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Mit dem WDR 5-Demokratie-Wagen auf Tour

Mit dem WDR 5-Demokratie-Wagen auf Tour

Von Bonn nach Düsseldorf, über Bochum nach Dortmund: Vom 20. bis 24. September reist Ralph Erdenberger auf den Spuren der Demokratie durch NRW, besucht bedeutende Orte und diskutiert mit den Menschen. Auf seinem Weg nach Berlin macht er auch noch einen Abstecher nach Templin, in die Heimatstadt von Angela Merkel.

Außenansicht der Kneipe "Ständige Vertretung" in Berlin

Aufregung in der Kult-Kneipe "Ständige Vertretung" in Berlin Mitte: Am Wahlabend wird das Ergebnis der Bundestagswahl 2021 gefeiert. Ralph Erdenberger ist am Ziel der WDR5-Demokratietour auch auf Wähler-Nachwuchs aus NRW gestoßen.

Aufregung in der Kult-Kneipe "Ständige Vertretung" in Berlin Mitte: Am Wahlabend wird das Ergebnis der Bundestagswahl 2021 gefeiert. Ralph Erdenberger ist am Ziel der WDR5-Demokratietour auch auf Wähler-Nachwuchs aus NRW gestoßen.

Geschafft! Einen Tag vor der Bundestagswahl ist die Demokratie-Tour in Berlin angekommen. 1.000 Kilometer haben Reporter Ralph Erdenberger und sein Team in dieser Woche zurückgelegt, vom Westen in den Osten Deutschlands.

Mitten in Berlin blickt Ralph Erdenberger auf die bisherige Tour zurück. Auf die Gespräche mit Wähler:innen, überzeugten Demokrat:innen, Wissenschaftler:innen, Wahl-Organisator:innen und Protestierenden. Und er hat gelernt: Nichtwähler:innen bleiben lieber im Verborgenen.

Im "Café Einstein" hat sich Ralph Erdenberger mit Auslandskorrespondent:innen verabredet. Frederik Pleitgen (CNN, links), Tatiana Firsova (Interfax, rechts) und Ewald König (Berliner Korrespondentenbüro, 2. von links) schildern, wie sie den Wahlkampf wahrgenommen haben und welchen/welche Wahlsieger:in man den USA, Russland und Österreich bevorzugen würde.

Zwei Tage vor der Wahl macht die Demokratie-Tour in Templin Halt. Hier in der Uckermark hat Angela Merkel ihre Kindheit und Jugend verbracht. Erst letzte Woche sei sie hier gewesen, erfährt Ralph Erdenberger auf dem Marktplatz.

Und wie erleben die Templiner:innen die Kanzlerin? Sie sei wie für die Gegend typisch, erzählt Bürgermeister Detlef Tabbert (Die Linke), zurückhaltend und abwartend.

In diesem Haus hat Angela Merkel mit ihren Eltern gelebt, unter einem Dach mit Behinderten. Das Miteinander mit unterschiedlichen Menschen habe sie sehr geprägt, erzählt Merkel-Biografin Ursula Weidenfeld.

Während viele ältere Templiner:innen die sachliche Politik der Kanzlerin loben, sind andere weniger zufrieden mit Merkel. Auch in Templin hat "Fridays for Future" einen Demonstrationszug organisiert.

"Wir gehen für unsere Zukunft auf die Straße", erklärt Ella Schmidt Reporter Ralph Erdenberger. Sie hofft, dass nach der Merkel-Ära der Klimaschutz mehr Beachtung findet.

Drei Tage vor der Wahl will Ralph Erdenberger diejenigen treffen, die am Sonntag ihre Stimme nicht abgeben werden. Das waren bei der letzten Bundestagswahl immerhin 14 Millionen Bürger:innen.

An der Dortmunder Reinoldikirche hat WDR 5 eine "Nichtwähler-Kabine" aufgebaut. In diesem Wahlbezirk haben nur weniger als die Hälfte der Wahlberechtigten bei der Kommunalwahl im Vorjahr ihr Kreuz gemacht.

Die "Nichtwähler" sind an diesem Vormittag allerdings zurückhaltend. Keine Überraschung für Martin Althoff. Der Politikwissenschaftler forscht über Nichtwähler und weiß: "Menschen geben nicht zu, dass sie nicht wählen wollen." Ein Grund: Nichtwählen sei auch mit Scham behaftet, es gebe noch eine gefühlte Wahlpflicht.

Allerdings sei es auch schwierig von "dem Nichtwähler" zu sprechen. "Den gibt es so gar nicht", sagt Althoff. Das sei eine heterogene Gruppen mit einem "Riesen-Sammelsurium an Faktoren". Tendenziell aber zeige die Forschung: Je besser die Bildung, desto wahrscheinlicher ist es, dass diese Person wählen geht.

Und was passiert, wenn ich nicht zur Wahl gehe? "Davon profitieren unter Umständen die populistischen Randparteien", erklärt Althoff, "weil man den großen Volksparteien dann seine Stimme eben nicht gibt."

Wenige Tage vor der Bundestagswahl zeichnet sich ein Rekordanteil an Briefwähler:innen ab: Auch in Bochum ist der Andrang groß, von rund 270.000 Wahlberechtigten haben bereits 100.000 ihre Zettel abgegeben. Vier Tage vor dem Wahlsonntag berichtet Ralph Erdenberger live aus dem Bochumer Briefwahlzentrum, in dem man Briefwahlunterlagen ausgehändigt bekommt und diese auch direkt abgeben kann.

Hier sorgen die Hygienemaßnahmen sowie die vielen Briefwähler:innen für einen erhöhten Organisationaufwand, erzählt Daniel Peters, Leiter des Bochumer Wahlbüros. So musste in diesem Jahr ein größeres Gebäude bezogen und mehr Hilfskräfte engagiert werden.

Reporter Ralph Erdenberger erfährt viele Gründe für die vorgezogenen Stimmabgaben: die Pandemie, die Angst vor langen Wartezeiten am regulären Wahltag, die Hoffnung auf mehr Ruhe und das Heimspiel des VfL Bochum am Sonntag, das die volle Aufmerksamkeit von einigen benötigt...

Im Bochumer Briefwahlzentrum bekommen an diesem Vormittag Bürger:innen nicht nur ihre Wahlunterlagen, samt Klebestift zum Schließen der Umschläge...

... sie können auch hinter den Kabinen direkt ihr Kreuz machen und die Zettel abgeben.

Ralph Erdenberger darf bei seinem Besuch den geheimsten Ort des Briefwahlzentrums betreten: In 96 blauen Wahlurnen werden hier die abgegebenen Briefstimmen nach den Wahlbezirken sortiert aufbewahrt – bevor diese am Sonntag zentral ausgezählt werden.

Fünf Tage vor der Wahl berichtet Reporter Ralph Erdenberger live aus dem NRW-Landtag in Düsseldorf: Wie nah kommt man eigentlich den Amtsträger:innen als Bürger:in?

In der Bürgerhalle wartet Dr. Sigurd van Riesen aus Hennef darauf, seine Petition für einen sicheren Rad- und Gehweg an seinem Heimatort einzureichen. Dieser werde schon seit 25 Jahren gefordert, sagt er. "Der politische Wille ist da", sagt Serdar Yüksel, Vorsitzender des Petitions-Ausschusses und Mitglied des Landtags (SPD). Die Petition könnte nun der Startschuss zur Umsetzung sein.

"Sie können den Amtsträgern sehr nah kommen, wenn Sie möchten", sagt Landtagspräsident André Kuper (CDU). Zum Beispiel in der Bürgersprechstunde. Er führt Ralph Erdenberger durch den Plenarsaal des Landtags und zeigt ihm die Glocke, die die Queen persönlich vor dreißig Jahren als Geschenk überreicht hat.

"Bonn ist ein wichtiger Erinnerungsort für unsere Demokratie", sagt Historiker Dietmar Preißler, Sammlungsdirektor der Stiftung Haus der Geschichte. Er spricht mit Ralph Erdenberger sechs Tage vor der Wahl über die Entstehung des Grundgesetzes und die Bedeutung von Erinnerungskultur. 2004 hat er in Bonn den historischen "Weg der Demokratie" entwickelt.

Eine Station vom "Weg der Demokratie" ist das Museum König in Bonn – dort traf sich am 1. September 1948 im Lichthof des Naturkundemuseums der Parlamentarische Rat. Abgeordnete aus den Bundesländern verkündeten dort feierlich, dass sie nun ein Grundgesetz erarbeiten werden. Das Gesetz, das am 23. Mai 1949 offiziell in Kraft tritt, ist bis heute Grundlage der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland.

Konrad Adenauer besorgte sich hier die Tageszeitung, Herbert Wehner war Stammgast. Und Joschka Fischer kaufte dort seine Comics – das Bundesbüdchen ist Kult. Hier trafen sich die großen Damen und Herren der Bundespolitik, als sich Bonn noch Hauptstadt nennen durfte. Mittlerweile ist das Kiosk wieder in Betrieb – Jürgen Rausch hat den Wandel der Zeit miterlebt.

Stand: 24.09.2021, 15:42 Uhr