Von Urgesteinen und Newcomern - Die Favoriten im Oktober

Die Favoriten auf WDR 5

Von Urgesteinen und Newcomern - Die Favoriten im Oktober

Von Kathrin Herr

Gleich drei Produzenten-Urgesteine haben uns ihre Songs für den Oktober beigesteuert. Mindestens genauso gut wie die alten Hasen klingen aber auch die der Newcomer unter ihnen. Eine Sache haben sie aber alle gemeinsam, sie alle sind unsere Favoriten.

Waldeck feat. Patrizia Ferrara – Rough Landing

Album: Stay Put

Der Österreicher Klaus Waldeck gehört zum Umfeld der Trip Hop Künstler "Kruder und Dorfmeister" und veröffentlichte bereits 1996 sein erstes Album. Waldeck kommt aus Wien und ist hauptberuflich Rechtsanwalt. Dass Juristen nicht nur mit Gesetzestexten kreativ umgehen können, zeigt seine Diskografie: Waldeck hat den elektronischen Downbeat-Sound der 90er salonfähig gemacht und das Genre Elektro-Swing mit begründet. 2018 erscheint seine vier Titel starke EP "Stay Put" inklusive unseres Favoriten: "Rough Landing" ist eine lockere Drum and Bass Nummer mit angenehm jazzigem Gesang.

S-Tone Inc – Chuva De Verao / Vontade de Vivier

Album: Onda

Hinter dem kryptischen Namen verbirgt sich Stefano Tirone aus Mailand. Er blickt auf über 20 Jahren Musikbusiness zurück und das, obwohl er hauptberuflich als Architekt arbeitet. Anfang der 90er Jahre veröffentlichte er seine erste Single. Sein Stil ist geprägt von einer großen Liebe zur Soulmusik der 70er und vor allem von dem Genre Acid-Jazz, das Ende der 90er Popularität erfuhr. 2017 erschien sein Lounge-Album "Onda" auf dem sich unser Favorit befindet

Emma Donovan – My Goodness

Album: Dawn

Anfang der 80er Jahre als Kind einer indigene Familie geboren, kämpft die Sängerin heute für die Rechte der Ureinwohner Australiens. Daher verwundert es kaum, dass Gerechtigkeit ein wiederkehrendes Thema ihrer Texte ist. Auch ihre musikalischen Wurzeln findet die Künstlerin in ihrer Familie: Ihr Onkel ist Mitbegründer der Aborigine Country Band "The Donovans". Der Rhythmus liegt Emma Donovan also im Blut, ihre Stimme hat Blues und geht unter die Haut. 2014 erschien ihr Album "Dawn", ein zeitloses Werk, das von bewegten Afro-Funk-Stücken bis hin zu ruhigen Soul-Balladen reicht.

Gizmo Varillas Lights Down low

Album: Dreaming of better Days

Gizmo Varillas ist Anfang der 90er in Nordspanien geboren und lebt derzeit in London – wie so viele Kreative. Die Musik seiner Heimat spielt bei seine Produktionen eine große Rolle: Aufgewachsen mit Rumba und Flamenco kombiniert er diese Stile auf wohlklingende Weise mit Folk und Indie. Das i-Tüpfelchen seiner Songs ist sein entspannter, schwerelos klingender Gesang. Ursprünglich verfolgte Varillas das Ziel, kritischer Dokumentarfilmer zu werden, um auf diese Weise einen Beitrag für eine "bessere Welt" zu leisten. Der Erfolg seiner Musik zeigte jedoch, dass er über dieses Medium viel mehr Leute erreichen und bewegen kann. Deswegen finden sich auch immer wieder politische Botschaften in seinen Songs. "Lights down low" stammt vom aktuellen und pressfrischen Album "Dreaming of better days".

Leon of Athens – Aeroplane

Aeroplane

Obwohl Leon of Athens seit einigen Jahren die ganze Welt bereist gibt es da einen kleinen Ort auf der Insel Korfu, den er fast jedes Jahr besucht. Sein Happy Place sozusagen, den er gedanklich von überall aus bereisen kann. Inzwischen lebt er in London, doch den Großteil seines Lebens hat der junge Grieche in Athen verbracht. Man muss kein Griechenland-Experte sein um zu wissen, dass die politische Lage der letzten Jahre von der Finanz- zur Flüchtlingskrise nicht unbedingt die beste Umgebung war, neue Songs zu schreiben. Doch genau dies hat Leon of Athens, der eigentlich Timoleon Veremis heißt, zu seinem ersten Album inspiriert. Dies sind die Themen, die sich fast immer in seinen Stücken wiederfinden. In unserem Song "Aeroplane" geht’s allerdings ausnahmsweise mal um ein anderes Problem, nämlich Fernbeziehungen. 

Herman Dune – Holding a monument

Album: Mariage à Mendoza

Selten hat eine Band solch ein Mysterium um sich selbst aufgebaut wie Herman Dune. Seit der Bandgründung 1999 gingen Journalisten wie Musikfreunde davon aus, das damalige Trio käme aus Schweden. Dabei ist es nur die Mutter der beiden Brüder André und David-Ivar, die skandinavische Wurzeln hat. Auch der Umlaut, den die Band damals noch im Namen hatte, schürte die Gerüchte. Erst 2006 und mit dem Weggang Andrés wurde Düne zu Dune und man bekannte sich endlich ganz zu Frankreich. Kein Gerücht ist allerdings, dass der Song "Holding a monument" einfach ein großartiges Stück Musik ist, dessen Gitarren- und Bassparts auch durchaus von den Dire Straits stammen könnten.

Haute – Shut me down

Album: Shut me down

Zwei junge Musiker mit französischen Wurzeln, die beide in Kanada aufwachsen, dasselbe Fach studieren, tatsächlich auch noch in derselben Straße in Montreal leben und sich dennoch über das Internet kennenlernen. Klingt nach einem modernen Märchen, ist aber die wahre Entstehungsgeschichte der Band Haute. Inzwischen leben die beiden in Paris und nachdem sie sich so lange gesucht und endlich doch noch gefunden haben, hat sich ihre Musik irgendwo zwischen Soul, Hip Hop und elektronischen Beats eingependelt. Die beiden Künstler arbeiten eng miteinander zusammen und jeder Song ist ein Stück feinster Handarbeit, wie auch unser Favorit
"Shut me down". Der erschien übrigens letztes Jahr im September als Single.

Robin Mckelle – Do you believe (Eric Legnini Remix)

Do You Believe (Eric Legnini Remix)

Robin Mckelle war lange Zeit als Backgroundsängerin unterwegs. Das hat ihr die Chance ermöglicht, mit den ganz Großen, wie zB David Bowie oder Herbie Hancock auf einer Bühne zu stehen. Aber die Zeit im Hintergrund ist bereits seit 2006 vorbei, seither ist sie nämlich solo unterwegs. Schon als Fünfjährige kam die New Yorkerin durch Klavierunterricht in Kontakt mit Musik, später entdeckte sie ihre Liebe zur Jazzmusik und studierte in Miami und Boston. Ihr Song „Do you believe“ erschien dieses Jahr im April und wurde nur kurze Zeit später vom belgischen Produzenten Eric Legnini geremixt. Das Endergebnis kann sich hören lassen.

Janne Schra – Lights

Lights

Die Niederländerin Janne Schra singt über alltägliche Momente, die sie dennoch bewegen. Für ihre Musik wurde sie schon mit Gold und Platin ausgezeichnet. Auf ihrem neuesten Album aus 2018 zeigt sie einmal mehr, wie vielseitig sie ist: Ihre Songs reichen von Dream-Pop über leicht verkopfte Elektro-Sounds bis hin zu Indie-Rock. Unser Favorit ist der Song "Lights": fröhliche Bossa-Beats, Ukulele und Piano begleiten den Gesang, der uns zum Träumen und Loslassen bewegen soll.

Pete Josef – Make It Good

Album: Colour EP

Bis auf Bass und Schlagzeug spielt der Brite Pete Josef alle Instrumente stets selbst ein. Und er lässt es sich auch nicht nehmen, selbst zu singen. Das in Bristol lebende Musiktalent setzt erfolgreich auf die Symbiose von analogen und digitalen Klangwelten. Seine Musik wird von dem Berliner Label "Sonar Kollektiv" veröffentlicht, das seit je her für grenzüber-schreitende Musik zwischen Funk, Jazz und Elektro bekannt ist. Der Song "Make It Good" ist Teil des 2015 veröffentlichten Albums "Colour".

Lewis Bootle – Routes

Album: Routes

Bereits seine erste Single aus 2015 schaffte es zum "Hit der Woche" bei der britischen Radiostation BBC 6. Das klingt nach einem guten Auftakt zu einer steilen Musikerkarriere. Doch aktuell ist der Anfang 20 jährige Brite noch ein absoluter Geheimtipp. Er selbst bezeichnet seinen Stil als "urban folk music". Inspiriert Bob Dylan und Jack Johnson greift er auf Element des Folk zurück und experimentiert dabei mit elektronischen Beats. Unser Favorit "Routes" hat etwas Besonders: Ein starker britischer Akzent trifft auf lockere Disco-Grooves und schwebende Fender Rhodes Akkorde.

Andrew Douglas – Everything

Album: Everything

Wer Andrew Douglas eigentlich wirklich ist, lässt sich nicht so einfach herausfinden. Den professionellen Dudelsackspieler können wir allerdings schon mal ausschließen, immerhin wissen wir, dass es sich um eine dreiköpfige Band aus dem US Bundesstaat Texas handelt. Wenn man ihre VÖ-Dates-Geschichte mal so anschaut, dann erkennt man recht schnell die Lücke von 6 Jahren darin, die sie allem Anschein nach dieses Jahr wieder wettmachen wollen. Inzwischen erschien nämlich schon die dritte Single. Unser Favorit "Everything" erschien diesen März und ist somit die Zweite davon.