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Die Brenninkmeijer-Milliardäre in Mettingen

Die Brenninkmeijers - Milliardäre in Mettingen

Die Brenninkmeijer-Milliardäre in Mettingen

Wenn Lena Gilhaus als Kind ihre Großeltern in Mettingen, am Fuße des Teutoburger Waldes am Rand von NRW besuchte, freute sie sich immer auf das Gemunkel um die Milliardärsfamilie Brenninkmeijer, die Gründer der Textilkette C&A.

Katholisch, konservativ, klandestin – das sind die Markenzeichen der Unternehmerfamilie Brenninkmeijer, die sich nicht gern in die Karten und die Vorgärten schauen lässt. Der Besitz einer der reichsten Familien Europas wird auf 25 Milliarden Euro geschätzt. Inzwischen machen die Inhaber der Textilkette C&A allerdings ihren Hauptumsatz mit Immobilien und Investment. Das Imperium ist gebündelt in der COFRA-Holding in der Schweiz, während die mehr als tausend Familienmitglieder auf der ganzen Welt verstreut leben.

Dennoch hält die verschwiegene Unternehmerfamilie bis heute die Verbindung zu dem kleinen Örtchen Mettingen in Westfalen im Tecklenburger Land an der Grenze zu Niedersachsen. Es ist die Heimat der Brenninkmejier Vorfahren, und auch die Heimat der Vorfahren von WDR-5-Autorin Lena Gilhaus. Wie die meisten einheimischen Mettinger haben auch ihre Verwandten als Haushaltshilfe oder in der Kinderbetreuung in den Mettinger Brenninckmeijer-Häusern gearbeitet und dabei die hochherrschaftliche Atmosphäre genossen, aber auch unter den strengen Regeln gelitten. Lena Gilhaus hat sich in Mettingen auf Spurensuche begeben.

Autorin: Lena Gilhaus

Redaktion: Jessica Eisermann

Milliardäre in Mettingen

Der Besitz der Brenninkmeijers, einer der reichsten Familien der Welt, wird auf 25 Milliarden Euro geschätzt. Die verschwiegene Milliardärsfamilie hält bis heute die Verbindung zu der Gemeinde Mettingen in Westfalen im Tecklenburger Land an der Grenze zu Niedersachsen. Mettingen ist auch die Heimat der Vorfahren von WDR-5-Autorin Lena Gilhaus, die mit dem Gemunkel um die Milliardärsfamilie groß geworden ist, und nun versucht, den Gerüchten nachzugehen.

Diese Brenninkmeijer-Villa in der Bischofstraße in Mettingen liegt hinter einem Tor und hohen Hecken

Wenn Autorin Lena Gilhaus als Kind ihre Großeltern in Mettingen besuchte, spähte sie durch die hohen Hecken auf die geheimnisvollen Anwesen der Familie Brenninkmeijer, die in der kleinen 12.000 Einwohner großen Gemeinde wie aus einer anderen Welt wirken.

Wenn Autorin Lena Gilhaus als Kind ihre Großeltern in Mettingen besuchte, spähte sie durch die hohen Hecken auf die geheimnisvollen Anwesen der Familie Brenninkmeijer, die in der kleinen 12.000 Einwohner großen Gemeinde wie aus einer anderen Welt wirken.

In den 1950er Jahren hat die inzwischen verstorbene Großmutter von Lena Gilhaus in einer der vornehmen Villen der Brenninkmeijers in der Bischofstraße gearbeitet. Sie hat den Brenninkmeijers das Essen zu Tisch gebracht, die Häuser in Schuss gehalten. Für die Gärtner, Köche und Hausmädchen sei Verschwiegenheit oberstes Gebot gewesen, hat sie ihrer Enkelin erzählt.

Interviews mit Mitgliedern des Familienunternehmens Brenninkmeijer werden Lena Gilhaus nicht gestattet, auch kein Besuch in dem Haus, in dem ihre Großmutter gearbeitet hat. Die Verschwiegenheit der Brenninkmeijers hat Tradition. Im 17. Jahrhundert wurde aus Mettinger Flachs Leinen gesponnen. Johann Brenninkmeijer zog damals mit Stoffen als sogenannter Tödde in die Niederlande. So nannten sich verschwiegene und sehr katholische Textil-Kaufleute.

Johann Brenninkmeijers Nachfahren, die Brüder Clemens und August, gründeten dann in Sneek in den Niederlanden im Jahr 1841 eine Textilfirma - C&A Brenninkmeijer. Auf dem Mettinger Friedhof sind die C&A-Gründer begraben - wie Generationen der Brenninkmeijers. Für die Mettinger seien Beerdigungen eine der wenigen Gelegenheiten, Mitglieder der Familie zu sehen, erzählt eine Einheimische, sonst gäbe es keinen persönlichen Kontakt zu der Unternehmerfamilie.

Trotz Firmengründung in den Niederlanden seien die Brenninkmeijers noch bis in die 1920er Jahre häufig in Mettingen gewesen, sagt Wirtschaftshistoriker Mark Spörer. Doch laut Bau- und Kaufdaten der COFRA-Holding, die heute alle Unternehmenszweige der Brenninkmeijers bündelt, wurden sechs der Häuser sogar erst zwischen 1929 und 1935 gebaut, eins 1928 dazu gekauft.  Keins dieser Häuser steht unter Denkmalschutz. Den Grund für den Bau und Kauf der Häuser kann die COFRA-Holding nicht nennen.

Laut dem Architekturhistoriker Daniel Buggert entsprechen die Häuser aus den 1920er und 1930er Jahren dem sogenannten Heimatschutzstil. Die Bauherren wollten sich damit als Traditionalisten zeigen und mit dem Ensemble einen "dynastischen Sitz" und Ort der Repräsentation in einer katholischen Region schaffen. Warum haben Mettinger zu den Häusern nur als Angestellte Zugang?

Philipp Brenninkmeyer ist kein Unternehmensmitglied mehr, darf seinen Namen deshalb mit "y" statt mit "ij"schreiben. Der gebürtige Engländer war als Kind regelmäßig zu Besuch in Mettingen. Es sei schön, einen Herkunftsplatz zu haben, in dem er bis auf den Pfarrer und Hotelangestellte aber niemanden kenne. Warum nicht? "Es ist nicht so, dass wir in die Stadt gehen und dann: oh, kommt doch auch mit und wir feiern zusammen Weihnachten", antwortet der Schauspieler.

Die katholische Kirche von St. Agatha im Ortskern soll von der Unternehmerfamilie finanziert worden sein, munkeln die Dorfbewohner. Laut dem Pastor Timo Holtmann stimmt das nicht. Aber die Familie unterstützt laut dem Kämmerer bestimmte gemeinnützige Projekte finanziell. Nur noch eine einzige Brenninkmeijer, eine alte Dame, würde in Mettingen wohnen, sagt der Pastor.

Zwischen 2006 und 2009 entstand in Mettingens Neubaugebiet in der Georgstraße ein spektakulärer zylinderförmigen Bau. Dort hat auch die Großmutter von Lena Gilhaus gelebt und zu Lebzeiten spekuliert, die Familie Brenninkmeijer baue sich in ihrer Straße ein Seniorenheim mit Helikopterlandeplatz auf dem Dach. Die tief ausgeschachtete Grube auf dem Gelände solle vielleicht unterirdischen Kinos, Tennisplätzen oder einem Bunker Platz schaffen, munkelte Lena Gilhaus' Familie.

Heute befindet sich in dem Gebäude die Draiflessen Collection, eine gemeinnützige GmbH der Familie Brenninkmeijer. Das Kunstmuseum wurde 2010 eröffnet, hat aber erst seit 2017 feste öffentliche Besuchszeiten - vorher nur auf Anmeldung – und locke täglich 27 Besucher an. Unter dem Gebäude liegt laut COFRA-Holding bis in 15 Meter Tiefe Heizung, Wasser- und Stromversorgung.

Auf der Rückseite liegt das Veranstaltungszentrum Draiflessen Conference & Culture, eine GmbH & Co. oHG, und das Familien- und Unternehmensarchiv. Der Komplex im Neubaugebiet sei ein Treffpunkt der Familie Brenninkmeijer, die dort ihre Unternehmensgeschichte archiviere, begründet die Pressesprecherin der Draiflessen Collection Tanja Kemmer den Bau - und er sei ein Geschenk an die Mettinger.  

Alteingesessene sehen das anders, nur wenige Einheimische würden das Angebot nutzen und der Hauptgebäudeteil sei der Familie Brenninkmeijer vorbehalten. Auch WDR-5-Autorin Lena Gilhaus erhält keinen Zutritt. Informationen über die Angestelltenzeit ihrer Großmutter, die sie angefragt hat, gebe es im Archiv nicht, teilt die Pressestelle mit. Laut Gerüchten im Dorf durfte nicht einmal die Feuerwehr das Gebäude komplett begehen. "Das stimmt nicht", sagt Pressesprecherin Tanja Kemmer, "es gibt kein Geheimnis hier."

Die Brenninkmeijer-Milliardäre in Mettingen

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 07.08.2019 24:19 Min. Verfügbar bis 05.08.2020 WDR 5 Von Lena Gilhaus

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