Golden, heiter, wärmend: Besuch bei alten Damen

Ausschnitt aus dem Buchcover "Altweiberwohnen"

Golden, heiter, wärmend: Besuch bei alten Damen

Junge Menschen haben vor dem Alter oft Angst, vor Krankheiten, dem Tod, vor dem Seniorenheim. Dabei muss der letzte Lebensabschnitt nicht trostlos sein. Wir haben über 80-Jährige getroffen, die fröhlich und gelassen in die Zukunft blicken.

"Übrig bleiben ist auch schön."
"Seit ich alt geworden bin, führe ich ein verrücktes Leben."
"Man muss nicht sterben, um ins Paradies zu kommen. Man kann das schon auf der Erde haben"
.

Worte von Frauen, alten Frauen, jenseits der 70 und damit eigentlich in einem Alter, in dem sie kaum mehr wahrgenommen werden, höchstens wenn es um Probleme geht. Probleme mit dem Wohnen, dem Leben, der Gesundheit. Alter, das ist für die meisten von uns ein Mangel, ein Verlust, etwas, das man fürchten muss. Dabei kann das Alter auch ganz anders ein und vor allem ganz anders gelebt und empfunden werden.

Wie, das haben die Architektin Ulrike Scherzer und die Fotografin Juliana Socher erkundet. Zwei Jahre sind sie durch Deutschland und Österreich gefahren und haben mit alten Frauen über ihr Leben und ihr Wohnen gesprochen. Herausgekommen ist ein bemerkenswertes Buch: Altweiberwohnen. Das klingt schon weniger grau, sondern eher golden und heiter und wärmend.

WDR5-Autorin Veronika Bock hat für Neugier genügt einige alte Damen besucht - und ihnen beeindruckt zugehört.

Selbstbewusst und gelassen

"Ich will selbst was schaffen." Selbstbewusst und gelassen sind die Frauen, die wir getroffen haben.

Käte Altenkrüger

Käte Altenkrüger (86) aus Meissen: "Bewegen ist das halbe Leben. Man muss beweglich sein und viel herumlaufen. Viele lassen sich gehen. Da sag ich: Aber Sie müssen doch auch mal unter die Leute. Ach, mir tut das Knie weh, sagen sie. Ach, sag ich, das tut mir auch manchmal weh. Sind viele selbst schuld."

Käte Altenkrüger (86) aus Meissen: "Bewegen ist das halbe Leben. Man muss beweglich sein und viel herumlaufen. Viele lassen sich gehen. Da sag ich: Aber Sie müssen doch auch mal unter die Leute. Ach, mir tut das Knie weh, sagen sie. Ach, sag ich, das tut mir auch manchmal weh. Sind viele selbst schuld."

Brigitte Stender (85) aus Hannover: "Ich kann natürlich auch zu meinen Kindern gehen, da haben die gar nichts dagegen, aber das mach ich nicht. Ich will mich überhaupt nicht auf jemanden beziehen, ich will selbst was schaffen."

Margret Löcher (82) aus Essen:  "Ich verstehe mich mit meiner Tochter wirklich gut, wir sind auch mehr als Mutter und Tochter, wir sind Freundinnen, kann man sagen. Wir ergänzen uns auch, jede macht das, was sie am besten kann. Aber ich bin auch froh, dass ich mein Reich hier für mich hab. Ich würde mich sonst eingeengt fühlen."

Renate Vorpahl (89) aus Hamburg: "Wunderbar ist diese Gelassenheit, die viele haben. Gelassenheit, auch dem Tod gegenüber, der dann irgendwo, wenn man so überaltert ist, wie ich, seinen Schrecken verliert. Das ist wirklich merkwürdig, ich lache und rede erstaunt über mein Greisenalter und fürchte mich eigentlich gar nicht mehr."

Literaturtipp:
Ulrike Scherzer/Juliana Socher: Altweiberwohnen. Gespräche und Fotografien über das Wohnen im Alter, Residenzverlag, 152 Seiten, 29,90 Euro

Autorin: Veronika Bock
Redaktion: Ursula Daalmann

Golden, heiter, wärmend: Besuch bei alten Damen

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 02.05.2017 | 22:58 Min.

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Stand: 28.04.2017, 10:15