Das Wattenmeer im Klimastress

Zwei Sanderlinge auf Futtersuche im Watt.

Das Wattenmeer im Klimastress

Das Wattenmeer an der Nordseeküste ist ein einmaliger Lebensraum. Die UNSESCO hat es als Weltnaturerbe eingestuft. Doch das Ökosystem steht unter Druck: Der Klimawandel lässt den Meeresspiegel ebenso ansteigen wie die Wassertemperatur der Nordsee.

Muscheln, Krebse und Millionen Vögel: Die Bewohner des Wattenmeeres sind perfekt an den Wechsel von Ebbe und Flut angepasst. Tiere und Pflanzen müssen damit zurechtkommen, zwei Mal am Tag mit Salzwasser überschwemmt zu werden, um danach wieder trocken zu fallen. Bei Ebbe sind sie dann Wind und Wetter ausgesetzt. 10.000 Arten leben im Gleichgewicht – noch.

Denn das Wattenmeer ist empfindlich. Die Havarie eines Öltankers wäre der GAU. Doch auch der Klimawandel bedeutet Gefahr. Der steigende Meeresspiegel lässt den Lebensraum unaufhaltsam schrumpfen. Fischarten wandern ab, Miesmuscheln kommen im Winter nicht zur Ruhe, wenn das Wasser zu warm ist. Der Weltklimarat IPCC hat jüngst gewarnt: Der Klimawandel vollzieht sich schneller, als bislang befürchtet. Es droht ein Anstieg der Meeresspiegel weltweit um einen Meter.

An der Küste des Wattenmeeres werden darum fieberhaft und für viele Millionen Euro die Deiche erhöht. Genauso wichtig ist die Entwässerung der flachen, tief gelegenen ostfriesischen Halbinsel: Ohne die Siele, die Entwässerungsgräben, wäre Ostfriesland zu weiten Teilen ein riesiger Sumpf. Doch viele der mächtigen Pumpen in den Sielwerken sind in die Jahre gekommen. Gleichzeitig fällt immer öfter Starkregen und die Intensität der Stürme nimmt zu – auch das eine Folge des Klimawandels.

Unsere Autorinnen Imke Oltmanns und Vanja Budde sind durchs Watt geschlittert, haben mit Deich- und Sielrichtern gesprochen, mit Schöpfwerkmeistern, dem Chef des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer – und mit Krabbenfischern. Denn die Fischer wussten immer schon, dass das Watt etwas ganz Besonderes ist. Lange bevor es Nationalpark und Weltkulturerbe wurde. Und sie beobachten hautnah die Veränderungen, die der Klimawandel schon jetzt mit sich bringt.

Das Wattenmeer – ein Ökosystem geht in die Knie

Das Wattenmeer an der Nordseeküste ist ein einmaliger Lebensraum: 10.000 Tier- und Pflanzenarten leben in einem sensiblen Gleichgewicht zwischen Ebbe und Flut. Doch der Klimawandel bedroht dieses UNESCO-Weltnaturerbe: Steigende Meeresspiegel lassen das Watt schrumpfen. Gleichzeitig muss der Küstenschutz intensiviert werden. 

Ein Mann in blauem Pullover steht auf einem kleinen Boot.

Dirk Sander auf seinem Boot im Hafen von Nessmersiel an der ostfriesischen Nordseeküste. Er ist Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer. Das Wattenmeer ist auch für ihn ein ganz besonderer Lebensraum.

Dirk Sander auf seinem Boot im Hafen von Nessmersiel an der ostfriesischen Nordseeküste. Er ist Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer. Das Wattenmeer ist auch für ihn ein ganz besonderer Lebensraum.

Wattwanderungen auf eigene Faust sind gefährlich. Besser man geht mit einem Wattführer wie Joke Pouliart los. Er ist Nationalpark-Kooperationspartner und startet mit kleinen Gruppen vom Küstenörtchen Harlesiel aus.

"Nur was man kennt, kann man schützen": Nach diesem Grundsatz will Joke Pouliart seine Wandergäste über das komplexe Ökosystem Wattenmeer aufklären. Die Muscheln dienen zum Beispiel den Zugvögeln als riesiges Buffett.

10.000 Arten leben im Wattenmeer, alle perfekt an den Wechsel von Ebbe und Flut angepasst. In den Prielen tummeln sich zum Beispiel Krabben und Krebse.

Das Laufen im Watt ist eine Herausforderung: Der braune Matsch ist weich und glitschig, der Schlick saugt sich am Fuß fest. Barfuß geht wegen der scharfkantigen Muschelschalen nicht, Wattstrümpfe und vorsichtiges Gleiten sind die Devise.

Das Wattenmeer erstreckt sich entlang eines 500 Kilometer langen Küstenstreifens der Nordsee, von den Niederlanden über Deutschland bis Dänemark. Für den Schutz des Wattenmeers in Niedersachsen ist Peter Südbeck zuständig. Er leitet die Nationalparkverwaltung mit Sitz in Wilhelmshaven.

Wegen des klimawandelbedingten drohenden Anstiegs der Meereswasserspiegel auch in der Nordsee werden in Ostfriesland die Deiche erhöht. Hier in Harlesiel um einen auf acht Meter. Das kostet viele Millionen Euro.

An der Küste des Wattenmeeres in Friesland wachen Oberdeichrichter über den Zustand der Deiche. An diesem Küstenabschnitt in Harlesiel ist das Jan Steffens.

Starkregen werden immer häufiger: Mächtige Pumpen in den Sielwerken befördern das Regenwasser dann raus in die Nordsee. Ohne die Arbeit von Obersielrichtern wie Jan Janssen (links) und Schöpfwerksmeistern wie Jens Higgen (rechts) wäre Ostfriesland ein riesiger Sumpf.

Autorinnen: Vanja Budde und Imke Oltmanns

Redaktion: Chris Hulin

Das Wattenmeer im Klimastress

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 14.09.2021 18:50 Min. Verfügbar bis 13.09.2022 WDR 5 Von Vanja Budde Imke Oltmanns


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