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Mangrovenwald versinkt im Meer

der Strand der Insel Ghodamara schwindet aufgrund des Anstiegs des Meeresspiegel

Mangrovenwald versinkt im Meer

In Madrid beraten Politiker*innen, Wissenschaftler*innen und Diplomat*innen darüber, wie die Klimakrise eingedämmt werden kann. Unser Autor war in einem Gebiet unterwegs, wo die Folgen des Klimawandels unmittelbar zu spüren sind.

Im Grenzgebiet von Indien und Bangladesch, wo mächtige Flüsse in den Golf von Bengalen münden, liegen die Sundarbans. In dem größten Mangrovensumpf der Welt leben fast fünf Millionen Inder*innen sowie zwei Millionen Bangladeschis, viele von ihnen auf völlig überfüllten Inseln. Weil der Meeresspiegel steigt, bröckelt ihre Heimat: Mehrere Inseln sind bereits komplett im Meer versunken, weitere könnten in den nächsten Jahren folgen.

Tausende Familien haben schon ihre Äcker verloren, die Vereinten Nationen erklärten sie zu Umweltflüchtlingen. Unser Autor hat die Sundarbans bereist und die Menschen dort nach der Zukunft der Region befragt, die nur 80 Kilometer südlich der Millionenstadt Kalkutta beginnt.

Sundarbans: Inseln in Gefahr

Der größte Mangrovensumpf der Welt umfasst eine Fläche von 130 mal 20 Kilometern, rund 50 der mehreren Hundert Inseln sind besiedelt. Wie lange die Menschen noch bleiben können, weiß niemand. Achim Nuhr hat die Sundarbans besucht.

Fähre vom Festland zur Insel Ghodamara mit Passagieren

Die Fähre vom Festland zur Insel Ghodamara war kaputt – die Passagier*innen mussten mit einem wackligen Fischerboot fast eine ganze Stunde über das offene Meer fahren.

Die Fähre vom Festland zur Insel Ghodamara war kaputt – die Passagier*innen mussten mit einem wackligen Fischerboot fast eine ganze Stunde über das offene Meer fahren.

Die Inseln der Sundarbans, des größten Mangrovensumpfs der Welt, sind vom Untergang bedroht, weil der Meeresspiegel ansteigt und immer stärkere Stürme die Küstenlinien beschädigen. Auf Ghodamara wird das gleich bei der Ankunft deutlich.

Sriminal Kanti Sid wohnt auf Ghodamara und zeigt uns die Schäden des letzten Sturms: Am schlimmsten hat es die Anwohner*innen gleich hinter dem Damm getroffen, den damals die britischen Kolonialherren bauen ließen.

Diese Anwohnerin wohnt in einem Unterschlupf aus übereinander gestapelten Kanistern, weil ihre Hütte unter einer Flutwelle zusammengebrochen ist. Noch vor ein paar Jahren habe sie ein eigenes Feld besessen, bis dieses nach einer Flut für immer im Meer versunken sei, erzählt sie.

Der Bürgermeister von Ghodamara, Odjuel Kumarpatro, wünscht sich mehr Unterstützung aus dem fernen Kalkutta. Nach seinen Angaben ist die Insel bereits auf ein Zehntel ihrer ursprünglichen Größe geschrumpft.

Fast fünf Millionen Menschen leben im indischen Teil der Sundarbans, zwei Millionen Bangladeschis gleich jenseits der Grenze, die mitten durch den Sumpf verläuft. Auf beiden Seiten geht es vielerorts – verglichen mit westlichen Standards – noch mittelalterlich zu.

In Betulia leben Menschen wie Gupal Schana (vorne, 3.v.l.) und seine Familie äußerst gefährlich. Sie sind kaum geschützt vor Raubtieren, die immer wieder durchs Dorf ziehen.

Tiger sind die bedrohlichsten der Tiere. Sie leben auf den Sundarbans oft direkt gegenüber von Siedlungen gleich am anderen Flussufer. Unser Autor hat zwar keinen selbst gesehen, dafür aber viele frische Spuren der Tiere.

In Kolvari wurden Autor Achim Nuhr (in der Mitte) und seine Dolmetscherin (vor ihm) bereits erwartet, weil das Dorf bereits an das Mobilfunknetz angeschlossen ist.

Mohamed Abdul Asis und die anderen Bewohner von Kolvari bekommen Hilfe, um ihre Landwirtschaft umzustellen: Das Grundwasser wird immer salziger, weil der Meeresspiegel auch an den Sundarbans stetig ansteigt.

Autor: Achim Nuhr

Redaktion: Heiko Hillebrand

Mangrovenwald versinkt im Meer

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 02.12.2019 19:18 Min. Verfügbar bis 28.11.2020 WDR 5 Von Achim Nuhr

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