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Scala - Aktuelles aus der Kultur mit Claudia Dichter

Müllkippe in Nairobi - wo das Leben in Gärten blüht

Dandora ist der Name von Nairobis größter Müllkippe.Wie ein stinkender Ozean erstreckt sich die Halde über eine riesige Fläche. Die Menschen hier leben vom Müll. Einige von ihnen arbeiten daran, dass Dandora wieder lebenswert wird. Sie bauen Gärten für die Bewohner.

Eine Frau und ein Mann stehen auf einem Müllberg und schauen in die Kamera

WDR-Afrika-Korrespondentin Antje Diekhans mit Samuel Goko auf Dandora. Dandora ist Nairobis größte Müllkippe. Samuel Goko ist einer der Bosse auf der Müllhalde und der Begleitschutz für das WDR-Team.

WDR-Afrika-Korrespondentin Antje Diekhans mit Samuel Goko auf Dandora. Dandora ist Nairobis größte Müllkippe. Samuel Goko ist einer der Bosse auf der Müllhalde und der Begleitschutz für das WDR-Team.

Ein Laster mit Abfall aus Restaurants ist angekommen. Es sind Säcke voller Essensreste. Schnell bildet sich eine Traube von Menschen, die nach Verwertbarem suchen.

Für die Menschen hier ist es ein Ort, den sie lieber heute als morgen verlassen würden. Sie wühlen im Müll, um etwas zu finden, das sie zu Geld machen können.

In den siebziger Jahren war das Leben noch anders in Dandora. Damals entstanden hier viele Häuser, weil es im nah gelegenen Industriegebiet Arbeitsplätze gab. Geld der Weltbank floss in das Viertel, um neue Blocks hochzuziehen. Rund herum gab es statt Müll noch Natur. Charles Gachanga, von allen Carlos genannt, zog damals mit seinen Eltern nach Dandora.

Carlos arbeitet mit anderen daran, dass Dandora wieder lebenswert wird. Er pflanzt Blumen, wo früher Müll lag. Angefangen mit den Aktionen hat er vor einigen Jahren zusammen mit zwei Bekannten.

Nach seinem Modellgarten sind inzwischen ähnliche Projekte in Dandora und auch in anderen Slums entstanden. Für Carlos geht es darum, dass die Bewohner sich zuhause fühlen.

Auch die Kinder aus der Nachbarschaft fühlen sich im Garten sicher. Für sie gibt es sogar eine Schaukel und eine Rutsche.

Wo sich der Müll besonders hoch türmt, thronen Marabus auf den Hügeln. Für die großen alles fressenden Vögel ist Dandora ein Paradies.

Der 13-jährige Adroncus ist einer der Müllsammler. Er ist ein schmaler Junge mit wachem Blick. Zusammen mit seinen zwei Geschwistern lebt er bei seiner Großmutter im Armenviertel, das direkt hinter der Müllhalde beginnt.

Adroncus  besucht eine öffentliche Schule in der Nachbarschaft. Er hat gute Noten. Immer, wenn er nicht in der Schule ist, verdient er Geld auf der Müllhalde. Er sagt: "Ich weiß, dass ich es hier raus schaffen kann. Wenn ich mich genug anstrenge."

Manchmal klappt das wirklich. Ein Vorbild dafür ist der kenianische Sänger Juliani. In Dandora aufgewachsen, ist er jetzt ein Star. Er baut auf der Müllkippe eine Kreativwerkstatt für junge Talente auf.

Stand: 14.12.2021, 13:18 Uhr