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DDR-Ausreise kurz vor dem Mauerfall

DDR-Ausreise kurz vor dem Mauerfall

Autorin Hanna Ender wächst 1979 mit ihrer Familie in West-Berlin auf, aber ein Großteil der Familie mütterlicherseits lebt in der DDR. Als kleines Kind besucht sie mehrmals im Jahr ihre Ost-Verwandtschaft. Schließlich entscheiden sich ihr Onkel Manni und seine Frau Rosi 1987 die DDR zu verlassen. Bis es so weit ist, dauert es noch zwei Jahre.

Großtante Helene "Leni" und Autorin Hanna Ender als achtmonatiges Baby im Arm von ihrer Mutter Regina, Juli 1980 in Niemegk, Sachsen-Anhalt, DDR

Großtante Helene, genannt Leni (links), und Autorin Hanna Ender als achtmonatiges Baby auf dem Arm ihrer Mutter Regina (rechts), Juli 1980 in Niemegk, Sachsen-Anhalt, DDR. Dort liegen die Wurzeln der Familie mütterlicherseits. Leni war die Schwester ihrer Oma. Niemegk liegt nur eine gute Autostunde von Berlin entfernt, sodass ihre Familie zwei- bis dreimal im Jahr nach "Drüben" gefahren ist, um den Ost-Teil der Familie zu besuchen.

Großtante Helene, genannt Leni (links), und Autorin Hanna Ender als achtmonatiges Baby auf dem Arm ihrer Mutter Regina (rechts), Juli 1980 in Niemegk, Sachsen-Anhalt, DDR. Dort liegen die Wurzeln der Familie mütterlicherseits. Leni war die Schwester ihrer Oma. Niemegk liegt nur eine gute Autostunde von Berlin entfernt, sodass ihre Familie zwei- bis dreimal im Jahr nach "Drüben" gefahren ist, um den Ost-Teil der Familie zu besuchen.

Im Juli 1980 zu Besuch bei Großtante Leni in Niemegk. Von links nach rechts: Roswith, genannt Rosi, Regina Ender mit ihrer Tochter, der Autorin Hanna Ender auf dem Arm, Manfred genannt Manni, und Großtante Leni (Im Hintergrund der Wartburg von Onkel Günther).

Rosi und Manni bei ihrer Hochzeit im September 1980. Die beiden waren Mitte 20 und wollten "was schaffen". Stattdessen mussten sie in der DDR auf alles warten: Zehn Jahre auf einen Bauplatz, 15 Jahre auf ein Auto oder Wohnwagen, und Schlange stehen für Lebensmittel oder Konsumgüter gehörten zum Alltag. Die Unzufriedenheit in der DDR führte dazu, dass sich die beiden 1987 entschieden, einen Ausreiseantrag zu stellen.

September 1983 in der Hollywoodschaukel von Tante Leni in Niemegk. Von rechts nach links: Autorin Hanna Ender lässt sich als Dreijährige die Zähne von Tante Leni zeigen. Daneben sitzt ihre Mutter Regina mit Rosi und Baby Karl im Arm, der gerade geboren wurde.

Manni und Regina, seine Cousine aus West-Berlin, im September 1983. Die beiden hatten einen guten Draht zueinander. Regina hat Manni immer West-Klamotten mitgebracht. Und hat später seinen Ausreise-Antrag nach West-Berlin geschmuggelt, wo sie ihn einer prominenten Ost-West-Anwältin übergeben hat.

Im Mai 1987 spielen Autorin Hanna Ender (6), ihr kleiner Bruder Jesse (3) und Cousin Karl (4) auf der roten Hollywood-Schaukel von Tante Leni in Sachsen-Anhalt.

Postkarte von Rosi und Manni an die Eltern der Autorin Hanna Ender vom August 1989. Darin teilen sie mit, dass die Ausreise aus der DDR schliesslich genehmigt worden ist. Innerhalb von vier Wochen mussten sie ihr gesamtes Hab und Gut verkaufen.

Text der Postkarte: "Hallo ihr vier, unser Wunsch ist in Erfüllung gegangen, den ersten Laufschein haben wir hinter uns, wir sind dabei, unsere Möbel zu verkaufen. Wenn wir das hinter uns haben, ist ein kleiner Urlaub angebracht unsere Nerven sind an der Grenze ...

... Wir rechnen, daß wir Mitte August in der BRD sind, von da aus melden wir uns wieder.

Tschüß Rosi, Manfred, Karl u. Anna"

"Visum zu einmaligen Ausreise nach der BRD" – mit diesem Visum konnte Manni die DDR verlassen.

Die Mutter von Hanna Ender hatte kurz vorher die Ausreise-Unterlagen in den Westen geschmuggelt und sie der West-Berliner Anwältin Barbara von Schulenburg übergeben. Sie war Beauftragte der Bundesregierung für die Ausreiseangelegenheiten von DDR-Bürgern und konnte auf das Innenministerium der DDR Druck ausüben, so dass Mannis Ausreise endlich nach zweijährigem Warten genehmigt wurde.

Bahnfahrkarten für die Ausreise in den Westen: Von Weißenfeld/DDR nach Gießen/BRD. Mit fünf Koffern besteigen Manni, Rosi, und die Kinder Anna und Karl den Zug in Richtung Bundesrepublik – zurück blieben Freunde, die am Bahnsteig weinten. Viele dachten, der Abschied sei für immer. Niemand konnte ahnen, dass in nur zwei Monaten die Mauer fallen würde.

Das erste offizielle Familienfoto im Westen: Rosi, Manni und ihre Kinder Anna und Karl im November 1989 in Cuxhaven. In demselben Monat fällt die Mauer. Aber Manni und Rosi haben nie den Schritt bereut, "rübergemacht" zu haben.

Stand: 05.11.2019, 19:12 Uhr