Als Gastarbeiter im Wunderland "Almanya"

Ein undatiertes, privates Foto aus den siebziger Jahren zeigt eine türkische Gastarbeiterfamilie vor ihrem Auto

Als Gastarbeiter im Wunderland "Almanya"

Sie kamen nur mit dem Allernötigsten über das Anwerbeabkommen mit der Türkei vom 30. Oktober 1961. Die "Gastarbeiter" und "Gastarbeiterinnen" nahmen harte Arbeit und karge Umstände hin. Dennoch sind viele geblieben.

Die Arbeiterinnen und Arbeiter der ersten Jahre hatten wenig Kontakte zu Deutschen, wollten möglichst nicht auffallen. Sie blieben in Sammelunterkünften unter sich. Etwa drei Viertel waren Männer, ein Viertel Frauen. Allesamt junge Leute, gesund und kräftig. Sie wollten vor allem in kurzer Zeit viel Geld zu verdienen, um dann schnell in die Heimat zu ihren Familien zurückzukehren. Erst als diese dann doch blieben, ihre Familien nachholten und sesshaft wurden, sind sie in der Gesellschaft sichtbar geworden – mit Fragen nach Kitaplätzen, Bildung und Teilhabe.

Als die Bundesrepublik 1973 einen Anwerbestopp verhängt, leben etwa vier Millionen "Gastarbeiter" und "Gastarbeiterinnen" in Deutschland, ein knappes Drittel in NRW. Die Bundesregierung forciert ihre Rückkehr und lockt in den 80er Jahren mit finanziellen Rückkehrprämien. Rechtsradikale Parteien wie die Republikaner und die NPD hetzen, der Fremdenhass erreicht in den 90ern ihren Höhepunkt. Trotzdem bleiben viele in "Alamanya", wie die erste Generation Deutschland in ihrer Sprachform nannte. Auch Familie Yanr ist geblieben und lebt heute in der vierten Generation in Wanne-Eickel.

Autorin: Melahat Simsek

Redaktion: Julia Lührs

Als Gastarbeiter im Wunderland "Almanya"

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 27.10.2021 21:30 Min. Verfügbar bis 26.10.2022 WDR 5 Von Melahat Simsek


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