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23.03 - 06.00 Uhr ARD Infonacht

Dagestan – Zwischen Trend und Tradition

Wanja und Wika in einem modernen, bunten Geschäft

Dagestan – Zwischen Trend und Tradition

Die nordkaukasische Republik Dagestan galt lange als Russlands unruhigste Region. Der Alltag war geprägt von islamistischem Terror, Stammeskämpfen und Polizeigewalt. Heute zieht es ausgerechnet hippe, junge Moskauer in ihrem Urlaub in die Berge Dagestans.

Die Landschaft Dagestans ist atemberaubend, die Preise sind erschwinglich und ein Hauch von Abenteuer ist auch dabei. Besonders seit Beginn der Corona-Pandemie kommen immer mehr russische Touristen. Denn Auslandsreisen waren wegen der geschlossenen Grenzen kaum möglich und wegen des zunehmenden Rubel-Verfalls für viele auch nicht mehr bezahlbar.

Hinzu kommt die Wirkung der in Russland sehr beliebten Fotoplattform Instagram: Je mehr Bilder von den Bergschluchten und urigen Dörfern Dagestans gepostet wurden, umso mehr wurde die Region gerade bei jungen Leuten zum Trend. Auch die berühmten handgeknüpften Teppiche aus Dagestan erleben ein Revival. In Moskau gibt es gleich mehrere Showrooms, die mithilfe lokaler Scouts Vintage-Teppiche an stilbewusste Großstädter bringen.

Dagestan – Urlaub im Kaukasus

Die russische Kaukasusrepublik Dagestan erlebt einen Tourismus-Boom. Besonders inländische Reisende schätzen die Berglandschaft, die Gastfreundschaft und die berühmten handgefertigten Teppiche. Und je sichtbarer Dagestan auf Instagram wird, desto mehr junge Leute kommen aus Moskau.

Berge in Dagestan

Dagestan bedeutet Bergland. Seit Beginn der Corona-Pandemie erlebt die Region im Nordkaukasus einen regelrechten Touristenboom.

Dagestan bedeutet Bergland. Seit Beginn der Corona-Pandemie erlebt die Region im Nordkaukasus einen regelrechten Touristenboom.

Lange galt die Teilrepublik am kaspischen Meer als Russlands unruhigste Region. Erst langsam wandelt sich das negative Image Dagestans.

Wanja und seine Frau Wika sind aus Moskau nach Dagestan gezogen. Als Tourguides wollen sie mit Klischees aufräumen und die kulturelle Vielfalt der Region in den Mittelpunkt stellen.

Soziale Medien wie die Fotoplattform Instagram tragen maßgeblich zum Imagewandel Dagetans bei – weil sie die positiven Seiten der Region hervorheben.

Es ist vor allem die raue und zugleich malerische Natur, die viele Besucher:innen anzieht. Im Jahr 2021 waren es rund eine Million – gut ein Viertel mehr als im Vorjahr.

Sakir, Vorsteher des Bergdorfs Koroda, freut sich über das wachsende Interesse. In Dagestan gelten Touristen als willkommene Gäste.

Der älteste Teil des Bergdorfs Koroda stammt aus dem Mittelalter. Die Ruine ist mittlerweile ein Touristenmagnet.

Die Küstenstadt Derbent ist ein bekannter Knotenpunkt für den Handel mit handgearbeiteten Teppichen aus den verschiedensten Regionen Dagestans.

Sejdullas Familie beschäftigt sich seit Generationen mit der Herstellung und dem Handel traditioneller Teppiche. Auf der Suche nach wertvollen Originalen fährt er oft stundenlang in die entlegensten Bergdörfer.

Die Qualität zählt: die dichte der Knoten und die Symmetrie der Muster. Aber auch die Herkunft der Teppiche ist wichtig. Sejdullas Kund:innen interessieren sich vor allem auch für ihre Geschichte.

Auch in Moskau kommen die Teppiche aus Dagestan gut an. Sie passen perfekt zum Einrichtungsstil, der im kreativen Milieu der russischen Hauptstadt gerade "in" ist.

Anna und Ivan haben aus dem Handel mit Teppichen aus Dagestan ihr eigenes Business aufgebaut. Ihre Moskauer Kundschaft wird vor allem über die Fotoplattform Instagram auf sie aufmerksam.

Autorin: Martha Wilczynski-Bartels

Redaktion: Moritz Folk

Dagestan – Zwischen Trend und Tradition

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 07.12.2021 21:11 Min. Verfügbar bis 07.12.2022 WDR 5 Von Martha Wilczynski


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