Sonnenuntergang auf Feuerland

Feuerland - Leben am Ende der Welt

Feuerland am südlichsten Zipfel Südamerikas ist bekannt für seine Gletscherlandschaften. Europäische Seefahrer prägen in der Kolonialzeit den Mythos vom Ende der Welt. Heute verspricht es den amerikanischen Traum à la Argentinien.

Als der portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan im 16. Jahrhundert an die Südspitze Amerikas gelangt, sieht er lodernde Feuer und tauft die Region kurzerhand Feuerland. In Film und Fernsehen dominiert das Bild zauberhafter, aber verlassener Landschaften. Im Sommer wird es kaum wärmer als 15 Grad. Gleichzeitig ist Feuerland eines der wichtigsten Industriezentren in Argentinien und Menschen aus dem ganzen Land suchen hier eine Zukunft. Wie lebt es sich am sogenannten Ende der Welt? Und wie sieht man von hier aus auf die Welt? Autorin Lisa Pausch war dort und hat beim Radio auf Feuerland gearbeitet.

Autor*in: Lisa Pausch

Redaktion: Jessica Eisermann

Feuerland - Über das Leben am Ende der Welt

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 25.05.2022 23:18 Min. Verfügbar bis 25.05.2023 WDR 5 Von Lisa Pausch


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Feuerland – Über das Leben am Ende der Welt

Feuerland am südlichsten Zipfel Südamerikas ist bekannt für seine Gletscherlandschaften. Der Mythos um das Ende der Welt entsteht in der Kolonialzeit und prägt das Bild vom wilden Süden. Die Fotografin Luján Agusti wurde 1986 im Norden Patagoniens geboren und ist für das Fotografiestudium nach Buenos Aires, Mexiko und in die USA gezogen. Seit 2018 lebt sie in Ushuaia und will mit ihrer Arbeit ein diverseres Bild von Feuerland zeichnen.

Sonnenuntergang auf Feuerland

Heute wächst die Hauptstadt Ushuaia im argentinischen Teil zur Großstadt heran: Sonnenuntergang über dem Beagle-Kanal vor der Stadt Ushuaia. Das große Gebäude rechts mit dem geschwungenen Dach ist ein Casino, das inzwischen geschlossen wurde.

Heute wächst die Hauptstadt Ushuaia im argentinischen Teil zur Großstadt heran: Sonnenuntergang über dem Beagle-Kanal vor der Stadt Ushuaia. Das große Gebäude rechts mit dem geschwungenen Dach ist ein Casino, das inzwischen geschlossen wurde.

In der Sprache der indigenen Yágan heißt der Beagle-Kanal "Onashaga", also "Meer der Onas". Der Kanal hat eine wichtige Bedeutung für die Umwelt: Im Kanal gibt es unterirdische Wälder aus Makroalgen, diese gelten als eine der größten CO2-Speicher der Erde und als Garant für Biodiversität.

1946 flog das argentinische Militär 20 Biber aus Kanada nach Feuerland, um den Handel mit ihren Häuten anzutreiben. Das Geschäft blühte nie auf, die Biber aber schon. Inzwischen gibt es über 100.000 in ganz Patagonien. Sie sind bis nach Chile gewandert und haben auch durch ihren Dammbau das Ökosystem stark verändert. Heute gelten sie in der Region als Plage.

Mari erntet Himbeeren auf ihrem eigenen Beet. Sie und ihre Familie arbeiten als lokale Produzenten unter anderem von Beeren, die auch in kaltem Klima wachsen und verkaufen die Früchte direkt vor Ort. Oftmals legen Blaubeeren aus patagonischer Produktion erst tausende Kilometer in die Hauptstadt Buenos Aires zurück, bevor sie im LKW wieder in der Hauptstadt Ushuaia landen.

Ein Hirte mit einer Schafherde auf dem Landgut Viamonte in der Nähe der Stadt Río Grande. Heute hat dieses Landgut um die 6.000 Schafe zur Gewinnung von Wolle. Das Landgut wurde 1902 von den Kindern des Briten Thomas Bridges gegründet, dem ersten europäischen Siedler in der Region. 

54°48´26´´S 68°18´16´´ sind die Koordinaten von Ushuaia, der Hauptstadt Feuerlands. Der Name Ushuaia kommt aus der Sprache Yámana und bedeutet "sh" (im Hintergrund) und "waia" (Bucht), bedeutet also so viel wie "Bucht ganz hinten". Der Ort wurde am 12. Oktober 1884 von Augusto Lasserre gegründet und hat heute eine Fläche von 23 Quadratkilometern.

Die Nichte der Fotografin Luján Agusti. Wer mit dem Auto von Feuerland aus in andere Teile Argentiniens fahren will, muss sich auf Wartezeit für Grenzbehörden und die Fähre einstellen. Über Land gibt es keine Verbindung nach Argentinien und die Landenge, an der die Fähre ablegt, gehört zu Chile. Wind und Schnee können die Überfahrt unmöglich machen.

Ushuaia als die südlichste Stadt der Welt ist begrenzt von Natur: Auf der einen Seite das Meer, auf der anderen Seite die Berge. Dazu der Wind. Ushuaia sei beides, sagt die Fotografin Luján Agusti. Neben seiner touristischen Seite habe die Stadt eine andere Seite: Sie ist eine der wichtigsten Industriezentren des Landes mit einem sehr diversen, unbeständigen und einsiedlerischen Sozialgefüge.

Die Autorin Lisa Pausch (re.), die für WDR 5 über Feuerland berichtet, war fast zwei Monate in Ushuaia und hat dort unter anderem beim öffentlichen Radiosender Radio Nacional hospitiert.

Haus in Ushuaia, Argentinien. Anders als in anderen Regionen Argentiniens werden die Häuser hier vermehrt mit Wellblech verkleidet als Schutz vor Kälte und Wind.

Manche Tage haben hier alle Jahreszeiten: Morgens den Frühling, mittags den Sommer und abends den Winter. Gerade wenn in den Sommermonaten die Sonne scheint und es windstill ist, lässt es sich auch gut draußen sitzen. Eine Gruppe Jugendlicher in Sweatshirts sagt: "Touristen erkennen wir an ihrer warmen Kleidung."

Der Fluss Olivia ist ein wichtiger Wasserzufluss für die Stadt Ushuaia. Er ist umgeben von Moorlandschaften, die den Wasserstrom regulieren. Auf Feuerland befinden sich 95 Prozent der Moorflächen Argentiniens. Weltweit trocknen immer mehr Moore aus – sie spielen als CO2-Speicher aber eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel.