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Über den Anstand

Axel Hacke - SZ-Journalist

Über den Anstand

Axel Hacke, Kolumnist der Süddeutschen Zeitung, sorgt sich um den "Anstand in schwierigen Zeiten". Was bedeutet es zum Beispiel für jeden einzelnen, wenn im Wirtschaftsleben offensichtlich mit Erfolg betrogen wird?

Was bedeutet es, wenn Rücksichtslosigkeit und Niedertracht an die Macht drängen und dreist lügende Staatenlenker ohne jeglichen Anstand sich brutal durchsetzen? Wenn öffentlich ohne jede Scham selbst in sozialen Netzwerken mit dem sogenannten Shitstorm gegen alle Regeln des Anstandes verstoßen wird.

Anstand ist für Axel Hacke ein "schillerndes Wort und zugleich ein schwammiger Begriff". Die meisten verstehen unter Anstand das, was man landläufig als simple Benimmregeln, als gute Manieren bezeichnet. Das persönliche Empfinden, Rücksicht aufeinander zu nehmen: Im Bus aufstehen für ältere Menschen, den kranken Freund besuchen, sich nicht vordrängeln....

Axel Hacke geht es in erster Linie um den Verlust von Respekt und Höflichkeit, letztendlich um die grundlegenden "weichen Werte des Zusammenlebens", wie er es nennt. Seinen Gegenüber so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte, ist für den Autor eine Art "Prozess der Zivilisation": "Es geht, wenn wir vom Anstand reden, um die Essenz des Menschen, um das Zusammenleben als Einzelner mit anderen - und dieses Zusammenleben bedeutet nicht, gegen andere zu anzukämpfen, sondern etwas für sie zu tun." Damit die Menschen, die versuchen, ein anständiges Leben zu führen, nicht letztlich die Dummen sind.

Literatur:
Axel Hacke
Sein neues Buch: "Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen."
Kunstmann Verlag, München 2017

Redaktion: Ursula Daalmann / Mark vom Hofe

Über den Anstand - Axel Hacke

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit | 14.09.2017 | 29:14 Min.

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