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Es wird stürmisch: Die Favoriten im November

Die Favoriten auf WDR 5

Es wird stürmisch: Die Favoriten im November

Von Kathrin Herr

Der November gilt ja bekanntlich nicht als der freundlichste Monat im Jahr, zumindest wettertechnisch gesehen. Musikalisch aber vielleicht doch, vor allem wenn es um unsere Favoriten geht.

Adani & Wolf – Let it go (Radio Edit)

Adani & Wolf

Es begann alles in den späten 90ern, da haben sich die beiden Produzenten Adani und Wolf zum ersten Mal zusammengesetzt. Damals sind sie als Drum&Bass Crossover Band namens Project 2000 gestartet. Schon damals war es ihr größtes Anliegen, den House-Sound ein bisschen zu revolutionieren und anstelle endloser Loops ein bisschen mehr Soul in die Tanzmusik zu bringen. Inzwischen hat sich ihr Sound noch ein Stückchen weiterentwickelt, Klingt inzwischen ein bisschen anders, die Anleihen aus der elektronischen Tanzmusik hört man aber durchaus noch raus – zum Beispiel in unserem Favoriten "Let it go". Der erschien bereits diesen März auf dem Wuppertaler Label Chinchin Records.

Dominic Fike – 3 nights

Dominic Fike

Dominic Fike kann mit seinen 24 Jahren bereits auf ein bewegtes Leben zurückschauen. Seine Kindheit und Jugend war alles andere als unbeschwert. Als Sohn einer drogenabhängigen Mutter, die den Großteil seiner Jugend im Gefängnis war, musste er sich gemeinsam mit dem großen Bruder um die jüngeren Geschwister kümmern. Halt gegeben hat ihm dabei stets die Musik. Als Teenager geriet er dann selbst auf die schiefe Bahn und so ist seine erste EP beispielsweise entstanden, als er gerade wegen Körperverletzung unter Hausarrest stand. Wegen Verletzung der Auflagen musste er dann auch noch ins Gefängnis und verpasste somit, wie seine Songs quasi ohne ihn durch die Decke gingen. Das gehört aber der Vergangenheit an – inzwischen hat ihn ein Major Label unter Vertrag genommen…der lässt der internationale Erfolg sicher auch nicht mehr lange auf sich warten.

 

Leisure – On my mind

Leisure

Sie sind eine Art neuseeländische Supergroup – Leisure aus Auckland. Die fünf Jungs stammen nämlich alle aus den unterschiedlichsten Bereichen der Musikbranche. Geplant war die Band eigentlich als Freizeitprojekt, inzwischen wird allerdings kräftig getourt, wie eben erst durch Europa. Und das obwohl ihnen allen der Erfolg eigentlich nie wichtig war. Obendrein kommt noch die totale Missachtung jeglicher bandinternen Strukturen und Hierarchien: jeder darf mal jedes Instrument spielen, genauso wie er gerade Lust hat.

Durand Jones & The Indications – Don’t you know

Durand Jones & The Indications

Durand Jones ist nicht nur der Namensgeber dieser kleinen aber feinen US Soul-Combo, er ist auch noch der kreative Kopf dahinter. Dass er heute als Sänger unterwegs ist verdanken wir keiner anderen als seiner Großmutter! Die hat ihn nämlich als Kind, weil sie seine Stimme so gerne mochte, einfach in den nächsten Kirchenchor gesteckt, in dem traditioneller Gospel gesungen wurde. Heute geht’s bei ihm ein bisschen souliger zu, vor allem mit seiner Begleitband the Indications. Mit dem Song "Don’t you know" vom aktuellen Album "American Love Call" ist ihnen eine kleine Zeitreise in die 60er Jahre gelungen.

Jeb Loy Nichols and the Westwood Allstars – Last train home

Album: June Is Short, July Is Long

Nummer zwei heißt Jeb Loy Nichols, fünfzehn Jahre älter als Nicki Bluhm, geboren in Wyoming und aufgewachsen in Missouri. Nach einem Kunststudium emigriert er 1981 nach London, wohnt dort in einer Wohngemeinschaft mit Neneh Cherry, Ari Up und Adrian Sherwood und verfällt zunächst dem HipHop. Sein elftes Album heißt „Long Time Traveller“, eine Anspielung auf seine ehemalige Country-Dub-Band „The Fellow Travellers“, in der noch seine Frau Loraine Morley mitsang. Die lebt aber immer noch mit ihm auf einem abgelegenen Cottage in Wales, einem Ort der Ruhe und Fokussierung, hervorragend geeignet, um lästige Telefon-Interviews mit Sturmbedingten Stromausfällen abzusagen. (Alles gut, die Leitung wurde repariert.) Das Besondere an diesem Album: Es wurde von Adrian Sherwood produziert, dem Menschen, der Job Loy Nichols mit seinen Genresprengenden Ansichten am meisten beeinflusst hat. Die beiden wollten schon immer ein Album zusammen machen, und jetzt ist es endlich (noch) dazu gekommen. Im Vordergrund steht glücklicherweise die warme, tröstliche Stimme von Jeb Loy Nichols, hier und da leider leicht out-of-tune auf den Reggae-Riddims sitzend. Konsumkritische Reime, Wales- und-seine-Frau-liebende Lyrik („The Day You Came Over The Hill“ oder „To Be Rich“) sowie eingehende Melodien rufen den Alternative-Country-Horizont in Erinnerung, der auf diesem Album fast so weit entfernt ist wie der amerikanische Akzent in Jeb Loy Nichols´ Englisch

Rudy Mancuso & Maia Mitchell - Magic

Rudy Mancuso & Maia Mitchell

Magisch ist die Wirkungskraft des Youtube-Stars und Sängers Rudy Mancuso. Er singt unseren Favoritensong „Magic“ mit Maia Mitchell, mal abwechselnd, mal im Duo. Im wahren Leben sind die beiden übrigens ein Liebespaar. Die Kollaboration ist ein Debüt der beiden Musiker. Das Stück ist schön und emotional, so schön, dass zwei Videos für den Track gedreht wurden. Natürlich musste für die Lieblingsplattform Youtube etwas Besonderes her, aber auch Spotify-User kommen mit einem separaten Video auf Ihre Kosten. Die akustische Gitarrenbegleitung macht „Magic“ zu unserem perfekten, magischen Favoritensong!

Molly Burch - First Flower

Album: First Flower

Die Singer-Songwriterin Molly Burch wuchs in Los Angeles inmitten von Stars und Sternchen auf. Eines ihrer Idole ist die Musiklegende Nina Simone. Schon als junger Teenager entdeckte sie ihre Gesangsstimme - nicht verwunderlich, dass sie selbst auch eine Musikkarriere anstrebte. Für Molly war es quasi eine logische Konsequenz Jazzgesang an der Universität in Austin zu studieren. Ihr Motto Songs zu schreiben, könnte sie selbst nicht besser ausdrücken: “I was always really interested in singing before songwriting.” Unser Favoritensong „First Flower“ ist von ihrem gleichnamigen, zweiten Album „First Flower“.

Kraak & Smaak - Don't want this to be over ft. Satchmode

Kraak & Smaak ft. Satchmode

Frei übersetzt heißt “Kraak & Smaak” “knusprig & lecker”. Das beschreibt den Sound des niederländischen Trios eigentlich ganz gut. Unser Favoritensong ist vom neuen und mittlerweile sechsten Studioalbum „Pleasure Centre“. Auf 70er-und 80er Jahre Rhythmen mit Singer-Songwriter-Einschlägen folgt ein Westküstencharme, der uns alle mitwippen lässt. Neurowissenschaftler Satchmode kommt übrigens aus L.A., wo auch „Pleasure Centre“ aufgenommen wurde. Das Trio hat mittlerweile sein eigenes Label „Boogie Angst“ gegründet. Ein Blick auf die Website des Labels lohnt sich: Hier wird stets geschmackvolle und funkige Musik herausgebracht!

Jeff Tweedy - Evergreen

Jeff Tweedy

Die einen schreiben ihre Memoiren, die anderen lieber Songs, um ihre ganz persönliche Geschichte zu erzählen. Jeff Tweedy hat einfach beides gemacht und auch noch fast gleichzeitig veröffentlicht. Letztes Jahr November erschien sowohl sein Buch als auch sein Soloalbum mit dem Namen "Warm". Im Anschluss folgte nun dieses Jahr April die Fortsetzung dazu. Sein neues Album trägt den Titel "Warmer". Und wem der Name Jeff Tweedy jetzt irgendwoher bekannt vorkommt, der dürfte bei der Erwähnung der Band Wilco einen kleinen Aha-Effekt haben. Dort ist Jeff Tweedy nämlich schon seit fast 25 Jahren Frontsänger.

Octave Lissner – Smokeless Fire

Octave Lissner

Octave Lissner ist ein Singer-Songwriter aus Paris. Die Musik wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Als Sohn einer Musikerfamilie begann er schon mit sechs Jahren Geige zu spielen und mit acht Jahren lernte er dann das Gitarrespielen. Durch die Gründung einer Band im Kindesalter entdeckte er auch sein Talent fürs Singen: Niemand der Band wollte sich als Frontsänger versuchen, Octave Lissners Stimme war wohl die überzeugendste und so erkannte er im Alter von 11 Jahren sein Talent vor dem Mikrofon. Unser Favorit "Smokeless Fire" ist eine von mehreren Singles, die Anfang 2019 unter dem Label "1K Records" veröffentlicht wurde.

The Map Room - Hold me up to the sun

Hold Me Up To The Sun

Brendon Morrow und Simon Gooding sind die Band "The Map Room" aus Auckland in Neuseeland. Die beiden lernten sich während ihres Tontechnikstudiums in Australien kennen. Es schlug die beiden Multiinstrumentalisten dann aber doch wieder in ihr Heimatland zurück. Dort wurde an Songs getüftelt. Die wohl größte Inspiration schöpften die Neuseeländer aus ihrer einjährigen Südamerikareise. Auf ihr Debütalbum "The Map Room" aus 2013 folgte vier Jahre das Album „Weatherless“. Unser Novemberfavorit "Hold me up to the Sun" ist genauso zeitlos, wie "Weatherless".

J.S. Ondara – Torch Song (Echo Park)

Album: Tales of America

Hinter J.S. Ondara verbirgt sich nicht nur ein großartiger Sänger, auch Geschichten kann er sehr gut erzählen und singen. "Tales of America" ist sein Debütalbum aus diesem Jahr. Ende September folgte nun die Fortsetzung mit "Tales of America (The Second Coming)". Unser Favorit "Torch Song (Echo Park)" baut auf die akustische Originalversion aus dem ersten Album auf. Zusätzliche Harmonien und Instrumentalmusik verleihen dem Song einen robusteren Sound und ein sonniges Westküstengefühl, wenn die Zeile "My heart is never on time, always a little behind" ertönt.

Sean Koch – We all believe

We all believe

Sean Koch hieß einmal "Sean Koch Trio". Doch aus drei engen Freunden aus Kapstadt wurden vier enge Freunde. Nun heißt die vierköpfige Band einfach nur "Sean Koch". Seit 2016 sind sie gerade in der Surferszene nicht mehr wegzudenken. Inmitten ihres akustischen, aber auch elektronischen Sounds, behalten sie ihren Singer-Songwriter-Charakter bei. "We all believe" ist aus ihrem neuen Album "Your Mind is a picture" aus diesem Sommer.