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Kaspar - Legende, Name und Symbol

Kaspar - Legende, Name und Symbol

Kaspar! Das klingt exotisch und doch vertraut. So heißen Könige und Wolfsjungen, "Kasperle", der Held der Puppenbühnen, Essgestörte wie der "Suppen-Kaspar", und Anarchos wie "Kasperl Larifari". Kaspar ist mehr als nur ein Name.

Kasperlekopf vom Figurentheater Köln

Im Figurentheater Köln ist er eine richtige "Rampensau": der in Lindenholz geschnitzte Kaspar. Er liebt das Leben und die Kinder. Und natürlich erwartet er, dass alle laut Ja!!!! schreien, wenn er seine berühmte Frage fragt.

Im Figurentheater Köln ist er eine richtige "Rampensau": der in Lindenholz geschnitzte Kaspar. Er liebt das Leben und die Kinder. Und natürlich erwartet er, dass alle laut Ja!!!! schreien, wenn er seine berühmte Frage fragt.

Mit Stimme und Gesten erweckt Andreas Blaschke die Puppen zum Leben. Das "Figurentheater Köln" ist eine Wanderbühne, auf der unterschiedliche Kasperle-Typen auftreten. Sie alle tragen Zipfelmütze, genau wie Kaspar aus dem Morgenland.

Kaspar ist der erste der drei Magier auf dem Mosaik, das um 561 nach Chr. in der byzantinischen Basilika "Sant Apollinare Nuovo", im italienischen Ravenna entstand. Mit Glaspastesteinen sind sie im für Kleinasien typischen Kopfputz geformt.

Kaspar sei der Urahn vom Kasperle, sagt Theologe und Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti. Seit dem 6. Jahrhundert tragen die drei Könige Namen: Kaspar, Melchior, Balthasar. Sie stehen für die drei Lebensalter und die damals bekannten Kontinente Europa, Asien, Afrika.

Der Kölner Erzbischof ließ die Gebeine aus Mailand kommen und ihnen den größten und schönsten Reliquienschrein des Mittelalters bauen. Der Ausschnitt zeigt Kaspar auf Knien. Laut Legende ist Kaspar der Europäer, der Älteste und Populärste.

Der Pilgerstrom zog zum Königsschrein. Erst gab es Sternensänger und Krippenspiele, später das Kasperletheater. Würden Kaspars Gebeine hier nicht liegen, gäbe es wahrscheinlich niemanden, der den persischen Namen trägt.

Im 19. Jahrhundert hießen viele Kaspar, so auch der junge Mann, dessen Abbild auf dem Stahlstich zu sehen ist. Im Mai 1828 tauchte er in Nürnberg auf, verwahrlost, Zettel in der Hand: "Kaspar Hauser." Ein Findelkind, das bis heute Rätsel aufgibt.

Kaspar Hauser verbrachte die ersten 16 Jahre seines Lebens in einem Verlies. Sein Leben in Freiheit war kurz und endete gewaltsam. Kaspar Hauser hinterließ Gedichte und Aquarelle, die im "Markgrafenmuseum" in Ansbach zu sehen sind.

Ottmar Hörl ist berühmt für seine Figuren wie Karl Marx, Martin Luther, das Weltanschauungsmodell (s. Foto). Anlässlich des 180. Todesjahres von Kaspar Hauser im Jahr 2013 gestaltete er mit 150 Figuren des Findlings serielle Kunst.

150 Kaspar Hausers im fränkischen Ansbach. Hier lebte der wirkliche Kaspar die letzten drei Jahre, hier erlag er seinen Stichverletzungen. Wer sie ihm zufügte, ist unklar. Ein Mörder? Er selbst? Wer war dieser Mann mit dem Allerweltsnamen?

Wer, zum Teufel, ist der Jägerbursche Kaspar in der Oper "Der Freischütz" von Carl Maria von Weber? Im Aalto-Theater in Essen verkörpert Heiko Trinsinger den Kaspar, der mit dem Teufel im Bunde ist und echte Seelen gegen falsche Kugeln tauscht.

Der heilige Namensvetter aller Kaspars dieser Welt versteht es, böse Mächte zu bannen. Deshalb trägt eine der 12 Glocken im Braunschweiger Dom seinen Namen. Kaspar, die Wetterglocke, die Blitz und Donner abwehrt.

Kasperle ist ein Lachenmacher, der seine phrygische Mütze schelmisch schwenkt. Verrät sie doch nicht nur die Herkunft, sondern auch die Gesinnung. Wer den Zipfel keck abknickt, ist ein Anarcho, einer, der auf die Etikette pfeift und die Freiheit liebt.

Stand: 12.02.2019, 11:47 Uhr