Wie wird man deutsch? Von der Einbürgerung

Stempel "Einbürgerung" steht neben Einbürgerunstest

Wie wird man deutsch? Von der Einbürgerung

Heimat, Verwurzelung, nationale Identität, Deutschsein. Was steckt hinter diesen Begriffen? Wann ist man deutsch oder fühlt sich so? Geschichten von Menschen, die vor der Frage stehen und standen, deutscher Staatsbürger zu werden.

Der deutsche Pass ist es, sagen viele. Mit dem amtlichen Dokument in der Hand sei man deutsch. Unter bestimmten Voraussetzungen haben Ausländer einen Rechtsanspruch auf Einbürgerung. Deutsche*r kann man werden, wenn man in Deutschland acht Jahre mit einem gesicherten Aufenthaltsstatus gelebt und in dieser Zeit seinen Lebensunterhalt eigenständig gesichert hat. Außerdem muss man seine Deutschkenntnisse nachweisen und einen Einbürgerungstest absolvieren.

Wie wird man deutsch? Von der Einbürgerung

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 19.04.2018 | 21:18 Min.

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Den bisherigen Pass abgeben – eine schwierige Entscheidung

Seit dem Jahr 2000 wurden mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland eingebürgert. Die häufigsten Anträge der letzten Jahre kamen von Türken und Polen, gefolgt von Ukrainern und Kosovaren.

Mann aus Afrika hält Einbürgerungsurkunde in Händen

In der Regel ist es ein langer Weg zur Einbürgerung

Als Staatsbürger in Deutschland anzukommen heißt heute oft auch, seinen bisherigen Pass abzugeben – es sei denn, man ist Spätaussiedler, der Herkunftsstaat verweigert die Entlassung aus der Staatsbürgerschaft oder man ist EU-Bürger. Deshalb besitzen zwar nach schwankenden Angaben zwischen zwei und vier Millionen Deutsche einen zweiten Pass. Andererseits soll die Mehrstaatlichkeit vermieden werden. Und das scheint ein Problem für viele Nicht-EU Ausländer bei der Entscheidung für oder gegen die Einbürgerung zu sein.

"Von Deutschland kann ich mehr erwarten als von Tschechien"

Welche Motive und Lebensgeschichten verbergen sich hinter dem Wunsch nach deutscher Staatsangehörigkeit? Irena aus Tschechien ist 39 Jahre, lebt seit mehr als 20 Jahren in Deutschland. Sie fühlte irgendwann eine Fremde für ihr Herkunftsland, eine Wut, sagt sie. "Ich konnte es nicht verstehen: Die Ausrichtung der tschechischen Regierung, viele sprechen sich auch für einen Austritt aus der EU aus, nur als Beispiel." Sie hat gemerkt: Ihr Zuhause ist Deutschland und von Deutschland könne sie mehr erwarten als von Tschechien.

"Sierra Leone bleibt immer noch meine erste Heimat"

Derek ist 40 Jahre alt, seit 17 Jahren lebt er in Berlin. Der gebürtige Dubliner ist Korrespondent der Irish Times. Sein irischer Pass, seine Herkunft, hat nach wie vor einen großen Wert für ihn: "Wenn ich meinen irischen Pass abgeben müsste, das wäre so, als ob man ein Glied oder ein Teil des Herzens raus schneiden muss und zwar vor einem Beamten in einem Büro mit Gummipflanzen."

Tejan, 41 Jahre, ist vor zehn Jahren von Sierra Leona nach Deutschland gekommen und geblieben – für seine Liebe. Er heiratete seine deutsche Freundin. Und fühlt seine Heimat in beiden Ländern. Wenn die doppelte Staatsbürgerschaft mit Sierra Leone möglich wäre, würde er sich sofort einbürgern lassen, sagt er. "Für mich ist Deutschland wie ein zweites Zuhause, aber Sierra Leone bleibt immer noch meine erste Heimat, wenn ich das so sagen kann."

Autor: Matthias Baxmann
Redaktion: Regina Tanne