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Schöner Sterben - der Tod in Wien

Mozartgrab am Friedhof St. Marx in Wien, Österreich

Schöner Sterben - der Tod in Wien

Wien hat wunderschöne Friedhöfe mit oppulenten, extravagenten Grabstädten. Aus ihnen spricht die Liebe zur Morbidität, die Freude am Makabrem, an dem sich der Wiener gerne ergözt. Doch es gibt Brüche in diesem Lebenskonzept.

Am liebsten ist dem Wiener sein Zentralfriedhof, ein riesiges Terrain, auf dem es sich auch prima erholen läßt. Da packt man sein Wurstbrot und ein Kännchen Tee ein, um auf den Bänken in der fahlen Novembersonne zu sitzen. Und manch einer joggt gar über das Gelände, als könnte er dem Tod davonlaufen. Ein Spaziergang über das weitläufige Terrain lohnt zu jeder Jahreszeit. Wunderschön gestaltete Gräber, mamorne Figuren, protzige Bauten. Zwischen Schlichtheit und Kitsch reiht sich eine Grabstätte an die andere, fällt manche durch eine irgendwie geartete Besonderheit aus der Reihe. Natürlich gibt es Kultstätten, wie die Gräber von Mozart oder Falco und allerlei Berühmtheiten, mit denen sich eben auch ein Friedhof schmückt. Großartige Friedhöfe, großartige Beerdigungen - in Wien wird gerne zelebriert und ausführlich über alles geschwärmt und hergezogen. Aber auch vor dieser Lebenshaltung machen die politischen Entwicklungen nicht Halt. Und wenn in einem Kühltransporter Flüchtlinge ersticken, dann wird manch einem mit einem Mal der Wiener Tanz um den Tod zu einer unerträglichen Folklore.

Autor: Werner Bloch

Redaktion: Gundi Große

Schöner Sterben - der Tod in Wien

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 17.11.2017 | 18:51 Min.

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