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Die singende Menschenrechtlerin Joan Baez wird 75 Jahre alt

Joan Baez

Zwischen Baumhaus und Weltbühne

Die singende Menschenrechtlerin Joan Baez wird 75 Jahre alt

Von Elise Schirrmacher

Sie litt jahrzehntelang unter Lampenfieber-Attacken, und dennoch veränderte sie mit ihrem vibrierenden Sopran die Welt. Ihre Konzerte waren vielen Regierungen ein Dorn im Auge.

Die singende Menschenrechtlerin Joan Baez wird 75 Jahre alt

WDR 5 Musikbonus 28.07.2019 57:22 Min. Verfügbar bis 27.07.2020 WDR 5

In der Tschechoslowakai brachte Joan Baez 1989 das Fass zum Überlaufen: Václav Havel bezeichnet Joan Baez als entscheidenden Tropfen auf die samtene Revolution. Sie hatte den Dissidenten, als Roadie getarnt, mit ihrer Crew in die Konzerthalle von Bratislava geschmuggelt. Als sie ihn während der TV-Live-Übertragung in auswendig gelerntem Tschechisch begrüßte, wurde ihr der Strom abgedreht. Joan Baez sang einfach unplugged weiter. Zwei Monate später stürzte das Regime.

Das ist nur eine der vielen politischen Räuberpistolen, die die "Folk of Queen" ihrer kleinen Enkelin im kalifornischen Baumhaus erzählen kann. Inzwischen hat sich ihr Sopran in einen Alt verwandelt, und die Gitarre zupfen andere. Öffentlich singen tut sie aber immer noch, auch wenn ihr letztes Album "The Day After Tomorrow" schon acht Jahre alt ist. Anlässlich der Amnesty-International-Auszeichnung "Botschafterin des Gewissens" im Mai 2015 sagte sie: "Mein nächstes Album soll mindestens so gut sein wie das beste, das ich je gemacht habe. Weil ich denke, es wird mein letztes sein. Obwohl kürzlich jemand zu mir gesagt hat: Es muss ja nicht das letzte sein, nur das beste."

Ja, Joan Baez kann lachen. Auch wenn sie keine Drogen nehmen wollte und sich deshalb vom kauzigen Bob Dylan trennte, den sie entdeckt und ihrem Publikum vorgestellt hatte ("pretty damn special"). Auch wenn Auftrittsverbote in Chile, Argentinien und Brasilien ihre Karriere pflastern. Auch wenn Martin Luther King ermordet wird, mit dem sie so viel gemeinsam auf die Beine gestellt hat, legendär ihr "We Shall Overvome" beim Civil-Rights-March auf Washington 1963. Auch wenn 1969 ihr Ehemann und Vietnamkriegsgegner David Harris drei Jahre ins Gefängnis muss, als sie den gemeinsamen Sohn Gabriel zur Welt bringt  (heute ist "Gabe" ihr Perkussionist). Auch wenn 1972 elf Tage lang amerikanische Bomben auf Hanoi fallen, als Baez mit einer Friedensdelegation gerade dort ist. Die hier erlittene Todesangst traumatisiert sie, macht sie aber nur noch entschlossener, wie sie im Dokumentarfilm "How Sweet The Sound" von Mary Wharton (2009) erzählt.

Ein paar eigene Songs zieren ihre Agenda, viele stammen aber von Bob Dylan, Steve Earle und anderen. Ihre Songauswahl, ihre Interpretation und ihr spezielles Fingerpicking haben Joan Baez auch in musikalischer Hinsicht unverwechselbar gemacht.

Gespielte Titel

  • Will The Circle Be Unbroken
  • Man Smart, Woman Smarter
  • Silver Dagger
  • We Shall Overcome
  • Don´t Think Twice It's Alright
  • I Pity The Poor Immigrant
  • Diamonds And Rust
  • I'm With You
  • Swallow Song
  • Play Me Backwards
  • I Never Will Marry
  • Farewell, Angelina
  • Sagt Mir, Wo Die Blumen Sind
  • With God On Our Side

Filme

"Joan Baez - How Sweet the Sound"
Dokumentation
USA 2009
Regie: Mary Wharton
Laufzeit: 90 Minuten