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Krk: Eine Insel kämpft für grüne Energie

Der Rentner Nikola Radić steht vor seiner Photovoltaikanlage.

Krk: Eine Insel kämpft für grüne Energie

Auf der Urlaubsinsel Krk in Kroatien wollen sich die Menschen möglichst mit allem selbst versorgen – auch mit sauberer Energie. Doch nun soll ein Flüssigerdgas-Terminal das Idyll stören. Grit Eggerichs hat mit den Krkern gesprochen, die sich gegen das EU-Projekt wehren.

An der Adria wehen im Winter starke Winde, im Sommer scheint die Sonne. In Kroatien ist ein unermesslicher Vorrat an Solar- und Windkraft abzuschöpfen. Mit einer nachhaltigen Klimastrategie könnte das Land eine umweltpolitische Vorreiterrolle innerhalb der EU einnehmen.

Doch die kroatische Regierung hat ganz andere Pläne mit dem Öko-Ferienparadies. Sie will ein schwimmendes Flüssigerdgas-Terminal direkt vor die Insel setzen. Doch die Krker wehren sich gegen das Großprojekt, das auch von der EU-Kommission finanziell gefördert wird. 

Denn viele Bürgerinnen und Bürger haben ein starkes ökologisches Bewusstsein. Zum Beispiel bauen sie Photovoltaikanlagen im großen Stil, aber auch privat auf ihren Dächern. Sie trennen ihren Müll seit fast 20 Jahren und streben eine 100-prozentige Kreislaufwirtschaft an. Sie sind dabei, ihren CO2-Fußabdruck schrittweise zu verkleinern – nicht nur den eigenen, sondern auch den der Urlauberinnen und Urlauber, die jeden Sommer zu Hunderttausenden aus Deutschland, Österreich und Italien nach Krk kommen.

Autorin: Grit Eggerichs

Redaktion: Regina Tanne

Krk: Eine Insel kämpft für grüne Energie

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 27.08.2019 21:22 Min. Verfügbar bis 25.08.2020 WDR 5 Von Grit Eggerichs

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Krk: Eine Insel kämpft für grüne Energie

Krk ist ein Öko-Ferienparadies. Viele Bewohnerinnen und Bewohner wollen komplett autark leben und auf erneuerbare Energien umsteigen. Nun will die EU einen Flüssigerdgas-Terminal direkt vor die Insel setzen. Doch die Krker wehren sich.

Der neue Campingplatz in der Gemeinde Omišalj

In der Gemeinde Omišalj, am Nordwestzipfel der Insel Krk, wurde vor kurzem der rundum erneuerte Campingplatz eröffnet. Alle Campingtouristen bekommen am ersten Tag ihres Aufenthalts ein Faltblatt in die Hand, in dem steht, wie sie den Müll trennen müssen. Auch die Touristen aus Deutschland, die angeblichen Recyclingweltmeister. Die Tonnen werden im Sommer jeden Tag gelehrt. Im Winter nie. 

In der Gemeinde Omišalj, am Nordwestzipfel der Insel Krk, wurde vor kurzem der rundum erneuerte Campingplatz eröffnet. Alle Campingtouristen bekommen am ersten Tag ihres Aufenthalts ein Faltblatt in die Hand, in dem steht, wie sie den Müll trennen müssen. Auch die Touristen aus Deutschland, die angeblichen Recyclingweltmeister. Die Tonnen werden im Sommer jeden Tag gelehrt. Im Winter nie. 

Im Winter sind die Pensionen, Apartments und Campingplätze verwaist. Dann sind nur die knapp 20.000 Inselbewohnerinnen und -bewohner da, und es herrscht wunderbare Ruhe. 

Im Sommer wächst die Bevölkerung auf Krk um das sieben- bis zehnfache an. Und damit auch der Müll, die Wassernutzung, der Energieverbrauch. Dazu kommen häufigere Dürreperioden und steigende Temperaturen durch den Klimawandel. Herausforderungen, denen sich die Insel Krk stellt. 

Bisher schwimmen auf dem Wasser vor Krk Menschen, Boote und Bojen. Mit dem geplanten LNG-Terminal (für Flüssig-Erdgas) am Ufer vor der Inselgemeinde Omišalj soll sich das ändern. Das schwimmende Terminal wäre so hoch wie ein Gebäude mit siebzehn Stockwerken – eine schreckliche Vorstellung für die Inselbewohner, die vom Tourismus leben. 

So ein schwimmendes Terminal könnte bald vor der Küste Krks stehen. Wenn Gas auf minus 160 Grad Celsius gekühlt wird, wird es flüssig und schrumpft auf ein 600stel seines Volumens. In dem Zustand lässt es sich gut transportieren. Das Flüssigerdgas soll per Schiff geliefert werden – zum Beispiel aus den USA. Das LNG-Terminal vor Krk soll es dann in seinen gasförmigen Aggregatzustand zurückversetzen. Dazu muss das flüssige Gas erhitzt werden – mithilfe von Meerwasser. Das würde danach zurück ins Meer gepumpt – mit allen negativen Folgen für das Ökosystem. 

Die Fronten sind verhärtet: Der kroatische Umweltminister Tomislav Ćorić ist zugleich auch Energieminister. Er will das LNG-Terminal vor der Küste von Omišalj auf Krk durchsetzen. Er sagt, Europa brauche es, um sich von russischen Gaslieferungen unabhängig zu machen. Omišaljs Gemeindechefin Mirela Ahmetović dagegen will das Terminal unbedingt verhindern. Wenn nötig, werde sie bis vor den Europäischen Gerichtshof gehen, sagt sie. 

Nikola Radić, heute 82 Jahre alt, war der Erste auf der Insel, der in Photovoltaik investierte. Das ist zehn Jahre her. Es ging dem pensionierten Pfarrer um ein gutes Verhältnis zu Gott und zur Natur. Inzwischen haben die Krker ein Förderprogramm für Solarpanels auf privaten Dächern gestartet. Das deutsche Umweltministerium beteiligt sich mit Fördermitteln und Know-how. 

Der Pfarrer im Ruhestand hat sich diesen Kleinwagen in ein Elektromobil umbauen lassen. Das war teuer und auch sehr kniffelig. Aber er wollte zeigen, dass es geht. Und dass man keine neuen Elektroautos kaufen muss. Lieber gebrauchte Gefährte umbauen, findet er, um nicht immer noch mehr Blech und Plastik zu verbauen!

Noch gibt es wenige Elektro-Autos auf der Insel. Nach dem Willen der Inselgemeinden soll sich das aber ändern. Ladestationen mit Zugang zum Strand gibt es schon.