Die Favoriten auf WDR 5

Musik für laue Nächte und sonnige Tage - unsere Favoriten im Juni

Stand: 19.05.2022, 13:02 Uhr

Von alten Bekannten bis Newcomern, von Indie-Beats über Mundharmonika-Soli - Im Juni begleiten uns Favoriten, die Hoffnung schenken, Autofahrten versüßen und, auch wenn wir es selbst nicht können, zumindest unsere Ohren an wohlige Orte reisen lassen.

Von Kathrin Herr, Kirsten Kynast

Musik für laue Nächte und sonnige Tage - Favoriten im Juni

WDR 5 Musikbonus 04.06.2022 56:54 Min. Verfügbar bis 04.06.2023 WDR 5 Von Herr/ Ilgner


Calexico - Harness the Wind

Calexico

Calexico – eine Band, die es schon seit 1996 gibt und die sich nach dem Grenzgebiet zwischen den USA und Mexiko benannt haben. Calexico ist nämlich ein Kofferwort aus Kalifornien und Mexiko. Und das, obwohl die Band eigentlich aus dem Bundesstaat Arizona stammt. Dort, in der Metropole Tucson, entstand ihr insgesamt zehntes Studioalbum "El Mirador", quasi komplett im Heimstudio. Anfang April diesen Jahres kam das raus und wird einmal mehr dem Anspruch der Band gerecht, nur mit akustischen Instrumenten zu arbeiten und die einzelnen Musikstile ihrer Heimat zu verarbeiten. Folk und Rock sind hier genauso zu finden wie Cumbia und Mariachi-Sounds.

Lady Wray - Under The Sun

Lady Wray

In den 90ern feierte Lady Wray – damals noch Nicole Wray – einst wilde Partys mit keiner anderen als der Hip-Hop Legende Missy Elliott. In deren Backgroundchor sang sie nämlich, bevor sie ihre Solo-Karriere startete. Seither hat sie mit vielen Hip-Hop Größen zusammengearbeitet und auch selbst einige Alben veröffentlicht – wie zuletzt "Piece of me", das diesen April erschienen ist. Inzwischen hat sich Lady Wray aber komplett vom Hip-Hop wegbewegt und fühlt sich als Soul-Diva anscheinend pudelwohl – zumindest lässt ihre Musik darauf schließen.

Metronomy - Right on Time

Metronomy

So langsam geht der ganz normale Alltag für Musikerinnen und Musiker ja endlich wieder los: möglichst viele Konzerte spielen, ständig unterwegs sein und dazwischen noch mindestens ein neues Album aufnehmen! Für Songwriter Joe Mount hatte die Corona-Zwangspause deswegen auch etwas sehr positiv Entschleunigendes, wodurch er intensiv am neuen Album "Small World" arbeiten konnte. Und Joe Mount kennt die Musikbranche ganz genau – bereits Ende der 90er, damals im zarten von Alter von 16 Jahren, gründete er seine Band Metronomy. Inzwischen haben sie ihr insgesamt achtes Studioalbum raus und haben im Sommer einige Shows – auch hier in Deutschland – angekündigt. Und wer weiß, eventuell freut sich Joe Mount ja auch ein bisschen, sein altes Leben zurückzubekommen.

Birdee - Monday Throwaway

Birdee

Anders als bei der britischen Sängerin handelt es sich bei der australischen Birdee nicht um ein Pseudonym, sondern um ihren richtigen Namen. Die spannende Newcomerin hat chinesische, griechische, russische und australische Wurzeln, die, laut eigener Aussage, allesamt in ihr kreatives Schaffen miteinfließen. Ihr Song "Monday Throwaway" ist  sozusagen die Antwort auf die Frage, was man sich eigentlich unter dem Genrenamen "Bedroom Pop" vorstellen muss. Der Name deutet es schon an: Pop-Musik, produziert direkt aus dem Schlafzimmer. Ein Genre, das über den Corona-Lockdown verständlicherweise nochmal ein bisschen populärer wurde.

Jack and the Weatherman - One of Us

Jack and the Weatherman

Jack and the Weatherman sind zurück! Das Duo aus Haarlem in den Niederlanden hat diesen Januar seine neue Single "One of us" veröffentlicht. Die beiden Schulfreunde haben eine klare Mission: ihre sonnigen Popsongs in die Welt zu senden! Die Musik der beiden ist eine Mischung aus Pop, Reggae, Folk und ein bisschen Hip-Hop, gepaart mit positiven Texten. So feiern sie sozusagen die positiven Aspekte des Lebens mithilfe ihrer Musik. Hinter Jack and the Weatherman verbergen sich übrigens die beiden Musiker Berry Krikken und Sebastian Weerman. Krik ist nämlich die niederländische Form von Jack und Weerman bedeutet übersetzt so viel wie "Weatherman".

Greyhounds - Late Night Slice

"Das Universum hat uns vermutlich zusammengeführt" – sagt Bandmitgründer Andrew Trube in einem Interview mit PopMatters Magazin und meint damit, wie er seinen Bandkollegen Anthony Farrell kennen gelernt hat. Musikalisch scheint es bei den beiden aber, trotz unterschiedlichster Hintergründe, scheinbar auf Anhieb gefunkt zu haben. Im wahrsten Sinne des Wortes, da sie sich beide unter anderem dem Funk verschrieben haben. Inzwischen ist die Band aber um einen Bassisten reicher und gänzlich in Texas ansässig. Neben Funk findet man aber auch noch eine gute Portion R’n’B und mindestens genauso viel Blues in ihren Songs wieder, genauso wie Texte, mit oftmals ernster Thematik. Dass es aber auch unbeschwert und leichtfüßig zugehen kann, zeigt unser Song "Late night slice".

Greyhounds

Rex Orange County - KEEP IT UP

Im echten Leben heißt Rex Orange County eigentlich Alex James O’Connor – sein Künstlername entstand zum Teil in Anlehnung an den Spitznamen, den ihm sein Nachname O’Connor eingebracht hat – einer seiner Lehrer nannte Alex nämlich gerne "The OC", in Anspielung auf seinen Nachnamen. Inzwischen hat Rex Orange County schon sein zweites Album "Who cares?" veröffentlicht und wir haben uns daraus direkt die Single "Keep it up" für unsere Favoriten abgegriffen. Der Song handelt von Selbstzweifeln, Stress und Negativität – und das trotz upbeatigem Popsound und Streichern, die direkt von Pachelbel stammen könnten. Am Song, sowie am ganzen Album, hat übrigens kein anderer als der niederländische Künstler Benny Sings mitgearbeitet, was man nicht nur direkt raus hört, sondern auch im Video zum Song sehen kann – dort hat Benny nämlich einen Gastauftritt.

Rex Orange County

Milky Chance - Synchronize

Milky Chance

Clemens Rehbein und Philipp Dausch, wer hat noch nicht vom Duo "Milky Chance" gehört? Gebürtig kommen die beiden Künstler aus Kassel, mittlerweile leben sie in der Metropole Berlin. Den Auftakt ihrer Musikkarriere schaffte die Gruppe 2013 mit dem Erfolgsstück "Stolen Dance". Unser ausgewählter Favorit "Synchronize" klingt frisch und dennoch könnte er auch in den 60er-Jahren geschrieben worden sein. Eingängige Gitarrenpassagen und Synthesizer schaffen einen Song, der vorwärts geht. "Synchronize" ist zeitlos und erinnert uns an die Anfänge des Duos. Damals wie heute – Milky Chance finden stets die perfekte Balance zwischen unvergesslichen Melodien und einer Extraportion Leichtigkeit.

Pete Doherty - Keeping Me On File

Peter Doherty, Frédéric Lo

2022 scheint das Jahr der großen Comebacks zu sein, zumindest wenn es um Brite Peter ("Pete") Doherty geht. Während Doherty in den letzten Jahren durch negative Schlagzeilen international immer bekannter wurde, können wir nun nur Positives berichten: Sein neues Album "The Fantasy Life of Poetry & Crime" mit dem französischen Musiker Frédéric Lo ist eine erfreuliche Überraschung. Es ist ein Genremix aus Indie-Pop, ein wenig Klassik und hat hier und da Chansoneinschläge. Letzteres ist sicherlich auch durch die Aufnahmen in der Normandie und Paris zustande gekommen. Die Texte kreierte Doherty, die Arrangements stammen zum Großteil von Frédéric Lo. Unser ausgewählter Favorit "Keeping me on file" ist eine fröhliche Nummer der Platte. Während er "I hope you're keeping me on file" singt, können wir ihm seine Ängste nehmen – mit dieser Nummer werden wir Pete Doherty nicht vergessen, denn die geht ins Ohr und bleibt im Kopf!

Andrew Bird - Atomized

Andrew Bird

Die großartige Musikgeschichte von Andrew Bird zu erzählen, würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Wir verraten Ihnen aber doch ein wenig über das US-Ausnahmetalent. Er entführt uns stets in seine üppige und vielseitige Musikwelt: Zu seinem Markenzeichen zählt neben seiner markanten Stimme sein fröhliches Pfeifen und das Zupfen seiner Violine. Aber auch inhaltlich lässt Bird nicht locker: In "Atomized" grübelt er über die Illusion des amerikanischen Traums. Inspiriert wurde der Multiinstrumentalist durch Autorin Joan Didion und deren Essaysammlung "Slouching Towards Bethlehem" aus 1968. Auch darin geht es um die Zersplitterung der Gesellschaft. Bird singt darüber so:

“They'll demagnetize your poles / And you know they're going to try to delete you / So now you're atomized / Unwhole”.

Ernsthafte Themen werden von Andrew Bird perfekt in Szene gesetzt. Er formt angenehme und fröhliche Klänge, die seinen Songs einen Wohlfühlcharakter geben. "Atomized" ist aus der neuen Single "Underlands".

Rekk - Moon & Sun

REKK

Das Quintett Rekk aus Dortmund begeisterte mit ihrem Debüt vor sechs Jahren seine Fans mit Folkmusik. Nun ist Rekk ein Zusammenschluss um Frontsänger Matti Kaiser aus Hamburg. Das neue Album "Well the Story is" wurde in unterschiedlichen Wohnungen, Studios und Schlafzimmern aufgenommen. Alle Lieder von Rekk haben eines gemeinsam: es sind Stücke, die sich einerseits nach Singer-Songwriter*innen-Musik anhören und sich andererseits zwischen Jazz und Klassik bewegen. Es sind melancholische Songs, die uns beim Mithören in den Bann ziehen. Genauso ist es auch mit unserem ausgewählten Favoriten "Moon & Sun". Die Streichpassagen wirken anmutig und lassen uns das Stück von vorne bis hinten genießen. Dann noch ein Piano, dass uns mit Blues umgarnt und schon sind wir eingetaucht in die wunderschöne Welt mit Rekk. Rekk schafft es, auf den Punkt zu verzaubern. Merci!

Bayuk - 200 Miles

Bayuk

Schon der Titel seines aktuellen Albums "Exactly The Amount Of Steps From My Bed To Your Door" lässt erahnen, dass Bayuk keine 0815-Musik produziert. Bayuk heißt eigentlich Magnus Hesse, ist 29 Jahre alt und lebt in seiner Wahlheimatstadt Berlin. Während sein Debütalbum aus 2018 ("Rage Tapes") oft als avantgardistisch gelobt wurde, wird seine neue Platte ruhiger. Folk-Pop trifft hier auf Indie. Das Ergebnis sind eingängige, teils akustische Stücke mit Ohrwurmgarantie. Genauso verhält es sich auch mit unserem ausgewählten Favoriten "200 Miles". Es ist ein Sommersong und ist der perfekte Soundtrack für den nächsten Roadtrip.