Cicely Saunders: Pionierin der Palliativmedizin

Portrait von Cicely Saunders, Aufnahme am 01.04.1977

Cicely Saunders: Pionierin der Palliativmedizin

"Nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben." Das ist wohl das berühmteste Zitat der britischen Ärztin Cicely Saunders. Sie gründete 1967 das erste moderne Hospiz in London. Vor 100 Jahren ist die Pionierin der Palliativmedizin geboren.

Wenn wir heute von Hospizen oder Palliativmedizin sprechen, über ein würdiges Sterben und einen ebenso würdigen Tod, dann haben wir das Cicely Saunders zu verdanken. Sie gründete 1967 das erste moderne Hospiz im Südosten von London. St. Christopher's wurde zum Mutterhaus aller modernen Hospize und zur Keimzelle der Hospizbewegung.

Das Konzept "Total Pain" – den Schmerz umfassend wahrnehmen – ist Grundlage der Arbeit in Hospizen weltweit. Am 22. Juni wäre die Pionierin der Palliativmedizin 100 Jahre alt geworden. Andrea Kath hat nachgefragt, was Cicely Saunders Ideen für den Alltag von todkranken Patienten, behandelnden Palliativärzten und Pflegepersonal heute bedeuten.

Den Schmerz des Sterbens lindern

Sie hat Medizin studiert, nicht um Menschen zu heilen, sondern um Sterbenden zu helfen. All das, was Hospiz und Palliativmedizin heute ausmacht, geht auf die britische Ärztin Cicely Saunders zurück, die am 22. Juni 1918, vor 100 Jahren, geboren wurde.

Porträt Cicely Saunders in Schwarz-Weiß von 1990

"Cicely Saunders ist ein Geschenk für mich", sagt der Palliativarzt Klaus Harbig aus Dortmund. "Sie ist diesen Weg gegangen und hat uns gesagt, wie wir das auch machen können." Der Weg zu einem würdevollen Sterben, einer ganzheitlichen Begleitung des Menschen.

"Cicely Saunders ist ein Geschenk für mich", sagt der Palliativarzt Klaus Harbig aus Dortmund. "Sie ist diesen Weg gegangen und hat uns gesagt, wie wir das auch machen können." Der Weg zu einem würdevollen Sterben, einer ganzheitlichen Begleitung des Menschen.

Die britische Ärztin Cicely Saunders wird am 22. Juni 1918 – vor 100 Jahren – geboren. 1967 gründet sie das St. Christopher's Hospice in einem Vorort in London. Es ist das Mutterhaus aller modernen Hospize, eine Revolution damals im Umgang mit Sterben und Tod. "Es geht um die Qualität des Lebens, das einem bleibt. Ganz gleich, wie lang oder kurz diese Zeit auch sein mag", sagt Saunders, die zuvor als Krankenschwester und Sozialarbeiterin gearbeitet hat, 1983 in einem Interview.

Palliativarzt Harbig findet: "Die kurative Schulmedizin an sich vergisst sehr oft dieses Gesamtheitliche, dass sie nicht vor einer Krankheit stehen, sondern vor einem Menschen, der versorgt und auch umsorgt sein will und dessen Nöte man sehen und akzeptieren muss."

Palliativversorgung kennt man Ende der 60er Jahre noch nicht. Menschen, die nicht mehr geheilt werden können, sind für die Schulmedizin uninteressant. Mary Baines, Kollegin und Weggefährtin von Cicely Saunders, heute 85 Jahre, erinnert sich: "Ich studierte Medizin, weil ich Menschen heilen wollte. Und diese ungewöhnliche Frau, die älter war als wir alle, studierte Medizin, um Sterbenden zu helfen." Sie wollte die Forschung in Bezug auf die Bekämpfung von Schmerzen verbessern.

In Deutschland dauert es lange, bis das erste stationäre Hospiz gebaut wird. 1986 entsteht das Haus Hörn in Aachen, im selben Jahr in Recklinghausen das Hospiz zum Heiligen Franziskus. Heute gibt es 214 Erwachsenen-Hospize, die sich weitgehend an den Ideen von Cicely Saunders orientieren.

Schmerzen nehmen, mit den Menschen reden, spirituellen Beistand leisten – all das sieht Cicely Saunders als ihre Aufgabe. Sie prägt den Begriff des "Total Pain", des umfassenden Schmerzes, der aus vier Dimensionen besteht: physisch, psychisch, sozial und spirituell. Ihre Vision ist, diese Ideen auf der ganzen Welt zu verbreiten. Sie arbeitet mit Krebspatienten im Endstadium – und es gelingt ihr, sie von ihren Schmerzen zu befreien.

Die ganzheitliche Behandlung ist der Grundgedanke der Hospizarbeit heute – ob sie stationär oder ambulant stattfindet. In Deutschland werden die meisten Menschen zu Hause, in Alten- oder Pflegeheimen palliativ versorgt. Es gibt rund 1.500 ambulante Hospizdienste und etwa 300 Teams der so genannten "Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung".

"Es heißt im übertragenen Sinne, den Menschen in den Arm zu nehmen, sie zu ummanteln", so Palliativmediziner Harbig. Es sei das, was den Menschen in dieser Zeit und in der vorherigen Behandlung oft gefehlt hat: dass sie getröstet werden, ihnen Zuwendung und Mitgefühl gezeigt wird.

Cicely Saunders stirbt am 14. Juli 2005 – im Alter von 87 Jahren – in ihrem St. Christopher's Hospice. Die Gründung dieses Hauses war "ein Signal für die ganze Welt", findet Palliativmediziner Klaus Harbig. Cicely Saunders Vision ist angekommen.

Autorin: Andrea Kath
Redaktion: Regina Tanne

Den Tagen mehr Leben geben - Cicely Saunders

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 22.06.2018 | 21:05 Min.

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