100 Jahre Zuiderzee-Staudamm in den Niederlanden

Aufnahmen von Deichen und anderen Orten am Ijsselmeer und Markermeer in den Niederlanden

100 Jahre Zuiderzee-Staudamm in den Niederlanden

Noch vor hundert Jahren gab es in den Niederlanden heftige Sturmfluten. Am 14. Juni 1918 startete das größte Landgewinnungsprojekt der Welt: Ein Deichsystem wurde gebaut und bot einen Schutzraum für die Bewohner der Nordseeküste.

Wer – wie zum Beispiel die Menschen in NRW – tief im Binnenland lebt, kann es sich zwar vorstellen, hat es aber vermutlich selbst nie erlebt: Wie Deiche brechen, Wassermassen ins Land strömen und alles mit sich fortreißen. Auf dem Gebiet der heutigen Niederlande waren Flutkatastrophen seit dem 13. Jahrhundert grausamer Alltag. Darum erließ die Regierung genau heute vor 100 Jahren das Zuiderzee-Gesetz - benannt nach einer Meeresbucht, die durch einen gigantischen Sperrdamm von der Nordsee abgetrennt wurde.

Der Damm verläuft zwischen den Provinzen Noordholland und Friesland. Er hat viele positive Effekte. Aber auch einige Negative, die die Holländer jetzt korrigieren wollen: Der sogenannte "Fischmigrationsfluss" – eine Öffnung im Deich – soll Fischen künftig wieder Wanderungen zwischen Nordsee und Ijsselmeer ermöglichen.

100 Jahre Zuiderzee-Staudamm in den Niederlanden

Am 14. Juni 1918 wurde in den Niederlanden das Zuiderzee-Gesetz erlassen: Ein radikales und weitgreifendes Gesetz, das aus der salzigen Zuiderzee das Ijsselmeer machte und die Niederlande für immer veränderte.

Aufnahmen von Deichen und anderen Orten am Ijsselmeer und Markermeer in den Niederlanden

Heute erinnert an der früheren Zuiderzee nichts mehr an die Naturgewalten, die hier noch Anfang des 20. Jahrhunderts tobten. Der kleine Fischerhafen von Marken zählt zu den idyllischsten, die rund um Ijsselmeer und Markermeer liegen. Sie entstanden 1932 bzw. 1976 durch Eindeichungen.

Heute erinnert an der früheren Zuiderzee nichts mehr an die Naturgewalten, die hier noch Anfang des 20. Jahrhunderts tobten. Der kleine Fischerhafen von Marken zählt zu den idyllischsten, die rund um Ijsselmeer und Markermeer liegen. Sie entstanden 1932 bzw. 1976 durch Eindeichungen.

Das neue "Wadden Center" – ein Deichinformationszentrum – hat Ende März 2018 eröffnet. Es liegt unmittelbar am Abschlussdeich, der 1932 zwischen den Provinzen Noord-Holland und Friesland errichtet wurde, um das Land vor Flutkatastrophen zu schützen.

Neben dem musealen Aspekt bietet die neue Einrichtung auch eine große Aussichtsplattform und ein Restaurant. Mit moderner 4D-Technik wird in der Ausstellung die stürmische Vergangenheit der Region erlebbar gemacht.

Sitzplätze gibt es keine im "Sturmtheater", aber Geländer, an denen sich die Zuschauer festhalten können. Dann startet der Film. Auf Leinwänden, die vorne, links und rechts im Raum angebracht sind. Wind heult erst leise, dann immer lauter. Streift die Haut und bringt die Haare durcheinander.

Urk ist eine frühere Insel. Erst durch die Eindeichung der Zuiderzee wurde sie 1939 zu einem Teil des Festlandes. Die Nachfahren der einstigen Fischer halten noch heute an ihren Traditionen und Eigenheiten fest.

Früher lebten die Menschen auf Urk vom Fischfang. Heute leben sie "in" Urk primär vom Tourismus. Auch wenn die Alteingesessenen immer noch davon sprechen, "auf" Urk zu wohnen und von alten Zeiten schwärmen.

Jan van Urk ist heute 73 Jahre alt. Bereits mit 13 Jahren musste er zur See fahren. 23 Jahre lang hat er als Fischer auf Ijsselmeer und Nordsee gearbeitet. Danach war er drei Jahrzehnte Hafenmeister in Urk, bis zu seiner Pensionierung.

Die Bevölkerung in Urk ist noch heute sehr religiös und trägt zum Kirchgang bzw. an Feiertagen stolz die örtliche Tracht. Hier hängt sie zum Trocknen.

Ohne Deiche würde es die gesamte Provinz Flevoland, zu der auch Urk zählt, nicht geben. Der Abschlussdeich von 1932 war erst der Anfang. Nach und nach sind immer mehr Deiche entstanden. Was nicht ohne negative Folgen für die Natur blieb. Diese versuchen die Niederlande mit innovativen Konzepten auszugleichen.

Das neueste und spektakulärste Projekt sind die "Marker Wadden": Fünf Inseln, die gerade im Markermeer entstehen. Von September 2018 an dürfen sie z.T. besucht werden. Primär dient das neue Land aber als Refugium für Vögel und zur Verbesserung der Wasserqualität. Dies geschieht u.a. dadurch, dass der massenhafte Schlick, der sich im Markermeer gebildet hat, zum Bau der Inseln verwandt wird. Ein völlig neuartiges Verfahren, auf das die Niederländer stolz sind.

Ginge es nach "Natuurmonumenten", einer Stiftung, in deren Auftrag die neuen Inseln gebaut werden, würde es solche Aufnahmen bald nicht mehr geben. Der Reiher wird am Markermeer angefüttert und hat sich völlig an den Menschen gewöhnt. Wenn sie genügend Futter auf den neuen Inseln finden, bleibt anderen Vögeln dieses Los womöglich erspart.

Autorin: Antje Zimmermann

Redaktion: Beate Wolff und Ursula Daalmann

100 Jahre Zuiderzee- Staudamm in den Niederlanden

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 14.06.2018 | 20:21 Min.

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