Dünne Wände

Ein Mann hält sich die Ohren zu

Dünne Wände

Nebenan verbringt einer seine Arbeitstage damit, Gitarrenverstärker zu testen. Die Nachbarfamilie diskutiert lebhaft beim Frühstück – man muss kein heimlicher Lauscher sein, um zu hören, was man eigentlich nicht hören will: die dünnen Wände sind schuld.

Wir leben in hektischen Zeiten – das Bedürfnis nach Ruhe kennen die meisten Menschen, gerade, wenn es um die Privatheit in den eigenen vier Wänden geht. Wenn diese aber dünn sind, ist es aus mit der Ruhe. Manche Wände sind so dünn, dass der schnarchende WG-Mitbewohner klingt, als würde er mit im Bett liegen. Ob Lachen oder Weinen, selbst ein diskreter Streit bleibt nicht geheim. Die Wände geben einfach alles preis, was sie eigentlich nicht sollten. Sie sind wohl mit Konfliktstoffen isoliert. Aber das Lied von den hellhörigen Häusern hat noch eine zweite Strophe. Darin ist die Rede davon, dass der Schall auch seinen Reiz haben kann. Tröstlich, zu erleben, dass man nicht allein ist. Angenehm, unbeteiligt mitzubekommen, was sonst noch passiert. Anrührend, Anteil zu nehmen, mit dem Herzen durch die Wand.

Autorin: Carolin Courts

Redaktion: Gundi Große

Dünne Wände

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 06.03.2018 | 19:18 Min.

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Stand: 05.03.2018, 13:51