Zurück im Alltag - nicht mit unseren Favoriten

Die Favoriten auf WDR 5

Zurück im Alltag - nicht mit unseren Favoriten

Von Kathrin Herr

Auch die Favoriten im September haben es in sich und zum Trost, dass für die meisten die Urlaubszeit jetzt schon wieder vorbei ist, haben wir uns mit der Auswahl umso mehr Mühe gegeben. Zu hören gibts aber auch wieder Lustiges, Skurriles und Wissenswertes über die Künstler selbst.

Jonathan Jeremiah - The stars are out

Album: Good Day

Jonathan Jeremiah - Good Day

Frisch aus der Plattenpresse: Am 31. August erschien sein neues Album „Good Day“. Es ist das vierte Album und handelt von guten Tagen und den kleinen, aber ganz besonderen Momenten des Alltags. Als Inspiration dienten dem Sänger die glücklichsten Momente der letzten drei Jahre und diese positive Energie ist unüberhörbar. Besonders gilt dies für unseren Favoriten „Stars Are Out“. Aufgenommen wurde der Song in den legendären Konk-Studios der Band "Kings" in London, dabei hat der Sänger mit der markanten Stimme keine Mühen gescheut: Ihn unterstützte nicht nur eine Band, sondern auch ein 19-köpfiges Klassik-Ensemble.

Frank Turner - Be more kind

Album: Be More Kind

Wer sich mit dem Genre Singer-Songwriter befasst, kommt an Frank Turner nicht vorbei. Was jedoch kaum bekannt ist: Der gebürtige Engländer war früher Sänger der Punkband Million Dead. Harte Gitarrenriffs und Screaming hebt er sich nur noch für sein Bandprojekt "Möngöl Hörde“ auf. In seinem aktuellen, und mittlerweile siebten Soloalbum „Be More Kind“ fordert der studierte Historiker mehr Miteinander, man müsse aus der Geschichte lernen und aufeinander zugehen.

Deepend & Younotus feat. Martin Gallop - Woke up in Bangkok

Album: woke up in Bangkok

Die DJ’s und Produzenten Deepend kommen aus Amsterdam und sind durch ihren Remix-Hit „Catch & Release“ bekannt geworden. Die viel
gefragten Musiker spielen seitdem vor allem auf Festivals und in House-Clubs. Für unseren Favoriten kooperieren sie mit dem Berliner DJ-Duo Younotus und holen sich zudem gesangliche Verstärkung durch den kanadischen Songwriter Martin Gallop. Der Song hat alles, was ein guter Hit braucht: knackige Beats, eine Melodie die ins Ohr geht und eine charaktervolle Stimme.

Maya Fadeeva  - That Cookie

Album: Chamëleon

Maya Fadeeva ist Teil des Wuppertaler Musik-Kollektivs Club des Belugas, das Elektro-Swing international salonfähig gemacht hat. Die Künstlerin ist viel gereist, dies veränderte ihre Sicht auf die Welt und auch auf die Musik. Mayas Stil ist genreübergreifend: Ihr Debut Album
„Chamëleon“ aus dem Jahr 2018 hat Swing und versprüht Jazz und Soul zugleich. Sehr zu empfehlen ist ihr YouTube Kanal. Hier finden sich
interessante Einblicke in ihr Musikerleben. Ein besonderes Highlight ist ihr Musikvideo mit Kindern aus Kirgistan. Live zu sehen ist die
Musikerin Ende September beim Jazzfestival in Viersen.

Crystin - Save a little love (Fab Samperi Remix)

Album: Moonshine Crossroads

Schon früh begeisterte sich die gebürtige Düsseldorferin Crystin für Musik. Als Kind liebte sie es zu singen und lernte bald Klavierspielen.
Doch nach dem Abitur schlug sie eine konventionelle Richtung ein und versuchte es mit einem Jurastudium. Als sich dann aber abzeichnete, dass Kreativität viel besser zu ihr passt als Paragraphen und Gesetzestexte, brach sie das Studium ab, und verschrieb sich voll und ganz der Musik. 2005 erschien ihr erstes Werk „PopLounge“, seitdem hat sie mehrere EPs und Alben veröffentlicht. Sie mischt zudem bei den Bands „The Sea & The Sun“ und „Hearhere“ mit. Unser Favorit ist eine Remixversion ihres Songs “Save A Little Love” des aus Mailand stammenden DJ‘s und Produzenten Fab Samperi.

Villagers – A Trick of the Light

album: A Trick of the Light

Der kreative Kopf hinter der irischen Band Villagers ist der Singer Songwriter Conor O’Brien, der schon öfter Opfer von Homophobie geworden ist. In seinen Songs verarbeitet er dies und möchte allen jungen Pärchen Mut machen. "A Trick oft he Light" ist ein düsterer, sphärischer Indiepop Song, der als Vorabsingle zum neuen Album bereits jetzt verfügbar ist und Lust auf mehr macht. Aber nicht nur musikalisch gesehen ist der Song ein richtiges Highlight, auch das dazugehörige Video ist absolut sehenswert und erinnert schon fast an einen Wes Anderson Film. Verewigt hat sich darin der gefeierte irische Kurzfilmregisseur Bob Gallagher.

Shoos off - Ranger

Mit Schuhen haben Shoos Off aus Los Angeles eher weniger zu tun, beim Bandnamen geht es vielmehr um ein heimliches Weghuschen. Ihre Musik kommt allerdings alles andere als heimlich daher und entspricht durch ihren verträumten Synth-Pop genau dem Image von Strand, Surfern und Sonnenuntergängen ihrer Heimatstadt. Dabei sehen sie sich selbst auch eher locker. "Wir sind irgendwie so etwas wie eine Band", beschreiben sie sich beispielsweise selbst bei Facebook. Der kreative Kopf der Band heißt Patrick Killeen und der hat in der Schule eigentlich eine Karriere als Profi-Sportler angestrebt. Wir sind froh, dass er sich mit 19 dann doch nochmal um entschieden und sich autodidaktisch Gitarre spielen beigebracht hat, sonst müssten wir jetzt auf so großartige Songs wie "Ranger" verzichten.

Album: Kiss the Television

Hollydays – On a déjà

Album: L'odeur des joints

Was als Schülerband mit Coversongs begann, ist zu einer ernstzunehmenden Popband mit ganz eigenem Stil herangewachsen. Damals starteten Hollydays zu dritt, inzwischen sind sie ein Duo, das nach wie vor an seinem Prinzip festhält, simple aber trotzdem eingängige Melodien und Rhythmen zu erschaffen. Dabei fließen definitiv auch die musikalischen Anleihen ihrer Heimatstadt Paris mit ein, die von ihrem Sound auch ohne die Lyrics auf waschechte französische Popmusik schließen lassen. Der Song "On a déjà" erschien übrigens dieses Jahr im Januar und stammt von der aktuellen EP "L’odeur des joints".

Jill Barber – Bigger than you

Album: Metaphora

Als "Canada’s Sweetheart" bezeichnete sich Jill Barber vor ein paar Jahren selbst. Inzwischen hat sich ihr Sound zwar von Jazz zu Elektropop weiterentwickelt, der Titel stimmt allerdings immer noch. Der Genrewechsel war notwendig um ein bisschen zu experimentieren und neue Themen zu verarbeiten, wie beispielsweise die MeToo-Bewegung. Die ist natürlich auch in der Musikbranche ein Thema und deswegen handelt der Song "Bigger than you" von eben solch einem Mann, der seine Macht ausgenützt und missbraucht hat. Geschrieben war er laut Jill Barber an nur einem Nachmittag, aber es dauerte noch zwölf weitere Jahre bis sie den Mut aufbringen konnte ihn zu veröffentlichen. Inzwischen beschreibt sie ihn als ihren ganz persönlichen MeToo-Moment.

Albin Lee Meldau – The Weight is gone

Album: About You

Als Kind musste Albin Lee Meldau immer brav mindestens eine Stunde Trompete üben, das war seinen Eltern sogar wichtiger als Hausaufgaben. Als Sohn einer Jazzsängerin und eines Punk- und Reggaemusikers kam er außerdem schon früh mit den unterschiedlichsten Genres in Berührung. Inzwischen ist er selbst Musiker und nachdem er sich lange Zeit als Hochzeits- und Straßenmusiker verdingt hat, konnte der 30jährige Schwede inzwischen auch schon die ersten eigenen Erfolge verbuchen. So wurde er zum Beispiel 2016 mit dem Anchor Award zum besten Nachwuchskünstler gekürt und der gefeierte Regisseur Quentin Tarantino soll höchstpersönlich ein Mixtape bei ihm bestellt haben. Unser Favorit "The weight is gone" war da mit Sicherheit auch mit drauf.