Familiengedächtnis

Eine Frau hält ein Kind, das einer anderen Frau einen vollen Teller über eine Gartenhecke reicht.

Familiengedächtnis

Familiengeschichte lebt vom Erzählten und Geerbten. Wie funktioniert die persönliche Erinnerung in Arbeiterfamilien? Es gibt die These, sie sei kurz und brüchig. Eine Recherche im Ruhrgebiet.

Das Ruhrgebiet erzählt gerne Geschichten. Von Kumpels und Maloche. Vom schwarzen Himmel. Von Zusammenhalt und Ehrlichkeit. Von den einfachen Leuten des besten Menschenschlags. Fast jede Ruhrgebietserzählung ist eine Eintrittskarte ins Museum der verschwindenden Tugenden. In eine "denkmalgeschützte Siedlung" der kollektiven Erinnerung. An die Einfachheit des Lebens und die Schwere der Arbeit. Was macht diese kollektive Erzählung mit dem Gedächtnis der einzelnen Menschen? Mit den Erinnerungen an ihre persönliche Familiengeschichte? Wie weit reicht sie zurück? Wann und wie beginnt man sich die eigene Geschichte zu erzählen? Was sind die Voraussetzungen dafür: Bildung, Eigentum, Wohlstand?

Im Bürgertum gehört es zum guten Ton, das eigene Familienepos erzählen zu können und mit Dokumenten, Gemälden und Häusern greifbar zu machen. So lautet jedenfalls die These des französischen Soziologen Didier Eribon: Das Familiengedächtnis sei immer noch ein Privileg, das ausschließlich den bürgerlichen Schichten und Adligen zustehe. Das Familiengedächtnis der Arbeiter hingegen findet sich in Museen, Anekdoten und Mythen über Heldentaten, überall dort, wo es als kollektive Erinnerung zur Schau gestellt werden kann.

Autorin: Katja Artsiomenka

Redaktion: Regina Tanne

Familiengedächtnis im Ruhrgebiet

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 07.11.2018 | 23:07 Min.

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