Live hören
Jetzt läuft: Hangmat von Jungle By Night

Eine Kulturgeschichte des Feuerwerks

Eine Kulturgeschichte des Feuerwerks

Von Claudia Friedrich

Auf der Suche nach ewigem Leben erfanden Gelehrte in China das Schwarzpulver. An dem Cocktail aus Salpeter, Holzkohle und Schwefel hat sich bis heute nichts geändert, nur die Rezepturen sind üppiger, die Farben intensiver, die Formen raffinierter.

Feuerblumen über Düsseldorf

Hanabi heißt auf Japanisch Feuerblume. Jedes Jahr im Mai bei dem Japan-Tag Düsseldorf/NRW erblühen die Meisterwerke des Feuerwerks über Düsseldorf.

Hanabi heißt auf Japanisch Feuerblume. Jedes Jahr im Mai bei dem Japan-Tag Düsseldorf/NRW erblühen die Meisterwerke des Feuerwerks über Düsseldorf.

Georg Alefs Herz schlägt für das fast vergessene Bodenfeuerwerk. Der Forschungsleiter steht im Labor bei WECO in Eitorf, der letzten bundesdeutschen Feuerwerksfabrik.

An dieser Maschine fertigen die Arbeiter*innen den Rumpf der Feuerwerksraketen. Drei Wände bestehen aus Stahlbeton, die vierte aus einer Plane. Sie dient als Sollbruchstelle für den Ernstfall.

Schwarzpulver, der legendäre Cocktail aus Salpeter, Holzkohle und Schwefel, wird gelitert, gerakelt und schließlich per Hydraulik in Papphülsen gepresst.

Die Treiber landen unter anderem in der 36-Schuss-Batterie, die automatisch zusammengesetzt wird. Unterm Boden liegt die Zündschnur, in den 36 Hülsen verschiedene Effekte, welche sich am Himmel entladen.

WECO-Mitarbeiter Lutz Hinsch und Jan Mahler stehen auf dem kreisrunden Abbrennplatz, der betriebseigenen Feuerwerksbühne. Hier testen sie unter anderem die Produkte, die Alchemist Georg Alef im Labor entwickelt.

Bis zur Jahrtausendwende drehte sich die Dragiertrommel in der traditionsreichen Feuerwerksfirma NICO, mischte Rapskörner, chemische Pulver und Wasser. Das Ergebnis waren kleine Kugeln, die, einmal abgefeuert, großen Effekt machen.

Schöner, nicht lauter, das ist der Trend. Fontänenbatterien zum Beispiel tragen viele Effekte in einer Röhre. Auf dem NICO-Abbrennplatz (zwischen Remscheid und Wuppertal) wird das Importfeuerwerk getestet.

Hier zündet Georg Alef, WECO, eine Wunderkerze. Japanisches Feuerwerk ist ein Sinnbild fürs Leben. Es symbolisiert den Kreislauf, den ein Mensch durchläuft, zwischen Geburt und Tod.

Martin Schmitz, Vertriebsleiter bei NICO, lagert die Schwergewichte in einem Bunker. In Japan entstehen Feuerwerkskörper in Handarbeit. Alle drei Jahre kommt Ware per Schiff nach Deutschland, um sich in der jährlichen Mainacht in Kunst zu entladen.

Schmuckdesignerin Beru Inou erinnert sich an die Feuerwerke ihrer Kindheit. Die Eltern fuhren ans Meer und steckten Hanabi in den Sand. Sie erinnert sich an die weißen Chrysanthemen und an die Dunkelheit danach.

Feuerwerk macht die Nacht zum Tag, holt den Himmel auf die Erde, spendet Lust, vergeht im nächsten Moment. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen schönen Schein.

Stand: 30.12.2019, 09:32 Uhr