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Vom Schandfleck zum Stolz Italiens

Matera

Vom Schandfleck zum Stolz Italiens

Symbol für Armut und Elend: Matera galt jahrzehntelang als "Stadt der Schande". Nun ist die Höhlenstadt Europäische Kulturhauptstadt 2019. Der Titel wird Schwung in die strukturschwache Region bringen.

Matera – das war nicht immer der Glanz von heute, der Ort, der Touristen aus aller Welt nach Italien lockt. Die Stadt in der Region Basilikata war das nackte Elend. In den "Sassi", altertümlichen, in Felsen gegrabenen Wohnsiedlungen, lebten die Bewohner ohne Strom, ohne fließend Wasser – jede Familie hauste in einer Höhle zusammen mit Hunden, Schafen, Ziegen und Schweinen. Massenhaft Menschen starben an Malaria. Carlo Levis beschrieb diese Zustände in seinem Buch "Christus kam nur bis Eboli", das viele Italiener als Schullektüre kennengelernt haben und in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts auch verfilmt wurde. Die Beschreibungen Levis sorgten dafür, dass das ganze Land von den schlimmen hygienischen Zuständen in Matera Kenntnis nahm – weshalb die Menschen in den 50er- und 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts umgesiedelt wurden.

Verschachtelte Häuser im Stadtviertel Sasso Caveoso von Matera, Basilikata

Verschachtelte Häuser im Stadtviertel Sasso Caveoso von Matera, Basilikata

Die "Sassi", diese Anhäufung von Höhlen, einfachen Häusern und winzigen Gassen, zählen zu den drei ältesten, durchgehend von Menschen bewohnten Siedlungen der Erde. Seit 8.000 Jahren, manche meinen sogar seit 12.000 Jahren, leben Menschen in den Grotten von Matera. Mitte der 80er-Jahre begann man sie wiederzuentdecken. Jahrzehntelang hatte man sie praktisch vergessen. Architekten wie Mattia Antonio Acito begannen, Matera neu zu bauen – mit dem Wissen über die Sassi. Das Leben in den Vierteln, das Leben mit der Nachbarschaft, das besondere soziale Lebensmodell in den Sassi wurde in die neuen Viertel übertragen. Ein unglaubliches Experiment für Italien.

Autoren: Tassilio Forchheimer und Jan-Christoph Kitzler

Redaktion: Beate Wolff

Vom Schandfleck zum Stolz Italiens

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 10.01.2019 | 20:18 Min.

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