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Morrissey wird 60

Morrissey wird 60

Morrissey passt in keine Schublade. Er provoziert und polarisiert, seit er auf der Bühne steht. Mit "The Smiths" hat er den Indie-Rock mitbegründet und einen Soundtrack nicht nur für Außenseiter geschaffen. Jetzt wird er 60.

Steven Patrick Morrissey wächst in den ärmlichen Verhältnissen einer irischen Einwandererfamilie in Manchester auf, erlebt körperliche Gewalt und Demütigungen. Er flüchtet sich in die Literatur, Musik und Sozialdramen in Kino und Fernsehen und singt in verschiedenen Punkbands.

Im Mai 1982 klopft der Gitarrist Johnny Marr an Morrisseys Tür. Was er davon halte, eine Band zu gründen? Morrissey schlägt den Namen "The Smiths" vor. Ziemlich genau zwanzig Jahre später werden die "Smiths" vom "New Musical Express" zum einflussreichsten Act der Nachkriegszeit gekürt – noch vor den Beatles.

Morrisseys Texte sind literarisch, poetisch, radikal realistisch. Er läuft in Damenblusen und mit Blumen über die Bühne und ist der komplette Gegenentwurf zum machohaften Rockstar. Er macht Musik für Außenseiter, für jene, die nicht wissen, wo sie hingehören.

Spätestens mit dem Album "Meat is murder" zeigt sich: Morrissey ist ein Popstar mit Haltung. Seit seinem elften Lebensjahr ist er Vegetarier, nach dem Vorbild seiner Mutter. Noch heute verbietet er Veranstaltern, auf seinen Konzerten Fleisch zu verkaufen. Bei Verstößen bricht er Auftritte auch ab.

Morrissey hasst die britische Monarchie, verabscheut die Premierministerin. Er sieht sie im Krieg gegen alles, was ihm wichtig ist: die Kunst, den Norden Englands, die kleinen Leute. Als ein Bombenanschlag 1984 in Brighton den Parteitag der Konservativen erschüttert, sagt der Musiker: "Das einzige, was ich daran bedauerlich finde, ist, dass Thatcher unverletzt geblieben ist."

Nach fünf Jahren stimmt die Chemie bei den "Smiths" nicht mehr. Johnny Marr steigt aus, Morrissey startet seine Solo-Karriere. Erstmals zeigt Morrissey sein Gesicht auf dem Plattencover und erstmals erreicht er Platz 1 in den Charts, dank Hits wie "Suedehead" und vor allem "Everyday is like Sunday".

Doch in den 90er Jahren beginnt das Image der Ikone zu bröckeln. Der "New Musical Express" wirft Morrissey Rassismus vor. Bei einem Auftritt vor Skinheads hüllt er sich in den Union Jack. Als er dann auch noch erfolgreich vom Drummer der Smiths auf Zahlung von Tantiemen verklagt wird, zieht er sich nach Kalifornien zurück.

2004 gelingt dem Musiker das Comeback. Doch politisch driftet er zunehmend ab. Er schimpft auf Muslime, er bekennt sich zur rechtspopulistischen Ukip, fällt immer häufiger durch rassistische Äußerungen auf. Er befürwortet den Brexit und wünscht sich, dass Deutschland deutsch, Frankreich französisch und England englisch ist.

"Ich rede wie die Leute. Ich bin nicht glamourös, manchmal wirke ich etwas seltsam", sagt Morrissey über sich selbst. Er ist im Popgeschäft das, was Brigitte Bardot im Filmgeschäft ist – weltberühmt, mit vielen Fans, die das Frühwerk verehren und über den die Menschen heute aber den Kopf schütteln. Am 22. Mai feiert er seinen 60. Geburtstag.
Autor des Hörfunkbeitrags ist Frank Zirpins.

Stand: 21.05.2019, 12:00 Uhr