WDR 5 Hörer retten bedrohte Wörter

WDR 5 Hörer retten bedrohte Wörter

Anno dazumal, als man via Postkarte aus der Sommerfrische grüßte, war die Gesellschaft eine völlig andere. Das spiegelt sich auch in der Sprache. Wir geben fast vergessenen Ausdrücken, die uns WDR 5 Hörer geschickt haben, eine letzte Heimstätte im WDR 5 Gnadenhof für bedrohte Wörter.

Historische Postkarte aus Friedensthal Bad Pyrmont in Niedersachsen zeigt feingekleidete Damen in der Natur

Vor über 100 Jahren fuhren unsere gutsituierten Vorfahren zur Erholung noch in die Sommerfrische. Heute gilt das Wort als veraltet und könnte bald aus dem Duden gestrichen werden. Mit dem aufkommenden Massentourismus Mitte des 20. Jahrhunderts verschwand der Begriff aus dem Wortschatz der Deutschen.

Vor über 100 Jahren fuhren unsere gutsituierten Vorfahren zur Erholung noch in die Sommerfrische. Heute gilt das Wort als veraltet und könnte bald aus dem Duden gestrichen werden. Mit dem aufkommenden Massentourismus Mitte des 20. Jahrhunderts verschwand der Begriff aus dem Wortschatz der Deutschen.

Wir bleiben am Beginn des vergangenen Jahrhunderts. Als adrett gekleidete, holdselige Damen, die einem Fontane-Roman entstiegen sein könnten, ihr Geschmeide anlegten und im Park lustwandelten.

Fast zur gleichen Zeit im Berliner Nachtleben machte die Kabarettistin Claire Waldoff die Kleinkunstbühnen unsicher – und sorgte womöglich dafür, dass das Wort knorke über Berlin hinaus populär wurde. Es ist ein Begriff, der bereits zigmal totgesagt wurde und alle Jahre wieder erneut aus der Mottenkiste hervorgekramt und tatsächlich bis heute im Alltag genutzt wird.

Schule anno dunnemals: Statt mit Rechenschieber, Schiefertafel und Griffel zu hantieren, trieben die Lausbuben Schabernack. Doch wer über die Stränge schlug, bekam Fracksausen und konnte sich auf eine Gardinenpredigt gefasst machen. Wohl dem, dem danach nicht blümerant zumute war.

Zeitsprung in ein bürgerliches Wohnhaus der 1950er Jahre: Auf den Betten thronten zur Zierde fein bestickte Paradekissen, im Herrenzimmer, das den Männern vorbehalten war, waberte dichter Rauch und in der Räuberhöhle, dem Kinderzimmer, lag allerlei Firlefanz herum.

Man kaufte Grundnahrungsmittel, Kaffee und Tee, Waschmittel und Seife im Kolonialwarenladen, der sich längst zum Tante-Emma-Laden entwickelt hatte. Mit dem ursprünglichen Kolonialwarenhandel, der exotische Produkte aus Übersee vertrieb, hatte er schon gar nichts mehr zu tun.

Als geizig galt, wer seinen Gästen Blümchenkaffee kredenzte, einen Kaffee, der so dünn war, dass das Blumenmuster auf dem Tassenboden durchschimmerte. Mit einer Schnurre konnte man dennoch für gute Stimmung an der Kaffeetafel sorgen.

Wer in seiner Saumseligkeit keine Frau fand oder finden wollte und schon deswegen ein bisschen wunderlich war, wurde als Hagestolz bezeichnet. Carl Spitzweg (1808-1885) widmete dem ewigen Junggesellen ein Gemälde. Ursprünglich kommt das Wort aus dem Mittelhochdeutschen. "Hagestalt" nannte man ein umzäuntes Fleckchen auf dem Grundstück einer Familie, das jene Familienmitglieder erhielten, denen kein Erbe zustand. Doch es war viel zu klein, um dort selbst eine eigene Familie zu gründen.

Menschen, die sich einfach gehen ließen, wurden als Haderlump abgestempelt. Und das war beileibe nicht nett gemeint, leitet sich das Schimpfwort doch von den Lumpensammlern ab, die noch nie einen guten Ruf hatten.

In den 1960er Jahren wurden Halunken und Rabauken auch Gammler genannt. Das waren keine Obdachlosen, sondern Jugendliche, die sich mal mit, mal ohne Klampfe in Parks und auf öffentlichen Plätzen die Zeit vertrieben. Sie pfiffen auf gesellschaftliche Konventionen und rebellierten mit ihrer Anti-Haltung gegen das spießige Bürgertum.

Stand: 02.07.2018, 15:31 Uhr