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Erfolgsgeschichte Botswana

Ein Straßenschild mit der Aufschrift "Kgotla" und "Primary School".

Erfolgsgeschichte Botswana

Botswana wird als "Wunder Afrikas" bezeichnet, denn dort herrscht seit Jahrzehnten relativer Wohlstand. Dort gelang, woran viele afrikanische Länder scheiterten: Die Bodenschätze wurden genutzt, um eine friedliche Gesellschaft aufzubauen.

Von Botswana kann man sich aber noch mehr abschauen, auch für Deutschland. So wird die Bevölkerung über regionale und soziale Grenzen hinweg andauern durchmischt, was Vorurteile abbaut. Die etwa 2 Millionen Einwohner zählende Bevölkerung lernt sich kennen, begegnet sich in unterschiedlichen Konstellationen ständig neu. Konkret passiert dies unter anderem indem die Lehrenden an den Schulen regelmäßig im ganzen Land versetzt werden und rotieren. Außerdem gibt es eine lange Tradition, Entscheidungen gemeinschaftlich in basisdemokratischen Versammlungen zu treffen – und Konflikte auszuräumen, bevor sie eskalieren.

Autor: Adrian Breda

Redaktion: Jessica Eisermann

Erfolgsgeschichte Botswana

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 16.12.2019 19:46 Min. Verfügbar bis 12.12.2020 WDR 5 Von Adrian Breda


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Botswana - Das Wunder Afrikas

Botswana ist gelungen, woran die meisten afrikanischen Ländern scheitern. Die Ressourcen, an erster Stelle die Diamantenvorkommen wurden genutzt, um eine friedliche und relativ wohlhabende Gesellschaft aufzubauen. Wie hat Botswana das geschafft?

In Botswanas Hauptstadt, Gaborone, lässt sich beobachten, wie ein Staat still und weitgehend unbemerkt gedeiht. Dass so viele Länder Afrikas – trotz enormer Bodenschätze – große Probleme haben, wundert hier viele.

Der Erfolgt Botswanas beruht auf seinen Diamantenvorkommen. Und der Wohlstand, der sich daraus ergibt, wird relativ gerecht verteilt. Die Diamantenschleiferin Boipelo Mothoemang profitiert ganz direkt – und ernährt mit ihrem Job weitere acht Familienmitglieder.

Rutang Moses, Landeschefin des Diamantenunternehmens Safdicon, sagt: "Von der Diamantmine bis zum Diamantring am Finger entstehen Steuern. Für das Land ist das sogar noch wichtiger als die Jobs."

Durch die Einnahmen aus dem Diamantengeschäft konnte in Botswana eine Mittelschicht entstehen, die sich am Westen orientiert. Die Straßen auf denen sie mit ihren Wagen fahren sind perfekt ausgebaut – überall im Land.

Seit 2006 ist die gesamte Diamanten-Wertschöpfungskette im Land vorhanden. Der Marktführer De Beers hat sogar seine Verkaufssparte von London nach Botswana verlegt.

Zugute kommt das auch den Kindern in Botswana. Vom Kindergarten bis zum Doktortitel ist Bildung gratis. Schüler erhalten zwei Mahlzeiten am Tag und Studierende bekommen eine Unterkunft gestellt.

Botswanas Erfolg hat noch einen zweiten Grund: Kgotlas – eine jahrhundertealte Tradition, einzigartig in Afrika. Kgotlas sind eine Mischung aus Amtsgericht, Bürgerzentrum und basisdemokratischer Dorfversammlung. Hier trifft man sich, um Probleme zu besprechen, bevor sie eskalieren. "Dialog ist die höchste Form des Kriegs", so lautet ein Sprichwort.

Für die Treffen gibt es einen speziellen Ort in jedem Dorf, wo sich die Bevölkerung mindestens einmal im Monat trifft. Jedes Kgotla-Gebäude ist in den Nationalfarben des Landes gestrichen: Blau, Weiß und Schwarz. Das Blau steht für den Himmel, Schwarz und Weiß für das friedliche Zusammenleben Menschen afrikanischer und europäischer Herkunft.

In der Kgotla finden auch Gerichtsverhandlungen statt. Geleitet werden die vom Chief, der sein Amt geerbt hat. Gefängnisstrafen von bis zu acht Jahren können von ihm verhängt werden.

Der respektvolle Austausch steht im Vordergrund in Botswana – während der Kgotla-Treffen, aber auch abseits davon. Es geht weniger darum, Recht zu behalten – sondern darum, Lösungen zu finden, mit denen alle Betroffenen leben können.

Die Menschenrechtsaktivistin Alice Mogwe sieht die Kgotla als Ursache für den Frieden, der seit Jahrzehnten in Botswana herrscht: "Wenn man sich andere Länder in Afrika anschaut, dann sieht man, dass die Demokratie dort nicht so fest verwurzelt ist wie in Botswana."