Der Jahrgang 1952 und die 68er-Bewegung

Schüler im Unterricht 1968

Der Jahrgang 1952 und die 68er-Bewegung

Sie sind Schüler, als in den späten 60ern der gesellschaftliche und politische Umbruch beginnt – emotional mitgerissen von einer Stimmung der Befreiung, aber noch wenig reflektiert. Die Politisierung beginnt erst später: Der Bauch öffnet den Weg zum Kopf.

Antiautoritäre Erziehung und sexuelle Revolution, Notstandsgesetze und Vietnamkrieg, Marx und die Mao Bibel und der Rausch der gesellschaftstheoretischen Diskussionen: Wenn es um die Revolte des Jahres 1968 geht, sind die Themen seit Jahren besetzt und gesetzt von den sogenannten Alt-Achtundzechzigern, die zu der Zeit Mitte 20 waren.

Die damals Jugendlichen wurden im Strudel der Ereignisse mitgerissen. Sie lebten bis dahin in sehr konservativen, bürgerlich kontrollierten Verhältnissen, aus denen sie dann, elektrisiert von der Stimmung des Protest, ausbrachen – und zum Teil bizarre Widersprüche erlebten: Einerseits liefen sie „Ho, Ho, Ho Chi Minh“ rufend bei Demonstrationen mit, andererseits schwangen sie brav in der Tanzstunde das Tanzbein, beim Abschlussball mit Anzug und Krawatte.

Die Musik war einer der wichtigsten Einflussfaktoren auf dem Weg der Identitätsfindung: Mit der Pop- und Rockmusik der späten 60er und 70er-Jahre begann ein Generationenkonflikt und eine Art kulturelle Opposition, die aber zunächst unpolitisch war und eher ein Lebensgefühl ausdrückte. Ein wirkliches Verstehen der Dimensionen der Studentenbewegung und ihrer Folgen erfolgte erst im Laufe der Zeit – als die überschäumenden Emotionen der intellektuellen Reflektion Platz gemacht haben.   

Autor: Herbert Hoven

Redaktion: Gundi Große

Der Jahrgang 1952 und die 68er-Bewegung

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 18.10.2018 | 24:51 Min.

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