Nahaufnahme eines Smartphones auf dessen Bildschirm das Logo von Doctolib zu sehen ist.

Doctolib – Wie steht es mit dem Datenschutz?      

Immer mehr Ärztinnen und Ärzte arbeiten mit dem Terminbuchungsportal Doctolib zusammen. Datenschützer sehen das kritisch: denn dafür fordert Doctolib umfangreiche Patientendaten an. Was passiert mit diesen Daten?

"Das ist das, was die Anleger von Doctolib besonders reizt: diese Patientendaten, das ist wirklich Gold!" – sagt Thilo Weichert, Vorstandsmitglied der Deutschen Vereinigung für Datenschutz e.V. Der Datenschützer bedauert, dass immer mehr Ärzte und Ärztinnen bei der Zusammenarbeit mit Doctolib hinnehmen, dass das Berliner Terminbuchungsportal von den Medizinern umfangreiche Patientendaten anfordert und erhält. Darunter sind auch Daten, die eine Praxis nie verlassen sollten.
Doch noch gibt es Arztpraxen, die sich quer legen und nach anderen Lösungen suchen.

Der Hintergrund für die Neigung vieler Ärzte, die Terminbuchung für Patienten an Doctolib abzutreten und ihre Patienten dazu zu drängen, sich dort anzumelden, ist eine in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene Gesetzesänderung: Seit 2017 ist es erlaubt, dass Ärzte und andere Geheimnisträger-Berufe, so genannte externe "Auftragsbearbeiter" beschäftigen dürfen, sofern sie zur Verschwiegenheit verpflichtet werden.

In dieser Rolle – ein lediglich der Schweigepflicht nachkommender Auftragsbearbeiter zu sein – sieht sich auch Doctolib. Was zunächst zutreffend ist. Doch gleichzeitig ist Doctolib auch ein eigenständiger Dienstleister, der verschiedene Services im medizinischen Umfeld anbietet. Etwa bei der Suche nach einem Arzt oder einer Ärztin oder bei der Vermittlung einer Video-Sprechstunde.

Diese Doppelrolle aber birgt das Risiko, dass Doctolib die vorhandenen Daten für eigene Zwecke verwenden könnte. Doch genau dies wird von Doctolib-Geschäftsführer Nikolay Kolev bestritten. Zugriff auf die sensiblen Patientendaten hätten nur der Patient selbst und der oder die Ärzte.

Doch es gibt auch Alternativen zu Doctolib: Hilfreich kann dabei die Kassenärztliche Bundesvereinigung sein oder die entsprechende Landesvereinigung. Denn – die deutschlandweit gültige – Ärzte-Telefon-Nummer 116 117 ist eben nicht nur für akute Notfälle eingerichtet, sondern tatsächlich auch für die Arztsuche und die Terminvermittlung. Und unter 116117.de  erreicht man im Internet den gleichen Ärzte-Service mit einer erstaunlichen Vielfalt an Angeboten.

Das geht dann zwar nicht ganz so "easy" wie bei Doctolib, aber dafür bleiben die Patientendaten da, wo sie hingehören – beim Arzt oder bei der Ärztin.

Autor: Klaus Betz

Redaktion: Chris Hulin

Doctolib – Wie steht es mit dem Datenschutz?

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 19.06.2023 23:34 Min. Verfügbar bis 15.06.2024 WDR 5 Von Klaus Betz


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