Grüne Oasen auf dem Dach

Grüne Oasen auf dem Dach

In den Städten spürt man im Sommer die Hitze besonders, die Natur muss immer mehr der Wohnbebauung weichen. Was helfen kann: mehr begrünte Dächer. Gut fürs Klima, für die Erholung und schön anzusehen. Fakten über Dachgrün und Städte, die es vormachen.

Häuser mit Gras bedeckten Dächern stehen im "Ökologischen Dorf" in Düsseldorf-Unterbach

Begrünte Dächer sorgen für einen Abkühlungseffekt. Der Temperatur-Unterschied zu  herkömmlichen Stein- oder Betondächern ist enorm und kann bei bis zu zehn Grad liegen.

Begrünte Dächer sorgen für einen Abkühlungseffekt. Der Temperatur-Unterschied zu  herkömmlichen Stein- oder Betondächern ist enorm und kann bei bis zu zehn Grad liegen.

In den Großstädten, wie hier in Köln, heizt sich das Innere von Gebäuden besonders auf. Entsprechend viele Klimaanlagen sind in den Räumen angebracht. Ein Teufelskreis: Die Anlagen kühlen zwar drinnen die Räume, die Hitze entweicht aber über das Dach. Am Ende ist es also noch heißer. Hier leistet das Dachgrün Abhilfe.

Und in den Blumen, Büschen und Gräsern auf dem Dach finden Bienen, Vögel und andere Tierarten Nahrung und Unterschlupf.

Viele Vorteile – und doch sind Gründächer in den meisten Städten noch die Ausnahme. Die Kosten für die Investition sind ein Argument, dabei können Hausbesitzer langfristig mit grünen Dächern Geld sparen. Das Grün schützt die Dachhaut gegen Hitze und Kälte, das Material hält länger. Weil bepflanzte Dächer die Hitze abschirmen, reduzieren sie außerdem den Energieverbrauch erheblich.

Viele Städte wollen mehr Grün auf dem Dach fördern. Bis zur Hälfte der Kosten übernimmt eine Stadt, wenn der Antrag genehmigt wird. In Düsseldorf gibt es solch eine Förderung. In Essen sollen bei Neu- und Umbauten in der Innenstadt grüne Flachdächer sogar zur Pflicht werden. Das sieht der aktuelle Bebauungsplan vor. Damit ist die Stadt Vorreiter für Deutschland.

Allerdings eignet sich nicht jedes Dach für einen grünen Teppich. Die Statik spielt eine Rolle. Der Bau muss das zusätzliche Gewicht von Erde, Rasen und Blumen tragen. Experten müssen das vorher prüfen und raten bei älteren Häusern oft ab.

Neben Wohnhäusern und privaten Garagen würden sich auch große Hallen für eine Dachbegrünung eignen, etwa von Logistik-Unternehmen oder Paket-Verteilzentren – das ist allerdings immer noch selten. Diese Baumschule (Foto) in Hamburg macht es vorbildlich.

In Skandinavien und Island sind Häuser mit Gründächern ein vertrautes Bild und gehören zur Tradition: Grasflächen und Torfschichten dienen seit jeher als optimaler Wärmeschutz.

Eine Dachlandschaft zum Entspannen und Erholen und immer ein paar Grad kühler als in den umliegenden Straßen: Weltweit entstehen richtige Parks auf Hochhaus-Dächern, erschließen Restaurants, Bars, Museen ganze Dachflächen (im Bild ein ehemaliges Bürogebäude mit Dachgarten in Rotterdam) und geben den Menschen ein Stück weit eine Natur-Oase zurück.

Für den österreichischen Künstler Friedensreich Hundertwasser (1928-2000) waren Dachbegrünungen die Dachbedeckung der Zukunft - wie etwa die "Grüne Zitadelle" in Magdeburg (Foto) mit Wohnraum, Restaurant, Geschäften und einem Kindergarten.

Autor des Radiobeitrags ist Thomas Kalus

Stand: 26.07.2018, 13:41 Uhr