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Willkommen bei den Friedlaenders

Adrienne Friedlaender

Willkommen bei den Friedlaenders

Als Adrienne Friedlaender im Herbst 2015 das Elend der Flüchtlinge mitbekam, fuhr sie - angestiftet von ihren Söhnen und ihrer Freundin Marion, die selbst einen jungen Mann aufnahm - zur einer Erstaufnahmeeinrichtung.

Statt sich, wie geplant, länger zu unterhalten und abzuwägen, ob man wohl zueinander passen könnte, nehmen die alleinerziehende Mutter und ihre beiden jüngeren Söhne den 21-jährigen Moaaz, dem bei der anfänglichen Bewirtung mit Tee vor Aufregung die Hände zittern, direkt mit nach Hause. Große Formalitäten sind in diesen ersten chaotischen Flüchtlingskrise-Zeiten nicht nötig.

Moaaz, das wird sie aber alles erst nach und nach erfahren, denn der junge Mann erzählt nicht gern über seine traumatischen Erlebnisse – ist in einer Kleinstadt nordwestlich von Damaskus geboren. Er ist das jüngste von sechs Kindern, hat zwei Brüder und drei Schwestern, seine Mutter ist Schneiderin und sein Vater Landwirt. Eine Bombe, die ihn und seinen Bruder leicht verletzt, zerstört 2012 sein Elternhaus. Über Bloudan, wo heute noch seine Mutter und seine Schwestern leben, flieht er nach Damaskus und beginnt Betriebswirtschaft zu studieren. Als das syrische Militär ihn einziehen will, flieht er in die Türkei, von wo es in einem völlig überladenen Schlauchboot weiter zur griechischen Insel Farmakonisi geht. Unterwegs kentert das Boot, viele Mitinsassen ertrinken, Moaaz überlebt. Er setzt seinen Weg über Thessaloniki, Belgrad, Budapest, Wien, Salzburg und München fort und kommt fünf Monate nach Beginn seiner Flucht in Hamburg an. Dort wird er mit anderen Flüchtlingen in einem Zehn-Personen-Zelt der Flüchtlingsunterkunft untergebracht.

Ein paar Wochen später kommen dann die Friedlaenders, und Moaaz hat nun auch in Deutschland eine Familie – neben der in Syrien bzw. an anderen Fluchtorten, mit der er täglich über Handy oder Computer kommuniziert.

"Es war einer der schönsten Tage in meinem Leben, ich wurde neu geboren", erinnert sich Moaaz an den Tag, an dem er in Johanns Zimmer einzog, das der Achtjährige bereitwillig für ihn räumte. Endlich ist er richtig in Deutschland angekommen. Aber ganz einfach ist das Zusammenleben nicht.

Willkommen bei den Friedlaenders - Adrienne Friedlaender

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit | 15.09.2017 | 29:09 Min.

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Redaktion: Gundi Große