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Kintsugi – Die Schönheit des Zerbrochenen

Drei Keramikschalen, die mit einer Kintsugi-Restaurierung verschönert wurden.

Kintsugi – Die Schönheit des Zerbrochenen

Was passiert, wenn etwas zerbricht? Meistens das: Scherben aufkehren, weg damit und weitermachen. Mit Kintsugi wird das Zerbrochene in Kunst verwandelt. Im Handwerk ebenso wie in der Philosophie.

Kintsugi, das ist eine traditionelle japanische Reparaturmethode für Keramik, bei der die Scherben wieder zur alten Form zusammengeklebt und die Bruchstellen mit Gold hervorgehoben werden. Die Brüche werden betont und bleiben für immer sichtbar. Aus dem Bruch ist etwas Neues entstanden, die alte Keramik hat durch die vergoldeten Bruchstellen an Schönheit hinzugewonnen. Dahinter steht eine tiefe Wertschätzung für die einfachen Dinge, das japanische Kunstverständnis des Wabi Sabi.

Kintsugi kann auch als Lebensphilosophie verstanden werden. Beziehungen enden, geliebte Menschen sterben, Pläne werden durchkreuzt: Wie umgehen mit den unvermeidbaren Brüchen, die sich durch das Leben ziehen? Diese gilt es anzunehmen und nicht zu verstecken. Vorher sah unser Leben aus wie jedes andere – erst durch den Bruch wird es einzigartig. Im besten Fall entsteht daraus ein Lebens-Kintsugi.

Autorin: Isabel Schneider

Redaktion: Lioba Werrelmann

Kintsugi – Die Schönheit des Zerbrochenen

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 22.12.2020 20:05 Min. Verfügbar bis 21.12.2021 WDR 5 Von Isabel Schneider


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Kintsugi: Die Schönheit des Zerbrochenen

Zerbrochenes neu zusammensetzen und dabei Altes und Fehlerhaftes bewahren – das ist der Gedanke hinter Kintsugi, einer alten japanischen Reparaturmethode für Keramik. Die Brüche werden dabei mit Gold hervorgehoben.

Drei Keramikschalen, die mit einer Kintsugi-Restaurierung verschönert wurden.

Aus alt wird neu: Die Keramikscherben wurden wieder zusammengefügt, die goldenen Risse lassen nur noch erahnen, dass die Schalen an diesen Stellen zerbrochen waren.

Aus alt wird neu: Die Keramikscherben wurden wieder zusammengefügt, die goldenen Risse lassen nur noch erahnen, dass die Schalen an diesen Stellen zerbrochen waren.

Eine alte japanische Teeschale (Chawan) aus roter Raku-Keramik mit Kintsugi-Restaurierung steht in der Sammlung des Hetjens Museum in Düsseldorf.

Eine Schale mit eingeritztem Dekor aus dem 13. Jahrhundert. Sie wurde im Laufe der Zeit mit Kintsugi repariert. Darin offenbart sich eine besondere Wertschätzung für die Schale.

In ihrer Kintsugi-Werkstatt schafft Eva Lenz-Collier neue Kunstwerke aus alten, zerbrochenen Objekten.

Jede Lackschicht muss einzeln abgeschliffen werden. Dazu nutzt Lenz-Collier Magnolienholzkohle oder einen Glasradierer. 

Vor dem Goldauftrag braucht es noch eine Grundierung aus Urushi-Lack. Lenz-Collier malt dafür mit einem sehr feinen Pinsel vorsichtig die Bruchstellen nach.

Verschiedene Pulver werden je nach Arbeitsschritt zum Urushi-Lack gemischt. Der feine Staub aus Gold- oder Silberplättchen wird als letztes aufgetragen.

Vorsichtig stäubt Lenz-Collier das Gold auf. Das Ergebnis: Wo ehemals Bruchstellen waren, sind nun feine goldene Linien zu sehen

Yoshiro Shimizu, Geschäftsführer der Tenri Japanisch-Deutschen Kulturwerkstatt, beobachtet, dass Kintsugi immer mehr zum Trend wird.

Ein japanisches Magazin, in dem die Kintsugi-Technik für Hobby-Künstler beschrieben steht: Eine Anleitung mit Fotos erklärt Schritt für Schritt in japanischer Schrift, wie man Kintsugi selbst ausprobieren kann.