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Auf der Couch – Möbel und Metapher

Auf der Couch – Möbel und Metapher

Von Claudia Friedrich

Die Couch ist Bürgertum und Boheme. Sie hat eine Geschichte, die vor Jahrtausenden begann. Und doch ist die Couch ein eher unterbelichtetes Möbel. Zu Unrecht, denn sie ist mehr als eine bloße Sitzgelegenheit - sie ist eine Metapher.

Die Rote Couch des Künstlers Horst Wackerbarth

Im Düsseldorfer Atelier von Horst Wackerbarth steht das legendäre Sitzmöbel. Seit November 1979 reist der Fotograf durch die Welt, bittet Menschen und Tiere auf die Couch.

Im Düsseldorfer Atelier von Horst Wackerbarth steht das legendäre Sitzmöbel. Seit November 1979 reist der Fotograf durch die Welt, bittet Menschen und Tiere auf die Couch.

Eine Besucherin und Mini, die Hündin der Cafébesitzerin im Neckartal, mussten nicht lange gebeten werden. Canapés im Café sind beliebte Komfortzonen.

Das Biedermeiersofa unter den Familien-Portraits war der Lieblingsplatz der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Es steht im Rüschhaus, das die Autorin der Judenbuche von 1826 bis 1846 bewohnte.

Wie einst die Dichterin nahe Gäste auf ihrem Canapé empfing, so wird auch 200 Jahre später auf dem Sofa zusammen gesessen ...

... und gegessen. In trauter Runde wird gespeist, ähnlich wie beim antiken Symposion, nur dass die Gäste im alten Griechenland zu Tische lagen, auf Ruhebetten, so genannten Klines.

Weder Klines noch Sofas landen auf dem Müll. Dafür sind Dachböden da, denn Couchlandschaften sind Seelenlandschaften.

Auf der Couch von Nathan Kravis schütten Patienten ihre Seele aus. Jahrzehnte verbrachte der Professor für Psychiatrie selbst auf dem Sofa. Neben der eigenen Psyche erforschte er das Wesen der Couch in der Kulturgeschichte.

Die Katzen machen es vor. Auf die Couch schmeißen, vielleicht gar beim Psychoanalytiker? Geht’s noch?! Ja, es geht. Das kann Wunder wirken, befreien, heilen.

Nichts tun, rauchen, dem Müßiggang fröhnen. Das Sofa bedient die Anarchie: Schluss mit der Selbstoptimierung. Antje S. weiß zu genießen, auf dem Sofa ihrer Freundin Barbara T.

Barbara T. ist Reisende und Sammlerin. Sie bricht auf, kommt an und landet auf der Couch, zwischen Erinnerung und neuem Aufbruch.

Auch das ist ein Aufbruch, die #Me too-Bewegung, die die Casting Couch ins Visier nimmt. Das Sofa steht für erzwungenen Sex, bei der Bewerbung um eine Rolle bei Theater oder Film.

Für den Fotografen Horst Wackerbarth ist die Rote Couch Fetisch, Thron, Bühne. Das Red Couch-Project ist ein Lebenswerk; besteht aus Fotos und Interviews auf dem Kunstsofa in vielen Ländern der Erde.

Stand: 06.12.2019, 12:10 Uhr