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Mit dem Auto nach Marokko

Mit dem Auto nach Marokko

WDR-5-Reporterin Lena Gilhaus fährt mit ihrem Freund die umgekehrte Fluchtroute von Europa nach Nordafrika. Auf dem Roadtrip tauchen die Reisenden ein in ein Land atemberaubender Schönheit und erbarmungsloser Perspektivlosigkeit für seine Bewohner.

Menschen sitzen an Deck einer Autofähre von Algeciras nach Tanger mit marokkanischer Flagge

Die Autofähre aus Algeciras legt in Tangers Hafen an. Lange Polizeikontrollen empfangen die Passagiere. Nichts gegen die Reisestrapazen für Flüchtlinge. Rund hundert Menschen versuchen täglich in Schlauchbooten, manche sogar nur auf Jetskis, über die Meerenge von Gibraltar nach Spanien zu gelangen.

Die Autofähre aus Algeciras legt in Tangers Hafen an. Lange Polizeikontrollen empfangen die Passagiere. Nichts gegen die Reisestrapazen für Flüchtlinge. Rund hundert Menschen versuchen täglich in Schlauchbooten, manche sogar nur auf Jetskis, über die Meerenge von Gibraltar nach Spanien zu gelangen.

Marokko gehört zu den liberalsten arabischen Ländern, doch viele Marokkaner legen den Koran noch sehr streng aus. Aisha (l.) ist eins der wenigen marokkanischen Mädchen, die hier in Mehdia bei Rabat surfen. Aber das darf sie nur mit Regenjacke und Lycra-Schleier über dem Neoprenanzug.

Der Jardin Majorelle, den Pierre Bergé und Yves Saint-Laurent 1980 gekauft und dort mit dem internationalen Jet-Set Drogenexzesse gefeiert haben, lockt jährlich 650.000 Menschen in den botanischen Garten. Viele der schönen Plätze Marrakeschs sind seit der Kolonialzeit im Besitz reicher Franzosen.  

Vom Jardin Majorelle ist es nicht weit in die Souks, die Märkte von Marrakesch, wo wunderschöne Tücher, Lederschuhe, Teekannen und Schmuck über die Theken wandern. Abseits vom großen Trubel: stille Gässchen mit verwunschenen Restaurant-Patios, auf deren Böden Schildkröten spazieren gehen.

Die 350.000 Einwohner zählende Stadt Safi ist weltberühmt für ihr Kunsthandwerk. In dieser Töpferei in der Medina werden in uralten Öfen Windlichter wie diese gebrannt. Zehn Stunden täglich arbeiten die Menschen hier in der Hitze. Das Geschäft mit Keramik ist für viele Marokkaner die einzige Überlebenschance.

In den Ausläufern des hohen Atlasgebirges bricht die Gebirgslandschaft ab. Tief unten liegt die Bucht von Imsouane. Der Surfspot erzeugt eine der längsten Wellen der Welt, die Ritte von bis zu zwei Minuten ermöglicht. Den Surfspaß trübt Gestank am Strand – Kloake wird am Ufer ins Meer geleitet.

Diese marokkanischen Surfer brutzeln Sardinen auf Kohlen im Sand. Soufian (3. v. links) ist Uni-Absolvent und versucht, eine Kommunikationsagentur aufzuziehen. Noch kann er davon nicht leben. Er hofft, nicht – wie so viele andere – seine Heimat verlassen zu müssen.

In den kleinen Buchten vor Agadir verkaufen Marokkaner Tajines, andere bieten einen Ritt auf dem Kamel an. Kleine Jungen servieren Tee, den sie auf Feuerstellen im Sand kochen. Manche von ihnen leben in den Felsen über dem Meer.

Arbeit finden als Anhalter. Die Truppe "Trip Fchkel" besteht aus einem Dutzend Männern und zwei Frauen in den Zwanzigern. Sie haben einen Monat Zeit, um 1.700 Kilometer von Rabat bis Ad Dhakla in der Westsahara zurückzulegen. Ihr Ziel ist es, beim Trampen Kontakte zu knüpfen und einen Job zu finden.

Südlich von Agadir in den westlichen Ausläufern des Anti-Atlas weicht die Zivilisation einer immer lebensfeindlicheren Gegend. Die Temperaturen steigen hier auf 46 Grad an. In der Oase vom Guelmim treiben die Ziegenhirten ihre Herden durch die schroffen Felsen.

Zwischen Tan Tan und Tarfaya ganz im Süd-Westen Marokkos haben Beduinenzelte Häuser ersetzt. Ein Flüchtlingsdrehkreuz – zwischen dem tosenden Atlantik und endloser Gerölllandschaft leben die Menschen einfach auf dem Sand.

Bei Tarfaya sind auch die letzten Büsche verschwunden: Nur noch Wüste. Irgendwo hier ziehen gerade Menschen zu Fuß Richtung Norden – in der Hoffnung auf ein neues Leben, in dem die meisten von ihnen nie ankommen werden. Europäer können von hier ganz einfach mit dem Auto zurück nach Europa fahren.

Stand: 08.01.2019, 18:09 Uhr