Entwicklungshilfe – NRW-Know-how für Nahost

Die libanesische Ortschaft Al Quaa

Entwicklungshilfe – NRW-Know-how für Nahost

Was in Deutschland funktioniert, passt lange nicht im globalen Süden. Diesem Grundsatz in der Entwicklungshilfe folgt eine Delegation aus NRW. Sie betreiben einen Austausch mit einem Dorf im Libanon an der Grenze zu Syrien. Wie gelingt das?

Das Entwicklungsministerium hat dieses Jahr ein Budget von 10,2 Milliarden Euro. Das Geld fließt beispielsweise in Mülltonnen, Schaukeln oder Basketballplätze. Lange Zeit folgte Entwicklungshilfe diesem Prinzip: Westliche Fachleute reisen in den globalen Süden, helfen mit Gegenständen, die sie sinnvoll finden. Dabei vergessen sie, dass es keine Müllabfuhr gibt oder schaukeln im Hochsommer keinen Spaß bringt.

Doch es stellt sich ein Umdenken ein: Die Initiative Kommunales Know-how für Nahost bringt Menschen aus Nord und Süd zusammen, um gemeinsam an Problemen zu arbeiten. Eine Delegation aus NRW besucht dafür das libanesische Dorf El Kaa. Sie wollen nicht Geld geben, sondern Erfahrungen austauschen. Wie läuft diese Entwicklungszusammenarbeit und ist es gerechtfertigt, wenn am Ende einer solchen Reise kein konkretes Projekt steht?

Autorin: Julia Neumann

Redaktion: Jessica Eisermann

Entwicklungshilfe – NRW-Know-how für Nahost

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 20.09.2019 22:36 Min. Verfügbar bis 18.09.2020 WDR 5 Von Julia Neumann

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Entwicklungshilfe – NRW-Know-how für Nahost

Was in Deutschland funktioniert, passt noch lange nicht im globalen Süden. Diesem Grundsatz in der Entwicklungshilfe folgt eine Delegation aus NRW. Sie probieren einen Austausch auf Augenhöhe mit einem libanesischen Dorf fünf Kilometer entfernt von der syrischen Grenze. Wie gelingt das?

Die libanesische Ortschaft Al Quaa

Die libanesische Ortschaft El Kaa ist knapp fünf Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Hier leben 13.000 Menschen, die vor allem von Agrarwirtschaft leben. Mit dem Krieg im Nachbarland Syrien flohen viele Menschen in das Dorf, etwa 30.000 syrische Geflüchtete, die kommunale Infrastruktur hielt das nicht aus.

Die libanesische Ortschaft El Kaa ist knapp fünf Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Hier leben 13.000 Menschen, die vor allem von Agrarwirtschaft leben. Mit dem Krieg im Nachbarland Syrien flohen viele Menschen in das Dorf, etwa 30.000 syrische Geflüchtete, die kommunale Infrastruktur hielt das nicht aus.

Zu wenig Schulen, keine Elektrizität, knappes Trinkwasser. Die schlechte Infrastruktur trifft vor allem die ungefähr 30.000 geflüchteten Syrer*innen, die seit Jahren in Behilfs-Konstruktionen aus Holz und Planen außerhalb der Stadt leben.

Der Bürgermeister Bachir Mattar beweist soziale Resilienz. Er möchte, dass Syrer*innen und Libanes*innen gleiche Chancen bekommen: Zugang zu Bildung, zu Spielplätzen und Jobs. Dafür akquiriert er internationale Fördergelder von den Vereinten Nationen, Großbritannien, Italien oder Deutschland.

Christiane Marks und Elisabeth Stricker vom Netzwerk Innenstadt NRW und Andreas Reinéry aus Kirchhundem sind nach El Kaa angereist. Sie lassen sich vom Bürgermeister Bachir Mattar zeigen, welche Projekte er voranbringt…

…und welche Projekte scheitern. Dazu gehört eine Mülltonne, gefördert von der Deutschen Regierung. Sie durchziehen zwei Risse und ein Loch klafft im Deckel.

Die Mülltonnen in El Kaa zeigen, wie Entwicklungshilfe oft funktioniert. Westliche Regierungen geben Gelder frei, die von Organisationen in Projekte gesteckt werden - in Mülltonnen, obwohl es keine Müllabfuhr gibt...

…oder in Basketballfelder ohne Dach, die zum Spielen im Sommer zu heiß sind.

Die Gegenstände verwahrlosen. Denn die Menschen wissen nichts damit anzufangen oder es passt nicht zu ihren Bedürfnissen.

Die Delegation aus NRW möchte deshalb nicht einfach Geld geben. Sie möchten herausfinden, wie sie auf kommunaler Ebene Probleme zusammen angehen können.

Eine Möglichkeit ist ein Gemüsemarkt, den die libanesische Kommune baut. Ob sie Auberginen, getrocknete Feigen oder Honig verkaufen, die Kommunen aus NRW könnten mit der Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten helfen. Engagement Global koordiniert das Projekt und hat El Kaa als Kooperationspartner ausgewählt, weil dort schon viel passiert. Anstatt von den Gebern ausgehend Initiativen zu starten, soll die Kommune in der Lage sein, selbst zu bestimmen, wie internationale Fördergelder eingesetzt werden.

Richtungsweisend in der Zusammenarbeit bleibt die libanesische Kommune – und nicht die Fachleute aus dem Westen.