Faszination Ekel

Ein Mann bohrt mit seinem Finger in der Nase

Faszination Ekel

Warum schauen sich mehrere Millionen Menschen Internetvideos an, in denen eine Dermatologin in Großaufnahme Pickel und Mitesser ausdrückt oder eitrige Geschwulste und Zysten entfernt? Weil sie vom Ekel fasziniert sind.

Ekel schützt uns vor verdorbenem Essen und Krankheiten, in Teilen ist er aber auch anerzogen. Wie wir mit Kot, Popel oder Essen umgehen und was sich in der Öffentlichkeit nicht gehört, bestimmt unser sozio-kulturelles Umfeld, genauso wie das, was moralisch oder sozial sanktioniert wird. Schließlich soll Ekel nicht nur unseren Körper, sondern auch unsere Psyche vor Kontamination schützen.

Weil Ekel Aufmerksamkeit generiert und sich in unser Gedächtnis einbrennt, gilt er in postmodernen reizüberfluteten Zeiten als Klick- und Quotengarant. Prof. Dr. Winfried Menninghaus, Autor des Buches "Ekel. Theorie und Geschichte einer starken Empfindung", sieht die Pickel-Ausdrück-Videos der amerikanischen Dermatologin Dr. Sandra Lee (Künstlername "Dr. Pimple Popper") als eine Art Austesten von Grenzerfahrungen, ein Aufbegehren gegen die Ekelschranken und -tabus, als revoltierende Antwort auf die glatte, saubere Medienwelt der geschönten, makellosen Körper. Um Hörerinnen und Hörer dabei zu unterstützen, sich zu "ent-ekeln", empfiehlt Menninghaus, möglichst humorvoll und lustig über den Ekel zu berichten und sie dem Ekel immer wieder auszusetzen.

Autor: Christian Geuenich

Redaktion: Valentina Dobrosavljevic

Faszination Ekel

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 19.09.2018 | 19:40 Min.

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