Der Beginn des "Neuen Journalismus"

Der Autor Truman Capote steht im Wohnzimmer der 1959 in Kansas ermordeten Familie aus seinem Roman "In Cold Blood"

Der Beginn des "Neuen Journalismus"

Truman Capotes Roman "In Cold Blood" von 1965 gilt als Beginn des "New Journalism", eines literarischen, subjektiven Reportagestils, der heute im Journalismus gängig geworden ist. Albert Wiedenhöfer schlägt einen Bogen zur SPIEGEL-Affäre um Claas Relotius.

Truman Capote war längst ein erfolgreicher Schriftsteller als "In Cold Blood" (deutscher Titel: "Kaltblütig) erschien. Mit "Die Grasharfe" und "Frühstück bei Tiffany" hatte er Besteller geschrieben, leichte Society-Stories, die auch als Filme zu Blockbustern wurden. In "Kaltblütig" erzählt er die Geschichte eines unbegreiflichen Verbrechens: Der Roman handelt von der grausamen Ermordung einer geachteten Familie in Holcomb, Kansas, im November 1959 durch Einbrecher. Es ist eine wahre Geschichte. Truman Capote hat monatelang für sein Buch recherchiert, insgesamt 9000 Seiten an Notizen zusammengetragen und selbst noch mit den zum Tode verurteilten Tätern gesprochen.

Der Autor nannte sein Buch "a non-fiction novel", einen "Tatsachenroman", also eine Mischung aus Fiktion und Wahrheit. Im Untertitel wurde es als "wahrheitsgemäßer Bericht" ausgewiesen. Tatsächlich bedient sich Capote in seinem Buch bei Mitteln der Literatur, sowohl in der Sprache als auch in der Erzählperspektive. – Die Grenze zwischen Journalismus und Fiktion war gefallen.

Autor*in: Albert Wiedenhöfer

Redaktion: Gundi Große

"In Cold Blood": Beginn des "Neuen Journalismus"

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 30.09.2019 22:33 Min. Verfügbar bis 29.09.2020 WDR 5 Von Albert Wiedenhöfer

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