Alte Eltern, hilfsbedürftig und weit weg

Rollstuhlfahrer

Alte Eltern, hilfsbedürftig und weit weg

Alle, die schon ein bisschen älter sind, kennen das: Die Eltern wohnen weg oder sogar weit weg und brauchen von jetzt an Hilfe, sind schwer krank, beziehungsweise liegen im Sterben. Was löst das aus?

Erst fährt man einmal im Monat hin, hilft oder versucht, Hilfe zu organisieren. Führt heftige Kämpfe, wenn Hilfe von außen nicht angenommen wird. Nein, jemand Fremdes kommt mir nicht ins Haus. Führt stille Kämpfe, wenn ausgesprochen oder unausgesprochen ein Druck entsteht, ganz zurück nach Hause zu kommen. Dann fährt man zweimal, dann jedes Wochenende und dann reicht auch das nicht mehr. Wenn es darum geht, die Eltern im Sterben zu begleiten. Weniger hochtrabend ausgedrückt, um bei ihnen zu sein. Das rührt in den erwachsenen Kindern viel auf, bewegt und verändert. Egal, ob es eine enge und gute Beziehung zum Vater oder zur Mutter war oder eine lose oder gar schlechte.

Da geht es um Schuldgefühle und Überforderung, um alte Geschichten, die wieder aufbrechen und um den Rollentausch: Das Kind ist es jetzt, das sich um Mutter oder Vater kümmern muss und wissen und sagen muss, wie die Probleme gelöst werden sollen. Und es geht darum, das der Mensch, der einen großgezogen, die eigene Kindheit und Jugend geprägt und vielleicht auch später noch eine wichtige Rolle gespielt hat, von dem man sich abnabeln musste, der aber nie ganz verschwunden ist, dass dieser Mensch nun zunehmend hilflos wird und schließlich verschwindet. Um die widersprüchlichen Gefühle, die das auslöst. Bei den Eltern und bei den erwachsenen Kindern.

Autorin: Ingrid Strobl
Redaktion: Ursula Daalmann

Alte Eltern, hilfsbedürftig und weit weg

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 05.01.2018 | 20:20 Min.

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