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Aufgefaltet – Der Rhythmus vom Knicken

Papierkünstler Peter Dahmen zeigt Schneeflocken aus Papier.

Aufgefaltet – Der Rhythmus vom Knicken

Leuchtend bunte Weihnachtssterne aus Papier sind eine echte Herausforderung. Doch Falten finden wir nicht nur am Basteltisch: Wir falten unsere Wäsche, bügeln Falten in Röcke und falten sogar Proteine am Computer – und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

Falten ist eine uralte Kulturtechnik, für die man nichts weiter braucht als die eigenen Hände und Papier. Falten kommen in der Mode genauso vor wie in der Architektur, auf unserer Haut und in unserem Gehirn. In Japan hat man sogar aus dem Falten von Papier eine Kunst gemacht: Origami.

Aufgefaltet: Der Rhythmus vom Knicken

Von Claudia Friedrich

Ohne Falten gäbe es kein Akkordeon, kein Buch, kein Platz in der Rakete für die riesigen Sonnensegel. Origami steht für den Faltkosmos aus Papier und dient als Modell in der Biochemie. Es ist eine stille Kunst, die sich zwischen Berg und Tal entfaltet.

Papierkünstler Peter Dahmen mit einer Faltkarte

Der Designer Peter Dahmen schuf eine Schneeflocke in verschiedenen Variationen. Ihre Verbindung sind schmale Stege, die sich falten lassen.

Der Designer Peter Dahmen schuf eine Schneeflocke in verschiedenen Variationen. Ihre Verbindung sind schmale Stege, die sich falten lassen.

Ein Knick in der Mitte macht aus einem Bogen Papier vier Seiten, ein weiterer Knick verdoppelt die Anzahl und macht ein dünnes Heft. Mehrere Hefte ergeben den Buchblock.

Viele Knicke im Geldschein ergeben eine Spendenquittung. Das Wichtigste sei die perfekte Faltung, erklärt Magier Christian Jedinat seinen Zauberlehrlingen.

Mit Ziehharmonikafalten lässt sich nichts falsch machen, denn sie seien funktional, vielseitig und leicht herzustellen, schreibt Paul Jackson in seinem Buch über Falttechniken. "Sie entstehen durch lineare und radiale Teilung."

Origami tragen viele Muster. Der Rechtsanwalt Antoine F. Goetschel hält Zwiesprache mit einer gefalteten Elefantenkuh, dem Symbol des Global Animal Law Vereins mit Sitz in Zürich.

Symbole der Evzonen sind Filzhut, Schnabelschuhe und Faltenrock. Hinter dem Parlament am Syntagmaplatz in Athen befindet sich die Kaserne der griechischen Präsidialgardisten.

Schneidermeister Evangelos Lazos und Evzone Konstantinos Peristeris halten den halben Rock. Die rund 30 Meter bestehen aus genähten Baumwolldreiecken.

Im Benaki Museum in Athen hängt eine kolorierte Fotografie auf Albuminpapier. Philippos Margaritis porträtierte den Freiheitskämpfer Christodoulos Hadjipetros (1799-1869).

In der Evzonen-Kaserne nähen Schneiderin Despina Politis (links) und ihre Mitarbeiterin die Uniformen der Elitegardisten. 400 Falten entstehen in sorgsamer Handarbeit.

In einer strengen Choreographie erfolgt die Wachablösung vor dem Denkmal des unbekannten Soldaten am griechischen Parlament in Athen.

Einer ebenfalls strengen Choreographie folgen die Pop Ups der Klappkarten, die Peter Dahmen fürs Museum of Modern Art in New York gestaltete.

Papierkünstler Peter Dahmen entfaltet aus der Kladde einen Kreis. Die Energie zum Aufrichten bezieht das Pop up aus der Mittelfalz zwischen den Kladden-Deckeln.

"Eine Falte entsteht, indem ein flächiger Werkstoff nach oben und unten geknickt wird. Oder in der Sprache des Origami: aus einer Bergfalte und einer Talfalte", so der Faltguru Paul Jackson.

Sie faltet den Evergreen und segelt in ihre Kindheit zurück. In den Kindergärten der Welt gilt Falten als "Fröbelsche Beschäftigung", benannt nach dem Pädagogen und Kita-Gründer Friedrich Fröbel.

Auch hier wird gefaltet: In der University of Washington in Seattle am Institut für Protein Design forscht der Biochemiker Brian Koepnick über die Entstehung der Moleküle. "Sie sind wahre Origami-Meister."

Gamer und Gamerinnen weltweit falten Proteine im Computerspiel "Foldit". Ihre Ergebnisse überlassen sie dem Institut für Protein Design. Jede neu entdeckte Falt-Variante hilft zu verstehen.

Er faltet analog. Peter Dahmen klappt die Schneeflocken auf, klappt sie um, legt sie übereinander, untereinander. Auf diese Weise entstehen 44716 unterschiedliche Varianten.

Wir falten Eselsohren in Büchern, um eine Seite zu markieren und wir bügeln Falten in Hosen und Röcke oder streichen sie glatt, damit sie keine Falten bekommt. Doch Falten ist auch zum Symbol für Fragen der Tierethik geworden, dient als Erklärungsmodell für unser Leben und der Forschung. Ohne Falten gäbe es kein Leben, kein Origami, keine Botoxspritzen. Neugier Genügt begibt sich in diesem Feature in eine Welt der Dinge und des Denkens zwischen Berg- und Talfalte.

Autorin: Claudia Friedrich
Redaktion: Gundi Große

Aufgefaltet - Der Rhythmus vom Knicken

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 06.12.2018 19:55 Min. WDR 5

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