterzeichnen. Die EU will sich den zollfreien Zugang zu den südamerikanischen Märkten sichern. Im Gegenzug sollen die Mercosur-Staaten mehr Fleisch und Agrarerzeugnisse nach Europa exportieren dürfen. Peter Kreysler und Christoph Burgmer haben in Deutschland und Brasilien recherchiert: eine Reportage über Gifte und Gefahren der internationalen Agrarindustrie.

Fleischerzeugnisse in einem Einkaufswagen

Deutscher Supermarkt: Fleisch ist in Deutschland sehr billig. Aber ist die Produktion auch gesund, fragen sich viele Kunden?

Deutscher Supermarkt: Fleisch ist in Deutschland sehr billig. Aber ist die Produktion auch gesund, fragen sich viele Kunden?

Eine der Bedingungen für die billige Fleischproduktion ist genverändertes Soja zur Fütterung. Brasilien ist ein Hauptproduzent. Per Schiff kommt es aus dem Hafen von Itaqui. Industriell angebaut wird Soja in der Matupiba, eine künstlich geschaffene Entwicklungsregion, die sich über vier brasilianische Bundesstaaten erstreckt.

Die Matupiba liegt hauptsächlich im Cerrado, der artenreichsten Savanne der Welt. Der Trockenwald steht 'auf dem Kopf', da sich zwei Drittel der Pflanzenteile als Durchwurzelung in der Erde befinden.

Der Cerrado ist in der Fläche doppelt so groß wie die Bunderepublik Deutschland und einer der größten Wasserspeicher der Welt. Die brasilianische Regierung plant 80 Prozent des Cerrado bis 2021 für die industrielle Produktion von Soja-, Eukalyptus- und Zuckerrohrplantagen zu roden.

Ist der Wald einmal gerodet, wie hier gerade geschehen, lässt sich der Boden einige Jahre für den Sojaanbau nutzen. Dies funktioniert nur unter massivem Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden, vor allem Glyphosat, welches in drei bis sechsfach höherer Menge als in Europa versprüht wird.

Am Ende ist der Boden völlig ausgelaugt. Zurück bleibt Sandwüste.

Im Cerrado leben seit Generationen Menschen von naturnaher Landwirtschaft.

Maria Rita und ihr Mann wehren sich gegen Großgrundbesitzer und die internationale Agrarindustrie. Diese versuchen, sie mit Gewalt zu vertreiben

Sie zeigen ihre zerstörte Wasserpumpe. Die Angreifer kommen meistens nachts. "Grillagem" heißt es auf Portugiesisch, wenn man Bauern mit gefälschten Besitztiteln von ihrem Land vertreibt.

Wir besuchen die Versammlungen. Die Menschen sagen, dass ihre Gesundheit der Preis für billiges Soja sei. Es geht nicht darum, keine Landwirtschaft zuzulassen. Sie fordern aber eine Landwirtschaft, von denen die 50 Millionen Einwohner des Cerrado leben können.

Der giftige Preis fürs Fleisch

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 03.07.2018 | 22:19 Min.

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