Kriegstraumata: Wie die folgenden Generationen leiden

Wiederaufbau in der Münchner Innenstadt

Kriegstraumata: Wie die folgenden Generationen leiden

Die Eltern räumten die Trümmer der zerstörten Städte weg, die nächsten Generationen – die Trümmer der Seele. Denn das, was im Zweiten Weltkrieg erlebt und getan wurde, blieb in vielen deutschen Familien ungesagt. So wurden die Traumata weitervererbt.

„Erleb´ du erst mal einen Krieg!“ Oder: „Du weißt ja gar nicht, wie gut du es hast!“ Oder: „Du musst aufessen! Wir haben mit Kartoffelschalen gelebt ´45, ´46!“ Sätze, die Kinder aus der Nachkriegsgeneration wahrscheinlich öfter zu hören bekommen haben.

Dabei war diese scheinbare Härte der Eltern den Nöten der Kindern gegenüber oft nicht böswillig: Sie war ein wichtiger Überlebensmechanismus: Schweigen – Distanz – Verdrängen schützen davor, nicht an den eigenen traumatischen Erinnerungen aus dem Zweiten Weltkrieg zu zerbrechen. Hinzu kommt: Es fehlte die Kraft, sich um die Nöte der eigenen Kinder zu kümmern.

Die Erlebnisse des Krieges wurden in vielen Familien nie besprochen oder aufgearbeitet. Diese fehlende Aufarbeitung hinterlässt bei der Kinder- und Enkelgeneration oft ein Gefühl tiefer Schuld, Beschämung und seelischer Entwurzelung. Sie fühlen den Schmerz ihrer Eltern, den diese nicht ausdrücken konnten. Und müssen mit den seelischen Narben ihrer Eltern leben.

Andrea Lieblang hat mit den heute erwachsenen Kindern der Nachkriegsgeneration gesprochen. Wie haben sie ihre Kindheit erlebt? Wie sind sie mit den unausgesprochenen Taten aus der NS-Zeit umgegangen? Und welche Auswirkungen auf die Psyche hat das Schweigen heute für sie?

Autorin: Andrea Lieblang

Redaktion: Lioba Werrelmann

Kriegstraumata: Wie die folgenden Generationen leiden

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 19.10.2021 20:04 Min. Verfügbar bis 19.10.2022 WDR 5 Von Andrea Lieblang


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