China auf dem Weg in die IT-Diktatur

U-Bahn in Chengdu City

China auf dem Weg in die IT-Diktatur

China will jeden Bürger des Landes digital durchleuchten und dann bestrafen oder belohnen. Mit dem "Sozialkreditsystem" wird das Verhalten jedes Einzelnen erfasst und bewertet. Kritiker warnen vor einem digitalen Überwachungswahn.

Bis 2020 will die chinesische Regierung im gesamten Land ein Bewertungssystem einführen, mit dem das Verhalten aller Bürgerinnen und Bürger überwacht und auch manipuliert wird. Das chinesische "Sozialkreditsystem" soll möglichst alles erfassen: Zahlungsmoral, Strafregister, Einkaufsgewohnheiten und soziales Verhalten wie Besuche bei den Eltern oder unentgeltliche Hilfsdienste für Mitbürger. Chinas Kommunistische Partei möchte damit den moralisch einwandfreien und "ehrlichen" Bürger schaffen.

Im gesamten Land wird in 42 Pilotprojekten derzeit erprobt, was in wenigen Jahren flächendeckend gelten soll. Mit der Einführung des landesweiten "Sozialkreditsystems" sollen alle rund 1,4 Milliarden Chinesen einem einheitlichen Bewertungssystem unterzogen und mit Anreizen und Strafen konfrontiert werden. Die Bürger bekommen ein Punkte-Konto zugewiesen und werden wie von einer Rating-Agentur beurteilt. Die höchste Bewertung ist "AAA".

Bereits in der Testphase entscheidet das Sozialkredit-Ranking beispielsweise darüber, ob der einzelne Bürger beruflich Karriere machen kann und auch, ob er ein Bahn- oder Flugticket kaufen darf. Noch existieren keine landesweit einheitlichen Bewertungsregelungen. Die Entscheidungen trifft bis 2020 die für die Pilotprojekte jeweils zuständige Lokal- oder Bezirksregierung.

Ein Feature über China auf dem Weg zum totalen Überwachungsstaat.

Autor: Axel Dorloff, ARD-China-Korrespondent

Redaktion: Claudia Dammann

Kontrollwahn - China auf dem Weg in die IT-Diktatur

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 07.03.2018 | 21:39 Min.

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