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Legendäre Tonstudios in NRW - Vom Dorf in die internationalen Charts

Das CAN-Studio, umgezogen in das RocknPop-Museum Gronau

Legendäre Tonstudios in NRW - Vom Dorf in die internationalen Charts

Von Volker Hein

Michael Jackson, David Bowie, Tina Turner, Eric Burdon, die Eurythmics. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie kamen ins Rheinland, um ihrer Musik eine besondere Note zu verleihen. Ihre Ziele waren unscheinbare Studios in unscheinbare Orten, mit Namen wie Wolperath, Stommeln oder Weilerswist.

Aus rechtlichen Gründen steht das Audio der Sendung nur sieben Tage online zum Nachhören bereit.

Dort gab es zu dieser Zeit gleich mehrere Studios mit kreativen Köpfen an den Knöpfen. Conny Plank, Dieter Diercks und René Tinner aus dem Can Studio hatten die Gabe, aus Musik, Tönen und Geräuschen Klangerlebnisse zu machen. Mit ihrer Handschrift waren sie für die Musik manchmal genauso wichtig, wie die Musiker selbst. Aber es war ein langer Weg dahin, nicht nur für Deutschland, das bis Ende der 60er eine studiotechnische Einöde war.

Parkhaus-Studio, Köln 2015

Schweizer Musikproduzent René Tinner

Auch in den USA und Großbritannien waren Studios bis dahin eher lieblose Aufnahmestätten, als Kreativ-Schmieden. Der US-Musiker Duane Eddy etwa wollte für den Titel "Peter Gun" einen fetten Hall haben. Und weil es bis dahin noch keine echten Hallgeräte gab, wurde der Song kurzerhand in einem riesigen Getreidespeicher aufgenommen.
In Deutschland gab es nicht einmal das. Dabei waren Effekte für die Art von Musik, die Ende der 60er in Deutschland entstand, enorm wichtig. Also machte die "Not" erfinderisch. Für einen guten Hall stattete Dieter Dierks beispielsweise eine 17 Meter lange Röhre mit Mikro und Verstärker aus. Für einen Flanger-Effekt drückte Harald Großkopf den Daumen auf das Tonband und schaffte so den charakteristischen "Leier-Sound", den man in den USA schon kaufen konnte.

Erst in den 70ern wandelte sich das Studio zu einem Ort, an dem Musik in einem kreativen Prozess entstehen konnte. Studiobetreiber, wie Conny Plank oder Dieter Dierks waren selber Musiker. Sie konnten sich in die Bands hineindenken und ihnen beim Entstehen ihrer Musik zur Seite stehen. Ein weiterer Pluspunkt war die ländliche Ruhe und Abgeschiedenheit, in der die Bands ihre Musik entwickeln konnten.

Der Sound hatte währenddessen einen immer größeren Einfluss auf den Erfolg eines Albums bekommen. Die Studios überboten sich in einem technischen Wettstreit. Denn auch die Hörer in den 70er und 80er Jahren hatten deutlich bessere Abspielgeräte zur Verfügung, als noch in den 60ern. Also musste die produzierte Musik angepasst werden. Mit Stereo, Quadrophonie oder Kunstkopftechnik waren die Studios von Dieter Dierks, Conny Plank und René Tinner bis in die späten 80 Jahre hinein State Of The Art.

Gespielte Titel

  • Édouard-Léon Scott de Martinville - Au Clair de la Lune
  • Duane Eddy - Peter Gun
  • Dick Dale - Misirlou
  • The Beatles - I feel fine
  • The Beatles - I want to hold your hand
  • The Beatles - The long and winding road
  • The Beatles - Let it be
  • Wallenstein - Relics of past
  • Tina Turner - Baby, Baby, Get It On
  • Scorpions - Still lovin' you
  • Michael Jackson - Ghosts
  • Eurythmics - Never Gonna Cry Again
  • Freur - Doot Doot
  • Ultravox - Rage in Eden
  • Lou Reed - Citylights
  • Kraftwerk - Heimcomputer
  • Giorgio Moroder und Donna Summer - I feel love
  • Spliff - We are producers
  • Melanie - What have they done to my song, Ma

Stand: 05.06.2020, 12:15