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Das zweite Leben von Morschenich

Das zweite Leben von Morschenich

Morschenich im rheinischen Braunkohle-Revier sollte dem Tagebau der RWE AG weichen. Jetzt darf der Ort bleiben. Die meisten Menschen, die hier gelebt haben, wurden umgesiedelt. Geblieben sind nur die wenigen, die sich geweigert haben zu gehen. Einige kamen auch neu hinzu.

Eine Häuserreihe, mit geschlossenen Rollläden

Geisterdorf Morschenich: Rollläden runter, Fensterläden zu. 500 Menschen lebten im Jahr 2015 hier im Ort, heute wohnt hier fast niemand mehr.

Geisterdorf Morschenich: Rollläden runter, Fensterläden zu. 500 Menschen lebten im Jahr 2015 hier im Ort, heute wohnt hier fast niemand mehr.

Inga Dohmes vor dem früheren Zuhause ihrer Familie. 45 Jahre lang hat sie in Morschenich gelebt, in der Dorfkirche geheiratet und eine Familie gegründet.

Im alten Garten der Familie Dohmes erntet keiner mehr die Apfelbäume und Fußball wird auch nicht mehr gespielt: "Wir hatten uns daran gewöhnt, dass alles abgerissen wird und jetzt auf einmal ist es anders."

Dort schafften Klimaschützer*innen nach langem Protest, was niemand für möglich gehalten hatte: Das Waldstück darf bleiben und damit auch das Dorf Morschenich.

Sozialarbeiter Ruhullah Jamili kam aus Afghanistan nach Deutschland. RWE stellte in Morschenich Häuser für Geflüchtete zur Verfügung. Heute leben noch immer etwa 80 Menschen aus Krisengebieten in dem Dorf.

Familie Abu Kudeda aus dem Iran: "Vorher war es sehr schön. Es gab viele Nachbarn. Jetzt ist es schlecht", sagt die Mutter Asmehan Abu Kudeda. Die Familie wünscht sich, an einem normalen Ort leben zu können, mit Nachbarn und mehr sozialem Leben im Dorf.

Wenig los: Die Haltestelle in der Dorfmitte gammelt vor sich hin. Nur noch zwei Mal am Tag kommt ein Bus.

Wulf Aurich in seinem Garten. Weil seine fast 90-jährige Mutter nicht wegziehen wollte, ist er auch geblieben: "Das Leben geht weiter, hier wird irgendwann etwas Neues entstehen."

Zeichen des Widerstands: Einige Alteingesessene, die im Dorf geblieben sind, unterstützen das Camp der Aktivist*innen.

Hinter diesem unscheinbaren Tor auf dem Grundstück von Wulf Aurichs Mutter ist das Camp, in dem Protestierende und Aktivist*innen leben. Auch wenn das kleine verbliebene Stück des Hambacher Walds stehen bleiben darf, der Widerstand gegen den Braunkohle-Tagebau geht weiter.

Noch ist unklar, was in Morschenich entstehen wird, wer überhaupt bleiben darf und wer zurückkehren kann. Ob hier ein innovativer "Ort der Zukunft" für Nachhaltigkeitsforschung entsteht, wie ein Plan lautet, ist noch offen.

Stand: 08.11.2020, 16:34 Uhr