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Reitställe – Idylle ohne Konkurrenz?

Pferde werden über einen Feldweg durch Wiesen zum Stall geführt

Reitställe – Idylle ohne Konkurrenz?

Viele stellen sich Reitställe als naturnahe Idylle vor. Mit dem eigenen Pferd eine Einheit sein, dazu eine nette Stallgemeinschaft. Reitgemeinschaften haben eine besondere Dynamik - fast wie eine Familie, die gleichzeitig voller Reibungspunkte ist.

Wind in den Haaren, wiehernde Pferde, weite Wiesen. Mit ausgebreiteten Armen durch ein Kornfeld reiten. Solche Bilder, völlig losgelöst von der Realität, haben zuletzt Kinofilme wie die deutsche Produktion "Ostwind" ausgelöst. Pferde können aber nicht im Vorgarten leben, sondern brauchen als Zuhause einen Reitstall mit eigener Box. Schon mit der Wahl des "Wohnortes" entscheiden Halterinnen und Halter: Ist mein Pferd "Sportgerät", mit dem ich große Turniere reiten will? Oder eher Freizeitpartner?

Pferdeliebhaber sind seit den 1990er Jahren überwiegend Frauen. Die Reiterinnen nehmen ihr Hobby sehr ernst, investieren viel Geld und noch mehr Zeit, um den Pferden gerecht zu werden. Die Tiere leben oft naturnah draußen in kleinen Herden. Dort gibt es genauso Rangeleien wie mitunter bei den Freizeitreiterinnen. Immer da, wo Menschen aufeinandertreffen, entsteht ein Mikrokosmos der Befindlichkeiten. Und doch herrscht im Stall, im Reiterstübchen, in der Halle eine familiäre Verbundenheit der Freizeitgemeinschaft. Liegt das Glück der Erde auf dem Rücken – oder in den Reitställen – der Pferde?

Autorin: Maike Mackerodt
Redaktion: Andrea Peters und Beate Wolff

Reitställe - Idylle ohne Konkurrenz?

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 05.04.2019 23:12 Min. Verfügbar bis 03.04.2020 WDR 5 Von Maicke Mackerodt

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Reitställe – Idylle ohne Konkurrenz?

Wind in den Haaren, wiehernde Pferde, weite Wiesen, Ledersättel – viele stellen sich den Reitstall als naturnahe Idylle vor. Liegt das Glück der Erde wirklich auf dem Rücken – oder in den Reitställen – der Pferde?

Gut Amtmann Scherf

Die ländliche Idylle wirkt fast wie eine kitschige Filmkulisse: Mitten im Bergischen Land liegt das ehemalige Rittergut Gut Amtmann Scherf. Der mittelalterliche Vierkanthof mit der großen Reithalle auf der linken Seite ist vor allem bei Westernreitern sehr beliebt.

Die ländliche Idylle wirkt fast wie eine kitschige Filmkulisse: Mitten im Bergischen Land liegt das ehemalige Rittergut Gut Amtmann Scherf. Der mittelalterliche Vierkanthof mit der großen Reithalle auf der linken Seite ist vor allem bei Westernreitern sehr beliebt.

Jeden Abend holt die Auszubildende Tanja Schneider etwa 80 Pferde in kleinen Gruppen von der Weide. Dazu ruft die zukünftige Pferdewirtin die Tiere mit lauten Pfiffen. Kommen die Pferde angaloppiert, legt sie jedem erst das Halfter um, bevor es Richtung Stall geht. Nur die Fohlen laufen in der Nähe der Stuten frei mit. 

Die Wallache gehen zwar brav am Halfter mit zum Stall, weil sie wissen, dort gibt es Kraftfutter. Trotzdem muss Tanja Schneider sehr aufpassen, dass sich kein Tier erschrickt und ausbricht, wenn zum Beispiel plötzlich ein Auto startet oder vorbeifährt.

Es riecht nach Leder, Pferden und Heu. Im gepflasterten Innenhof schauen die Pferde neugierig aus den aufgeklappten Metallgitterfenstern. Sie schnauben und pupsen gut hörbar. Eine eigene Box kostet im Monat mindestens 600 Euro, inklusive Verpflegung und Betreuung. Dazu gehört den Stall ausmisten, füttern und die Pferde morgens und abends auf die Weide bringen.

Ein Reitstall in der Nähe von München: Hier lebt das sanftmütige Islandpony Isòl vom Kronshof, gemeinsam mit einer kleinen Stutenherde, das ganz Jahr draußen. Nur der Paddock gewährt den Tieren bei Regen Schutz. Besitzerin Lea Schmidbauer besucht ihre Isòl viermal die Woche und reitet mit ihrem Pferd raus ins Grüne.

Bei Wind und Wetter kümmert sich Lea Schmidbauer um ihr Islandpony. Dazu gehören auch ein paar Knuddeleinheiten. Sie weiß, dass Großpferdemenschen, wie sie die Sportreiter nennt, Islandpferdereiterei eher belächeln. "Ihr mit euren kleinen, hubbeligen Ponys, ihr macht doch gar keinen Sport. Das stimmt, wir sind eher im Wald unterwegs, haben Wollpullies an und nicht irgendwelche eleganten Turniersakkos." Für Lea Schmidbauer ist Isòl kein Sportgerät, das sie alle paar Jahre durch ein vermeintlich attraktiveres, schnelleres Tier ersetzt. Sie hat erst seit sieben Jahren ein eigenes Pferd. Das Islandpony ist ein Freizeitpartner, den sie nicht im Stich lassen würde, wenn es mal alt sind und krank ist, sagt sie.

Kaum jemand weiß, dass die Filmemacherin Lea Schmidbauer eine der erfolgreichsten Pferdebuchautorinnen Deutschland ist. Gemeinsam mit einer Kollegin erfand die pragmatische Drehbuchautorin den schwarzen Hengst Ostwind. Mittlerweile schreibt sie die Ostwind-Romane alleine, meist in ihrem Büro mitten in München, wo auch das Filmplakat hängt und die neuesten Pferdebücher stehen.

Leben Pferde in naturnahen Reitställen, wirkt das sehr idyllisch und ist es wohl auch. Die Tiere sind bei Wind und Wetter tagsüber draußen. Stuten und Wallache, also kastrierte Hengste, werden getrennt, auch Zuchthengste leben separat in Herden. So werden tierische Rangeleien weitgehend vermieden. Nur die Stuten mit ihren Fohlen bleiben Tag und Nacht draußen und genießen sichtbar die Zeit miteinander.