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Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

In Nordrhein-Westfalen ist offenbar der erste Wolf sesshaft geworden.

Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

Gibt es den "bösen" Wolf nur im Märchen? Oder sollten wir ihn wirklich fürchten? Am Tag des Wolfes berichtet Jane Höck über Menschen und Wölfe, die schon seit Jahrtausenden in seltsamer Hass-Liebe verbunden sind.

Seit der Rückkehr der Wölfe gibt es viel mediales Interesse rund ums Thema und viel Aufregung. Schäfer und Landwirte sehen im Wolf eine Gefahr für Nutztiere und den Menschen, Naturschützer halten das für Übertreibung. Wie aber ist es jenseits der ideologisch gefärbten Debatte um den Wolf bestellt? Woher kommt die Angst vor ihm? War der Wolf auch vor den Brüdern Grimm schon böse? Der Hund, der Deutschen liebstes Tier, stammt immerhin direkt vom Wolf ab. Wie passt das zusammen?

Jane Höck über eine Hass-Liebe, die weniger im Wolf als tief im Menschen selbst verwurzelt ist; in seinen Träumen und Sehnsüchten, Mythen und Märchen.

Autorin: Jane Höck

Redaktion: Heiko Hillebrand und Gundi Große

Der "böse" Wolf?

150 Jahre lang waren sie weg, jetzt sind sie zurück, seit Herbst 2018 auch in Nordrhein-Westfalen: Die Wölfe. Das Interesse ist groß, die Diskussion hoch emotional und hitzig.

Eine Frau steichelt den Kopf eines Wolfshunds.

Dem Wolf zum Verwechseln ähnlich: Der Wolfshund. Sowohl die Pianistin Hélène Grimaud als auch der Philosoph Mark Rowland sind darauf reingefallen. In "Wolfssonate" berichtet die Pianistin von ihrer ersten Begegnung mit der Wölfin Alawa. Heute weiß sie: "She was a hybrid". Und Mark Rowlands Bestseller müsste eigentlich "Der Philosoph und der Wolfshund" heißen.

Dem Wolf zum Verwechseln ähnlich: Der Wolfshund. Sowohl die Pianistin Hélène Grimaud als auch der Philosoph Mark Rowland sind darauf reingefallen. In "Wolfssonate" berichtet die Pianistin von ihrer ersten Begegnung mit der Wölfin Alawa. Heute weiß sie: "She was a hybrid". Und Mark Rowlands Bestseller müsste eigentlich "Der Philosoph und der Wolfshund" heißen.

Bei den "Wolfstagen" im Tierpark Sababurg können die Menschen sich gar nicht satt sehen an der Fütterung der Wölfe. Zoologin Sandy Walgenbach wird sogar immer mal wieder gefragt, ob es möglich sei, das Gehege zu betreten, um die Wölfe zu streicheln. Das geht natürlich nicht: So ein Wolf ist doch kein Kuscheltier!

Im Tierpark Sababurg leben fünf Europäische Grauwölfe. Hier macht sich einer von ihnen gierig über einen frischen Fleischbrocken her. "Der Wolf ist natürlich ein Raubtier. Der mag keine Möhrchen und keine Äpfelchen fressen", so der launische Kommentar der Zoologin Sandy Walgenbach beim Füttern.

Die Gebrüder Grimm haben mit ihren Märchen dazu beigetragen, dass der Wolf im kollektiven Gedächtnis böse ist. Er wurde verfolgt, gejagt und ausgerottet. Jetzt ist er wieder zurück. Auch im Reinhardswald, zu Füßen des Dornröschenschlosses Sababurg, ziehen immer wieder Wölfe durch. Von 2006-2011 hatte hier ein junger Wolf sogar sein festes Revier.

Wölfe haben ein ausgesprochen vorbildliches Sozialverhalten. Ein Rudel besteht aus dem Elternpaar, den Welpen und den Geschwistern der Vorjahre. Auch die kümmern sich als Ammen geradezu fürsorglich um den Nachwuchs, bis sie selber abwandern, um einen eigenen Partner und ein eigenes Revier zu finden.

Frank Faß ist eigentlich Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik. Seine erste Begegnung mit frei lebenden Wölfen haben er und seine Frau 2005 bei einer Rundreise durch Kanada. Ein einschneidendes Erlebnis. Die beiden hängen ihren alten Job an den Nagel und gründen in Dörverden ein Wolfcenter. Seit 2010 machen sie dort Öffentlichkeitsarbeit für das unbekannte Wesen "Wolf".  

Im Wolfcenter leben rund ein Dutzend Wölfe. Die meisten von ihnen sind Europäische Grauwölfe. Im Gegensatz zu den frei lebenden Kollegen, die auf der Suche nach Beute ständig in Bewegung sind, kann so eine Gehegewolf auch mal ganz friedlich in der Sonne schlummern. 

Im niedersächsischen Dörverden kommen Menschen den Wölfen ganz nah. Bei einem Abend unter Wölfen etwa schweben die Besucher im Baumhotel direkt über dem Gehege des Wolfcenters oder sie übernachten gleich nebendran im Tipi. Da lässt sich des Nachts sogar gemeinsam mit den Wölfen heulen.

Lange war Nordrhein-Westfalen Wolferwartungsland. Inzwischen hat das Land jetzt ganz offiziell drei Wolfsgebiete. Eins am Niederrhein, eins nördlich des Ruhrgebiets und eins in Ostwestfalen. Ohne schützende Elektronetze geht hier nun nichts mehr, schon gar nicht so nah am Wald wie hier in Ostwestfalen. 

Der Wolf ist ein Beutegreifer. Zu 96 Prozent ernährt er sich von Rehen Rothirschen und Wildschweinen. Nutztiere, allen voran das Schaf, machen nicht mal ein Prozent aus. Trotzdem ist natürlich klar, dass Schäfern – vom finanziellen Schaden mal abgesehen – jeder Wolfsriss unter die Haut geht. Und deutlich mehr Arbeit bedeutet die Rückkehr der Wölfe für die Schäfer auch.

Ulf Helming ist Wolfsbeauftragter des Schafzuchtverbandes NRW. Der studierte Biologe hat sich schon während seiner Ausbildung für den Wolf interessiert. "Ich sehe jetzt natürlich auch den Interessenskonflikt, den man in der Schafhaltung hat. Ich bewirtschafte relativ viele Flächen." Einmal hat der Wolf bereits zugeschlagen, trotz der schützenden Elektronetze.

Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 30.04.2019 20:20 Min. Verfügbar bis 28.04.2020 WDR 5 Von Jane Höcke

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