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NS-Vergangenheit der Hertie-Stiftung

Kaufhaus Hermann Tietz 1928 in Berlin

NS-Vergangenheit der Hertie-Stiftung

Der ehemals große Kaufhauskonzern "Hertie" trug vor 1933 noch den Namen des jüdischen Unternehmers "Hermann Tietz". Doch dieser Name wurde im Zuge der Enteignung durch die Nazis getilgt. Die Geschichte ist bekannt – doch die Aufarbeitung stockt. Das soll sich nun ändern.

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung geht auf das Unternehmen "Hermann Tietz" zurück. Sie kennt die dunkle Vergangenheit, die der Namensänderung in "Hertie" vorausging: Die einst erfolgreiche Kaufhauskette wurde, wie die Nazis es nannten, arisiert, die jüdischen Besitzer enteignet, alle jüdischen Angestellten entlassen – ein Raub von Eigentum und gesellschaftlichem Ansehen. Doch diese Geschichte wurde lange nicht aufgearbeitet und transparent gemacht.

Das soll sich ändern, fordern vor allem ehemalige und aktuelle Studierende der Hertie School. Schon seit Jahren setzen sie sich als Her.Tietz Initiative dafür ein, die Gemeinnützige Hertie-Stiftung zu einer unabhängigen wissenschaftlichen Aufarbeitung der eigenen NS-Geschichte zu bewegen. Eine entsprechende Studie wurde jetzt beauftragt, doch für die Studierenden ist das erst der Anfang. Sie wollen erreichen, dass das Erbe der jüdischen Unternehmerfamilie Tietz stärker gewürdigt und eine aktive Erinnerungskultur gepflegt wird.

Von Herrn Tietz zu Hertie: Die NS-Vergangenheit der Hertie Stiftung

Der ehemals große Kaufhauskonzern "Hertie" hieß nicht immer so. Vor 1933 trug die Warenhauskette noch den Namen "Hermann Tietz". Dieser wurde im Zuge der Enteignung durch die Nazis getilgt.

Schriftliche Werbung auf einer Brücke, die über eine Straße führt

Der Schriftzug "Hertie" wirbt für die Kaufhauskette am Berliner Bahnhof Alexanderplatz. Der ursprüngliche Name der Kaufhauskette "Hermann Tietz" wurde im Zuge der Enteignung durch die Nazis getilgt.

Der Schriftzug "Hertie" wirbt für die Kaufhauskette am Berliner Bahnhof Alexanderplatz. Der ursprüngliche Name der Kaufhauskette "Hermann Tietz" wurde im Zuge der Enteignung durch die Nazis getilgt.

Torben Klausa und Laura Franken engagieren sich bei der Her.Tietz Initiative: Studierende und Alumni der Hertie School haben sich zusammengeschlossen und setzen sich gemeinsam dafür ein, dass die Geschichte hinter dem Namen "Hertie" aufgearbeitet und das Erbe der jüdischen Unternehmerfamilie Tietz stärker gewürdigt wird.

Das Kernteam der Her.Tietz Initiative bei der "Tietz Lecture", einer von ihnen ins Leben gerufenen Veranstaltung zum Thema Antisemitismus, die am 9. Oktober 2020 erstmalig stattfand. Von links nach rechts: Lars Mehwald, Max Tirey, Sarah Delere, Alexander Busold, Torben Klausa und Laura Franken

Eine Gedenktafel in der Cafeteria der Hertie School of Governance erinnert nun an die Geschichte hinter dem Namen "Hertie". Sie wurde erst auf Initiative der Studierenden und Alumni aufgehängt.

Der Münchener Bahnhofplatz mit dem Kaufhaus Hermann Tietz, aufgenommen in den 1920er-Jahren. Die Tietz-Warenhäuser prägten damals das Stadtbild aufstrebender deutscher Metropolen.

Auch und besonders in Berlin prägten die Warenhäuser das Stadtbild. Das Kaufhaus Hermann Tietz an der Berliner Brunnenstraße, 1928.

Das Kaufhaus Hermann Tietz am Berliner Mehringdamm, 1927

Das in "Hertie" umbenannte Kaufhaus in der Frankfurter Allee in Berlin auf einer kolorierten Postkarte aus den 1930er-Jahren.

Autorin: Isabel Schneider

Redaktion: Lioba Werrelmann

NS-Vergangenheit der Hertie-Stiftung

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 15.06.2021 22:13 Min. Verfügbar bis 14.06.2022 WDR 5 Von Isabel Schneider


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