Eine große Nachtmusik

Jonathan Jeremiah

Eine große Nachtmusik

Von Elise Schirrmacher

Zwei tolle Gesangsstimmen schallen uns von zwei neuen Alben entgegen und beweisen, dass Funk und Soul nicht unbedingt aus Amerika kommen müssen – Nachtmenschen gibt es schließlich überall: Night Time People, die das Leben und die Musik feiern.

"Night Time People" heißt das achte Album der neunköpfigen Soul-Funk-Kombo "The Bamboos" um Songwriter und Gitarrist Lance Ferguson und Sängerin Kylie Auldist. Und der Titelsong tut die spalterische Wahrheit kund: "Night time people / Get ready to play / (…)  Daytime people / Are fading to grey".

Album: Night Time People

The Bamboos - Night Time People

Seit fünfzehn Jahren touren "The Bamboos" von Australien aus durch die Welt und bezaubern uns mit ihrem Live-Charme. Besonderen Berühmtheitsanschub brachte 2016 der Remix ihres Songs "This Girl" – ein Hit, der sich allein in den deutschen Single-Charts ganze 38 Wochen hielt und weltweit fast zweieinhalb Millionen Mal verkauft wurde. Das war der Beweis, dass die Menschen Popmusik mit Seele mögen. Deshalb besannen sich "The Bamboos" jetzt auch wieder ganz bewusst auf ihre Roots, die Stax- und Motown-Ära der 70er Jahre. Sie vertrauen auf "Night Time People" voll und ganz der souligen Stimme von Kylie Auldist: Von tiefem Sprechgesang bis zu Prince-ähnlicher Kopfstimme singt sie alle Lieder bis auf ein Instrumental und den letzten Titel "Broken". Dort fädelt sich nur ihr Refrain ein, während in den Strophen drei verschiedene Rapper mit dem Männlichkeitswahn hadern, darunter auch der Berliner "Teesy". Insgesamt verknüpft das Album kompromisslose Funk-Arrangements (Gitarrenriffs, Bläsersätze, Bass-Betonung) mit einer poppigen Charme-Offensive.

Album: Good Day

Jonathan Jeremiah - Good Day

Ebenfalls die Siebziger Jahre und auch die Nacht liebt Jonathan Jeremiah, ein in den 80er Jahren groß gewordener irisch-indischer Londoner mit US-Auslandserfahrung. Seine Songs entstehen zwischen Mitternacht und drei Uhr morgens, wenn alles (bis auf die Bamboos-Gemeinde) im Tiefschlaf versunken ist. Drei Jahre lang hat er sich mit seiner samtenen Bariton-Stimme in Klausur begeben und weitgehend auf soziale Netzwerke verzichtet, um die Musik aus sich herauszulocken, die wir auf "Good Day" hören. Sein viertes Album ist voller "London-Soul" und mit Liebe produziert, anders kann man so einen Aufwand nicht nennen. An die fünfzig Personen haben mitgewirkt, darunter ein Streichorchester und zwei Bässe. Serge Gainsbourg und Scott Walker standen Pate. Im Musikbonus verrät uns Jeremiah, warum er Leute hasst, die sagen "das schaffst du nicht".

Gespielte Titel

  • The Bamboos - San Junipero
  • Jonathan Jeremiah - The Stars Are Out
  • Jonathan Jeremiah - Good Day
  • Jonathan Jeremiah - Mountain
  • Jonathan Jeremiah - Deadweight
  • Jonathan Jeremiah - Foot Track Magic
  • Jonathan Jeremiah - Shimmerlove
  • Jonathan Jeremiah - Yes In A Heartbeat
  • The Bamboos - Lit Up
  • The Bamboos - Pony Up
  • The Bamboos - Night Time People
  • The Bamboos - Broken feat. Teesy
  • The Bamboos - Broken feat. J-Live